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Aachen: IHK-Forum: So versichern sich die Deutschen

Aachen : IHK-Forum: So versichern sich die Deutschen

Manchmal ärgere es ihn schon, sagt er. Das sind bei ihm tatsächlich eher seltene Momente. Aber den architektonisch und stadtplanerisch gelungenen Neubau an der Borngasse auf die Treppe und ihre eigenwillige Konstruktion zu reduzieren, na ja, da sei er ein „bisschen hin- und hergerissen.”

„Von meinem Büro habe ich einen sehr guten Blick auf die Treppe. Sie wird sehr stark genutzt - gerade auch von Eltern mit Kinderwagen. Aachen würde etwas fehlen, gäbe es die Treppe nicht.”

Es sei doch sehr positiv für die Stadt, so formuliert das Michael Westkamp, dass die AachenMünchener sich für Aachen entschieden habe. „Ein so dominierendes Unternehmen hat nicht automatisch Freunde”, schränkt der Vorstandsvorsitzende ein. Und ergänzt deutlich: „Wir fühlen uns als Teil dieser Stadt, und es ist kein Zufall, dass alle Rundgänge offen sind, wir hätten auch eine Mauer ziehen können.”

Wir reden über den Deutschen und seine Versicherung. Ganz oben auf der Skala steht die Haftpflichtversicherung. Sie ist auch für Westkamp die Nummer eins der Notwendigkeiten im Alltag. Rund 80 Prozent der Deutschen besitzen eine solche Police. „Für die 20 Prozent, die nicht haftpflichtversichert sind, kann das existenzgefährdend sein”, warnt Westkamp. „Irgendeine Unachtsamkeit, und schon kann das einen riesigen Schaden auslösen.”

An Position zwei rät der Chef der AachenMünchener zur Berufsunfähigkeitsversicherung, „vor allem schon in ganz jungen Jahren”. Hier liegt die Quote erst bei 25 Prozent. Nachvollziehbar, aber irgendwie doch kurios: Ausgerechnet in Branchen, in denen relativ niedrige Löhne gezahlt werden, fallen die höchsten Versicherungsprämien an, die sich nach der Höhe des Risikos richten, berufsunfähig zu werden. Ein Maurer ist eher der Gefahr der Berufsunfähigkeit ausgesetzt als jemand am Schreibtisch. Die AachenMünchener trage dem nun Rechnung, sagt Westkamp, und biete mit einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung „abgespeckte Varianten” an.

Bleiben wir im Ranking der wichtigsten Versicherungsarten. Auf Platz drei der Westkamp-Liste steht da die Risikolebensversicherung. Die sei zur Absicherung der Familie immens wichtig.

Auf unserer Tour dHorizon erreichen wir nun die Umsatzzahlen in den verschiedenen Sparten des AM-Reiches. 4,5 Milliarden Euro Prämien in der Lebensversicherung entsprechen rund sieben Prozent Anteil unter etwa 100 Lebensversicherern. Die AM ist hier die deutsche Nummer zwei. Bei den Kompositversicherungen, also den Sach-, Unfall-, und Haftpflichtversicherungen, erhält die AachenMünchener mehr als eine Milliarde Euro an jährlichen Beiträgen und hat damit einen Marktanteil zwischen vier und fünf Prozent.

Versicherungen sind wetterabhängig. Im wahrsten Sinn des Wortes. Sturm und Hagel sind die unangenehmen Boten ungewöhnlich hoher Schadensmeldungen. Solche Großschäden verändern die Bilanz negativ. Das Orkantief Xynthia hinterließ an einem Sonntag im März 2010 eine Schneise der Verwüstung. „Ein Jahrhundertsturm”, sagt Michael Westkamp. Die stürmische Xynthia servierte der AM rund zwölf Millionen Euro an Kostenerstattung. Aber auch sehr beachtliche regionale Stürme wie Achim, Bert und Frank brachten bemerkenswerte Summen zustande, Achim und Bert zusammen 12,6 Millionen, Frank alleine sogar 14 Millionen Euro.

Michael Westkamp schaut nicht gelassen in die Wetterprognosen. „Die Zahl schwerer Unwetter nimmt zu, die Auswirkungen auf die Höhe der Prämien sind deshalb dauerhaft.” Noch sei die Bilanz nicht verhagelt, noch seien die Folgen „relativ kalkulierbar”. Er ergänzt: „Ein Schaden von zwölf Millionen Euro haut uns nicht um.”

Kommen wir zum, ja nennen wir es getrost so, Reiz-Thema Altersvorsorge. Das gerade in den letzten zwei, drei Jahren zunehmend negative Image der privaten Altersvorsorge sei, so Westkamp, „teilweise von der Branche selbst verschuldet”. Aber er sagt auch: „Die private Altersvorsorge wird im Moment von Verbraucherschützern totgeredet.” Ein kleinerer Teil der Kritik mag gerechtfertigt sein, aber eine Alternative zur privaten Vorsorge gebe es doch nicht. Von den seligen Zeiten eines Norbert Blüm und seiner „Rente-ist-sicher”-Plakatierung sei man eben weit entfernt.

Riester-Rente

Schnell sind wir beim Stichwort „Riester-Rente”. Da ist die AachenMünchener Marktführer. Es drohte zunächst ein Flop, und noch immer betont Westkamp trotz der Korrekturen durch die Bundesregierung den riesigen Verwaltungsaufwand, der sich naturgemäß in den Kosten niederschlage. Andere Zeiten, andere Angebote: Dazu gehört die Bündelpolice, die verschiedenartige Risiken abdeckt. „Unser Ansatz lautet: Wir machen die Produkte einfacher.”

Ein alltägliches Beispiel dafür ist die Hausratversicherung. Es könne nur darum gehen, dass bei einem Versicherungsfall letztlich der volle Schaden ersetzt werde. Um die sogenannte Unterversicherung zu vermeiden, wird die Prämie nach der Wohnfläche in Quadratmetern festgesetzt und dann komplett versichert. Das verhindere viel Bürokratie und böse Überraschungen. Westkamp: „Bei den alten Ermittlungsbögen mussten Sie ja vier Semester Spezialfach studiert haben, um den ausfüllen zu können.”

Noch ein beliebtes Thema ist das „Novemberfieber”, wenn das Gefeilsche der Autoversicherer losgeht. Jahr für Jahr. Westkamp bezeichnet das ganz offen als „großen Unsinn”, der demnächst aufhören werde. Das Versicherungsjahr soll dann grundsätzlich ab Beginn der Kfz-Anmeldung und nicht zum 1. Januar gehen.

Und Aachen, die Stadt? Die RWTH sei ein Schmuckstück der Region, sagt Michael Westkamp. „Ein Schmuckstück, ein Edelstein, ein Pfund, das größte Pfund.” Dann, Pause. Dann der Satz: „Ich stehe nicht im Verdacht, Aachen-feindlich zu sein.” Dann: „Aachen überschätzt sich, verschläft viele Dinge, ist nicht selbstkritisch genug. Warum hat Aachen eine höhere Arbeitslosigkeit als im Landesdurchschnitt? Mit dem Campus alleine ändert man daran nichts, dafür sind viele andere Dinge zu sehr vernachlässigt worden.”

Themen haben wir also genug für das Forum am 25. Juni.