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Aachen: ICE ab 2013 von Aachen nach London

Aachen : ICE ab 2013 von Aachen nach London

Ab 2013 soll nach Angaben der Deutschen Bahn ein ICE von Aachen nach London fahren. Die neue Verbindung durch den Euro-Tunnel sei mit drei Stunden und 15 Minuten rund 45 Minuten schneller als die bisherige Fahrt mit dem Eurostar.

Auf der geplanten Strecke soll der neue ICE 3 eingesetzt werden, der am Dienstag in London vorgestellt wurde. Noch gibt es allerdings keine Genehmigung für die Pläne der Bahn.

Offen ist auch die Frage, wie die Abfertigung der Passagiere in Aachen bewerkstelligt werden soll, weil für die Fahrt durch den Euro-Tunnel eine Passkontrolle notwendig ist. Für den Euro-Star gibt es beispielsweise in Brüssel ein eigenes, gut gesichertes Gleis mit Passkontrolle. Das wäre möglicherweise auch in Aachen erforderlich.

Bahnchef Rüdiger Grube und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer präsentierten den neuen ICE 3 am Dienstagnachmittag im Londoner Traditionsbahnhof St. Pancras International. Er soll ab Dezember 2013 von Frankfurt am Main, Aachen/Köln und Amsterdam aus durch den Eurotunnel nach London fahren - ein Vorhaben, dass die Bahn schon seit langem im Visier hat, um nicht zuletzt in Konkurrenz zum Flugverkehr treten zu können.

Ramsauer bezeichnete die geplanten ICE-Verbindungen nach Großbritannien als „gewaltigen Fortschritt für den europäischen Zugverkehr”. Bahnchef Rüdiger Grube sieht den Konzern in Europa an der „Schwelle zu einem neuen Zeitalter”. In der Nacht zum Dienstag sei zum ersten Mal nach 15 Jahren ein neuer Zugtyp durch den Kanaltunnel gefahren. In der Tasche hat die Bahn die Zulassung für die Strecke nach London jedoch noch nicht - und sieht sich darüber hinaus wütenden Franzosen gegenüber. Zwar hat der neue ICE erste Tests auf der Kanalstrecke erfolgreich bestanden, muss aber in weiteren Untersuchungen beweisen, dass er die vor 25 Jahren beschlossenen Sicherheitsvorschriften für den Tunnel erfüllt.

Die Bestimmungen sehen vor, dass die Züge 400 Meter lang sind und von Anfang bis Ende durchlaufen werden können. Die für den Eurotunnel vorgesehenen ICEs bestehen aber aus zwei je 200 Meter langen, aneinandergekoppelten Zügen. Die Entscheidung über die Zulassung liegt bei einer britisch-französischen Sicherheitskommission. Eine Aussage zur Machbarkeit wird für Anfang nächsten Jahres erwartet.

Nicht erfreut über die Aktivitäten der Bahn zeigte sich die Regierung in Paris. Denn bislang fahren nur Züge der französischen SNCF-Tochter Eurostar durch den Tunnel. Dieses Monopol dürfte aber bald ein Ende haben. Der Tunnelbetreiber beabsichtigt, die Hochgeschwindigkeitsstrecke auch für andere Betreiber zu öffnen.

Derzeit fahren täglich 300 Züge unter dem Ärmelkanal durch - nur halb so viele wie möglich. Eine zusätzliche Auslastung mit Zügen der Deutschen Bahn würde willkommene Einnahmen bringen. Strecken-Monopolist Eurostar rüstet sich bereits für den neuen Konkurrenten aus Deutschland. Der Konzern kündigte vor knapp zwei Wochen an, ab 2014 mit zehn Siemens-Zügen fahren zu wollen - und damit nicht mehr Züge des französischen Herstellers Alstom zu ordern.

Bei dem neuen Eurostar 320E handelt es sich um einen Velaro - im Prinzip der gleiche Bautyp wie der neue ICE 3. Frankreichs Verkehrsminister Dominique Bussereau drohte damit, die Zulassung der in Deutschland gebauten Züge stoppen zu wollen: Der Velaro entspreche nicht den Sicherheitsstandards des Tunnels. Die Deutsche Bahn hält sich bei diesem industriepolitischen Streit offiziell zurück. Das Aufbegehren der Franzosen will sie nicht kommentieren, verweist aber darauf, dass der neue ICE 3 den höchsten Sicherheitsansprüchen gerecht werde.