Aachen: Heizungsbaufirma Mahr: Sie bringen Wärme nicht nur in Kirchen

Aachen: Heizungsbaufirma Mahr: Sie bringen Wärme nicht nur in Kirchen

Mit Theodor Mahr nahm alles seinen Anfang. Vor 175 Jahren hatte der Aachener Schlossermeister, der in der Adalbertstraße eine Ofen- und Herdschlosserei betrieb, die Idee, mehrere Räume gleichzeitig von einer Befeuerungsstelle aus zu heizen.

Was heute selbstverständlich ist, war Mitte des 19. Jahrhunderts revolutionär. Oft gab es in den Häusern nur in der „guten Stube“ einen Kohle- oder Holzofen, aus Kostengründen wurde der höchstens spärlich beheizt. Mit seinen „Luftheizapparaten“ schaffte Theodor Mahr eine kostengünstige Alternative, mit der ganze Gebäude mit Wärme versorgt werden konnten. Die Geräte erfreuten sich in der Region und darüber hinaus schnell großer Beliebtheit.

Die Firma setzt auf Kontinuität

1871 gelang dann ein weiterer Meilenstein in der Firmenhistorie: Die evangelische Annakirche wurde mit einem Heizsystem von Mahr ausgestattet. Das sollte der Anfang einer bis heute dauernden Erfolgsgeschichte werden. Inzwischen haben die Mahrs rund 18 000 Kirchenheizungen verbaut, deutschlandweit sind sie führend auf dem Gebiet, aber auch in Frankreich, Österreich, den Beneluxstaaten, Polen oder der Tschechei setzt man auf Luftheizungen „made in Aachen“.

Die Mahrs setzen auf Kontinuität. Nach dem Tod des Firmengründers übernahmen dessen Söhne die Geschäfte. So ging es weiter. Heute ist Michael Mahr Firmenchef in der fünften Generation. der ist ein Mann mit vielen Leidenschaften — dass er Unternehmer werden würde, war gar nicht so klar, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag.

„Es gab eine Sekunde in meinem Leben, da musste ich mich entscheiden — und fast wäre ich Schäfer geworden“, sagt er. Aber dann trat er dennoch im Alter von 30 Jahren in das heimische Unternehmen ein — nachdem er sich zuvor in anderen Betrieben seine Sporen verdient hatte. Auch heute noch ist er der Meinung: Man sollte noch etwas anderes kennengelernt haben als „nur“ den elterlichen Betrieb. Das haben auch Sohn Theodor und Tochter Laura beherzigt, die inzwischen ins Unternehmen eingestiegen sind.

64 Jahre alt ist Senior Michael — und er möchte kürzer treten. „Ich gebe die Verantwortung gerne schrittweise ab und lasse meinen Kindern völlig freie Hand“, sagt er. „So gewinne ich Stück für Stück Freiheit hinzu, weil ich weiß, dass der Laden auch ohne mich läuft.“ Freiheit, die er seinen zahlreichen Hobbys widmen kann. Er ist leidenschaftlicher Brieftauben- und Kaltblutzüchter. Außerdem ist er Vorsitzender des Industrieverbandes Technische Gebäudeausrüstung (ITGA) und seit 2011 Vorsitzender der Vereinigten Unternehmerverbände (VUV) Aachen.

Sein Sohn heißt Theodor, wie der Firmengründer. Er ist 31 und im fünften Jahr mit an Bord, seine Schwester Laura seit einem halben Jahr. Druck haben sie keinen gespürt. „Wir wurden nicht gezwungen. Ich wusste schon als Kind, dass ich zu meinem Vater in die Firma will, das habe ich in der Schule schon immer in die Poesiealben meiner Freundinnen geschrieben“, sagt die 27-Jährige mit sichtbarem Stolz.

Das Unternehmen ist ein ganz klassischer Familienbetrieb geblieben. Viele der 163 Mitarbeiter sind schon lange dabei. So wie Leo Beckers, der sich in diesem Jahr nach 52 Dienstjahren in den Ruhestand verabschieden wird. Die Chefs setzen auf das erfahrene Personal: „Unsere Außendienstler stehen zwei Minuten in einer Kirche und können recht präzise einschätzen, wie alt das Gebäude ist, wie dick das Mauerwerk und wie groß das Raumvolumen. Diese Erfahrung ist einfach unbezahlbar“, sagt Theodor Mahr.

Denn die Installation einer Kirchenheizung ist immer eine Gratwanderung zwischen Denkmalschutz, Heizkosten und dem Wunsch der Besucher nach Wärme. Für jedes Kirchenhaus sind also individuelle Lösungen gefragt. „Nimmt man zum Beispiel den Aachener Dom — die gotische Chorhalle mit ihren großen Fensterflächen stellt andere Anforderungen an die Heizung als das Oktogon mit seinem dicken Mauerwerk. Hier gilt es, mit moderner Regeltechnik die Temperatur und Luftfeuchte zu kontrollieren“, erklärt Michael Mahr.

Der Senior erinnert sich gerne an einen besonders anspruchsvollen Auftrag. Zur 1200-Jahr-Feier der Krönung Karls des Großen fand im Jahr 2000 im Aachener Rathaus die Ausstellung „Könige in Aachen — Geschichte und Mythos“ statt. Wertvolle Leihgaben von Museen aus aller Welt waren damals zu bestaunen. „Die Klimatisierung des Krönungssaals war mit das Anspruchsvollste, was ich erlebt habe. In jeder Vitrine hatten wir Sensoren angebracht, fast jedes Exponat brauchte eine andere Temperatur oder Luftfeuchtigkeit. Und die Abweichungen durften nur minimal sein, sonst ging sofort der Alarm los“, erinnert er sich.

Von Reinräumen bis Tiergehegen

Dass der Senior seine Ankündigung, kürzer zu treten, auch wirklich beherzigt, merkt man im Gespräch. Er überlässt die Antworten meist den Jüngeren. Die legen besonderen Wert darauf, dass das Unternehmen nicht in der Zeit stehengeblieben ist. „Papa, rede nicht so viel von dem alten Kram“, schimpft seine Tochter Laura lachend. Sie möchte lieber die Moderne hervorheben.

Das Spektrum reicht von der Klimatechnik für Reinräume bei Aixtron und für OPs in Krankenhäusern über die Kühlung der Motorenprüfstände beim Motorentechniker FEV oder die Beheizung des Hubschrauberlandeplatzes am Aachener Klinikum bis hin zur Fußbodenheizung im Tigergehege des Kölner Zoos. Auch das Privatkundengeschäft spielt selbstverständlich eine wichtige Rolle. „Wir bieten häufig Komplettpakete an. Von der Planung, über Bau und Installation bis zur Wartung der Anlage haben wir alles in der Hand“, sagt Theodor.

Nach 175 Jahren ist die nahe Zukunft des Aachener Traditionsunternehmens also erst einmal gesichert. Und die siebte Generation der Mahrs steht schon in den Startlöchern: Laura hat mit Töchterchen Lena im vergangenen Jahr bereits für Nachwuchs gesorgt — was aus ihr wohl einmal werden mag?

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