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Hausmodernisierung: Keine halben Sachen

Hausmodernisierung: Keine halben Sachen

Aachen Der Tag der Umwelt am kommenden Samstag steht in diesem Jahr im Zeichen der erneuerbaren Energien, er soll für Klimaschutz (global) und Arbeitsplätze (lokal) werben. Ein Beispiel zeigt, was heute schon wirtschaftlich möglich ist.

Ein hochwertiger Wärmeschutz bei der Modernisierung von Gebäuden kann zu einer Einsparung an Heizenergie von 90 Prozent im Vergleich zu einem typischen Bestandsgebäude führen. Die dazu notwendigen Mittel sind als Investition zur Schaffung von Arbeitsplätzen im Inland besser angelegt, als wenn dieses Geld zur Beschaffung fossiler Brennstoffen ausgegeben wird.

Im Neubau haben die besonders Energie sparenden „Passivhäuser” seit dem Anfang im Jahr 1991 schon eine große Bedeutung bekommen. Über 4000 Wohnungen gibt es jetzt mit diesem Standard in Deutschland. NRW-Wohnungsbauminister Michael Vesper (SPD) unterstreicht das Engagement der Landesregierung im Arbeitskreis „Kostengünstige Passivhäuser”: „Passivhäuser waren eine Vision und sind heute gebaute Realität”.

Passivhäuser in NRW

Seit Beginn der Förderung in NRW 1999 sind über 380 Projekte mit knapp 900 Wohnungen als 1,5-Liter-Haus (Passivhaus) oder 3-Liter-Haus gefördert worden. Vier Gründe sprechen laut Vesper für den Bau eines Passivhauses: „Zunächst die Einsparung von Heizkosten und die Investition in eines der modernsten Haussysteme. Außerdem leistet man einen persönlichen Beitrag für eine saubere Umwelt und zur Lösung der Energieprobleme. Schließlich sind die gesparten Energiekosten auch noch eine persönliche Rentenversicherung.”

Da es leider immer noch große Wissensdefizite bei Planern und Ausführenden gibt, lässt das Ministerium gerade einen Leitfaden für Fachleute und Interessierte erarbeiten. Die Idee der Passivhäuser geht zurück auf Dr. Wolfgang Feist aus Darmstadt, der hierfür den Deutschen Umweltpreis erhielt.

Feist sieht das Passivhaus jetzt auch im Gebäudebestand auf dem Erfolgskurs: „Die Modernisierung mit Passivhaus-Komponenten ist bei guter Planung nicht schwieriger als normale Sanierung. Die Lüftungsanlagen verhindern beim Wohnen kritische Feuchtigkeit in den Wohnungen.” Durch das hohe Dämmniveau steigen die Temperaturen an den inneren Bauteiloberflächen an, so dass die Behaglichkeit zunimmt. „Keine halben Sachen machen”, lautet daher Feists Zielrichtung, „wenn schon dämmen, dann richtig”.

Der Architekt Burkhard Schulze-Darup hat in Nürnberg bei einem Gebäude von 1930 eine Modernisierung mit Passivhaus-Komponenten durchgeführt. „Die berechneten Ergebnisse stimmen mit der gemessenen Realität sehr gut überein.

Das Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen von je 149 Quadratmetern Wohnfläche erreicht einen Heizwärmebedarf von 27 kWh/Quadratmeter/Jahr”, berichtet Schulze-Darup. Das entspricht einer Verwandlung des ursprünglichen 21-Liter-Hauses in ein 3-Liter-Haus.

In den Baukosten von 530 Euro/Quadratmeter Wohnfläche sind 100 Euro/Quadratmeter als Mehrkosten für die Sanierung mit Passivhaus-Komponenten enthalten. Die Wände erhielten außen ein Wärmedämm-Verbundsystem mit 20 cm Dämmung, die oberste Decke wurde mit 25 cm gedämmt.

Zum Keller wurden 14 cm Wärmedämmung eingebaut. Die Luftdichtheit wurde von vorher 4,9-fach auf nachher 0,35-fach verbessert, sehr gut ist schon ein Wert von 0,6-fach.

Die jetzt noch fehlende Energie für Heizung, Warmwasserbereitung und Strom bereit zu stellen, ist für eine automatische Holzheizung in Kombination mit Solaranlagen kein Problem.