Aachen/Herzogenrath: HTCW reinigt bundesweit Maschinen mit Trockeneis

Aachen/Herzogenrath: HTCW reinigt bundesweit Maschinen mit Trockeneis

Eiskalt reinigt Winfried Wulf die alte Maschine. Minus 79 Grad Celsius hat das Trockeneis, das er über eine Art große Pistole mit Schallgeschwindigkeit auf die Schrauben, Kurbeln und Gewinde schießt. Ein paar Stunden später ist die historische Rauhmaschine (zum Aufrauhen von Teppichen) des Aachener Tuchwerks blitzeblank gesäubert.

Hätten die Verantwortlichen des Tuchwerks selbst Hand angelegt und mit Bürsten und was auch immer reinigen wollen, sie hätten wohl ein paar schweißreiche Tage investieren müssen — dafür bräuchte es nicht einmal die aktuellen Temperaturen.

Winfried Wulf ist Geschäftsführer der Herzogenrather Firma HTCW. Das, was er macht, nennt sich CO2-Industriereinigung. Er ist in ganz NRW und bisweilen in ganz Deutschland zu finden, wenn es gilt, Produktionsanlagen, Gießereien, aber auch Gebäude oder Schiff zu säubern. In den neun Jahren, die es HTCW mittlerweile gibt, hat er schon für Dalli und Saint-Gobain, RWTH-Institute, aber auch Siemens, BMW und Eon gearbeitet. Für Letztere hat er mit zwei Teams eine ganze Woche einen großen Transformator gereinigt. Für einen führenden deutschen Haushaltsgerätehersteller hat HTCW jüngst 8200 Staubsaugermotoren gesäubert.

Es ist eine kleine Nische, in der die Herzogenrather Firma unterwegs ist — bundesweit ist die Zahl der Anbieter überschaubar, in einem Umkreis von etwa 100 Kilometern gibt es keinen zweiten Spezialisten wie HTCW. Die Methode war lange kaum bekannt. Wulf spricht von einer Durststrecke, die er mit dem Trockeneis hinter sich hat. Dabei ist es nicht zu überhören, wenn Winfried Wulf mit seinem Team arbeitet — 110 Dezibel ist sein Reiniger laut, das entspricht einem startenden Jet.

Die Nachfrage steigt langsam, aber sicher — insbesondere da, wo Rückstände bei der Reinigung für Probleme sorgen können. Bei der CO2-Trockeneisreinigung braucht es weder Wasser, noch Sand, noch Chemikalien. Der Trockeneisstrahl trifft auf der verschmutzte Oberfläche, durch die kinetische Energie entsteht ein Miniriss, das nachfolgende Eis dringt in den Riss, dehnt sich auf das 70-Fache seines Volumens aus, sprengt den Dreck und löst sich auf. „Die Oberfläche wird nicht angegriffen“, erklärt Wulf. Deswegen kann diese Art der Reinigung auch bei Schaltschränken und in Computern eingesetzt werden. Oder eben bei alten Schätzen — wie der Rauhmaschine.

(tka)
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