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Alsdorf: Hoffnung auf mehr als eine weitere „Nullnummer”

Alsdorf : Hoffnung auf mehr als eine weitere „Nullnummer”

Es kann einem schon angst und bange werden um den Einzelhandel in Deutschland. Das Wachstum schlägt bei ihm nicht so durch wie in den anderen Wirtschaftszweigen, und für die Zukunft sehen die Experten fast durchgehend schwarz.

Und doch war die Delegiertentagung des Einzelhandels- und Dienstleistungsverbandes Aachen-Düren am Dienstag in Alsdorf, bei dem diese Hiobsbotschaften verkündet wurden, nicht durchweg depressiv.

Verbandspräsident Herbert Sütterlin sprach von „deutlich verbesserten Rahmenbedingungen” und davon, dass der „Optimismus größer geworden” sei.

Und Thomas Grunewald, Partner der BBE Unternehmensberatung, skizzierte - wenn auch reichlich wolkig - in seinem Ausblick auf 2015 neben allen gravierenden Negativ-Tendenzen (expandierende Discounter, Nivellierung des Angebots in den Städten, noch härterer Konkurrenzkampf) auch die Chancen, die der Handel nur nutzen müsse: Kooperationen, Einkaufserlebnis statt „Biedermeier”, gemeinsam Vielfalt bieten, die „goldene Mitte” zwischen Billigangeboten und Hochpreissegment neu definieren.

Da hatte Sütterlin schon Konkreteres zu bieten. Auch wenn der Handel im vergangenen Jahr real eine „Nullnummer” verzeichnet habe und auch für das laufende Jahr nur ein nominaler Umsatzzuwachs von einem halben bis zu einem Prozent zu erwarten sei, blicke die Branche doch optimistischer nach vorne. Der Handel sei traditionell ein Spätstarter, deshalb sei die Stimmung allenthalben nun erst gestiegen.

Deutliche Worte fand Sütterlin zur Mehrwertsteuererhöhung: Der prognostizierte Vorzieheffekt sei ausgeblieben; die höhere Steuer treffe den Handel besonders bei den Gewinnen hart, da die Erhöhung nur begrenzt und mit zeitlichem Verzug weitergegeben werden könne. Deshalb: „Die Mehrwertsteuererhöhung war gar nicht so notwendig.”

Stichwort veränderte Ladenschlusszeiten: Sütterlin monierte, dass der Bund sich vor einer einheitlichen Regelung „gedrückt” habe und die Verantwortung in die Hände der Länder gegeben habe. Das Ergebnis: ein bundesweiter „Flickenteppich”. In der Region haben 88 Prozent der Mitglieder die Öffnungszeiten nicht verändert. Sütterlin plädierte in diesem Zusammenhang für mehr Mut gegenüber Neuerungen.

Sehr positiv fiel seine Bilanz des Ausbildungsmarktes aus: Ende September 2006 verzeichnete die IHK Aachen im Einzelhandel 471 neue Ausbildungsverhältnisse in den Berufen Kaufmann/Kauffrau (3,5 Prozent mehr als 2006) und 256 bei den Verkäufer/innen (ein Plus von 20,2 Prozent).

Sütterlins Resümee: Der Handel habe bei Investitionen, Ausbildung und Arbeitsplätzen aufs Gaspedal gedrückt. Nun wolle man die Früchte auch ernten.