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Aachen: Handwerkskammer Aachen: „Entspannte Lage” auf dem Ausbildungsmarkt

Aachen : Handwerkskammer Aachen: „Entspannte Lage” auf dem Ausbildungsmarkt

Die Handwerkskammer Aachen sieht keine Notwendigkeit, bei der Besetzung von Ausbildungsstellen auf Jugendliche aus Osteuropa zurückzugreifen.

Wie der Hauptgeschäftsführer der Kammer, Ralf W. Barkey, in einem Gespräche erläuterte, habe dieser Vorschlag des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) vor allem mit der schwierigen Situation auf dem Ausbildungsmarkt in Ostdeutschland zu tun. In einigen der neuen Bundesländern halbiere sich die Zahl der jugendlichen Bewerber bis 2011.

In Nordrhein-Westfalen und auch im Kammerbezirk Aachen sei diese demographische Entwicklung noch nicht spürbar.

Barkey nannte dazu Zahlen: Anfang Juli lag die Zahl der bei der Kammer eingetragenenen Ausbildungsverhältnisse mit 1291 auf dem Niveau des Vorjahres. Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt der Region sei „entspannt” und nicht zu vergleichen mit der Lage in Ostdeutschland. Auch sei in den nächsten Jahren noch ein Anstieg der Schulabgängerzahl zu erwarten. Barkey ist zuversichtlich, dass im neuen Ausbildungsjahr die Marke von 3200 Lehrverträgennoch übertroffen wird - im vergangenen Jahr waren es 3058.

Bevor man sich um Jugendliche aus Osteuropa bemühe, solle man zunächst einmal alle hiesigen Potenziale ausschöpfen, forderte er. Dabei bezog er sich vor allem auf Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Beim „Kampf um die besten Köpfe” konkurriert das Handwerk auf dem Ausbildungsmarkt immer stärker mit den sogenannten „weißen Berufen”. Im Augenblick stellen die Hauptschüler noch mit 58 Prozent die Mehrheit der Berufsanfänger, gefolgt von den Realschülern mit 31 Prozent. Nur neun Prozent der Auszubildenden im Handwerk haben eine Hochschulqualifikation.

Mehr Abiturienten

„Wegen der gestiegenen Anforderungen in manchen Berufen brauchen wir unbedingt mehr Abiturienten”, betonte Barkey. Während es enge Kontakte zu den Haupt- und Realschulen gebe, müsse die Kooperation zwischen Handwerk und Gymnasien dringend verbessert werden, forderte er. Die Schüler benötigten einfach mehr Praxiserfahrung und Einblicke in das handwerkliche Tätigkeitsfeld. „Das kommt in den Schulplänen einfach zu kurz”, kritisierte er.

Facharbeitermangel: Mehr Betriebe bilden aus

Der drohende Facharbeitermangel hat offenbar die Ausbildungsbereitschaft im Handwerk in der Region beeinflusst.

Allein im ersten Quartal des laufenden Jahres haben 63 Handwerksbetrieb zusätzlich erklärt, Jugendliche auszubilden.

Die Handwerkskammer rechnet für das Gesamtjahr mit 150 bis 180 neuen Ausbildungsbetrieben zwischen Erkelenz und Monschau. Insgesamt beläuft sich die Zahl der Betriebe, in denen Jugendliche eine Ausbildung in 114 Gewerken des Handwerk erfahren können, auf 3500.