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Seattle: Hollywoodauftritt für „Dreamliner”: Boeing feiert 787-Premiere

Seattle : Hollywoodauftritt für „Dreamliner”: Boeing feiert 787-Premiere

Als sich die gewaltigen Tore des Hangars öffnen, hält es niemanden mehr auf den engen Stühlen: Tosender Applaus füllt die Flugzeughalle, Kameras werden gereckt und blitzen, während Boeings jüngster Coup langsam heranrollt: Blau-weiß lackiert glänzt die 787 draußen in der Sonne von Seattle, bald umringt von tausenden von Boeing-Mitarbeitern und Gästen aus aller Welt.

„Boeing weiß, wie man eine Premiere veranstaltet”, meint Charles Prather, der in seinen mehr als 25 Boeing-Jahren schon einige gesehen hat. „Aber diese geht über alles bisherige hinaus”, sagt der Mechaniker, der an der 787 mit Hand anlegte. „An diesem Flugzeug hat man schließlich rund um den Globus mitgearbeitet, und jeder kann stolz sein”.

Und die ganze Welt sollte dabei sein beim Hollywoodauftritt für den „Dreamliner” : In 45 Länder übertrug der Flugzeuggigant die Premiere, Zuliefer grüßten per Videobotschaft aus allen Ecken der Erde. Zwischendurch tauchen Scheinwerfer den Hangar in eine bizarre Lichterwelt, farbenprächtige Videosequenzen zeigten Szenen aus den Kundenländern rund um den Globus, unterlegt von Musik wie aus einem Disney-Film.

Die Boeing-Oberen vorne auf der Bühne sprechen oft von „Revolution”, wenn sie ihr neuestes Produkt loben - und wie gut es ankommt. Am Premierentag zählten sie 677 Bestellungen von 47 Fluggesellschaften. Tags zuvor war Air Berlin hinzugekommen.

Der Erfolg für die 787 steht bei Boeing auch als Symbol für die Rückkehr zum geschäftlichen Erfolg. Anfang des Jahrzehnts ging das Unternehmen durch eine tiefe Krise: Einerseits setzte das Unternehmen lange auf seine etablierten Produkte wie 737, 767 und 747 - ein Technologiesprung war vor allem die Boeing 777 Mitte der 90er Jahre.

In der gleichen Zeit entwickelte sich Airbus zum heftigen und erfolgreichen Konkurrenten. Hinzu kamen bei Boeing umstrittene Entwürfe wie der „Sonic Cruiser” - ein fast überschallschnelles Flugzeug, dessen Entwicklung aber bald wieder eingestellt wurde. Dann folgte die allgemeine Branchenkrise nach den verheerenden Anschlägen vom 11. September 2001.

Mit dem Start der 787 und der erfolgreichen 777 hat Boeing jetzt eine extrem gute Position im Markt der mittelgroßen Langstreckenflugzeuge. Im Segment der Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge ist die 737 noch ein Verkaufserfolg. Genauso wie Airbus bei einem möglichen A320-Nachfolger ist Boeing für die 737-Nachfolge vor allem auch auf eine neue Generation von Triebwerken angewiesen, die noch in der Entwicklung stehen.

Für das „Dickschiff” 747 hat Boeing inzwischen die modernisierte Version 747-8 auf den Markt gebracht. Für den Frachter liegen schon diverse Aufträge vor, Startkunde für das Passagiermodell ist die Lufthansa.