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Aachen: Handwerk will auch Industrie weiterbilden

Aachen : Handwerk will auch Industrie weiterbilden

Was die „Wirtschaftsmacht von nebenan“ — so die von Garrelt Duin zitierte Selbsteinschätzung des Handwerks — in der Region zu leisten vermag, brachte die Aachener Kammer dem nordrhein-westfälischen Wirtschaftsminister am Mittwoch bei dessen Antrittsbesuch unter dem Motto „Wirtschaftsdialog vor Ort“ nahe.

Der SPD-Politiker habe „enorm viel Zeit mitgebracht“, schwärmte Handwerkskammer-Präsident Dieter Philipp, als nach rund vier Stunden im Bildungszentrum BGE gemeinsam ein Fazit der gewonnenen Eindrücke gezogen wurde. Dass Duin damit „das Kostbarste“ zur Verfügung stelle, dokumentiere das große Interesse des Ministers für handwerkliche Themen, lobte Philipp, den unter anderem Hauptgeschäftsführer Peter Deckers, seine Stellvertreterin Nicole Tomys und die SPD-Landtagsabgeordnete Daniela Jansen begleiteten.

Der Aachener Schwerpunkt bei dem dritten Besuch einer NRW-Handwerkskammer (HWK) war die Präsentation der Kreativwirtschaft, aufgezeigt bei einer Besichtigung der Akademie für Handwerksdesign auf Gut Rosenberg in Aachen-Horbach. Zudem ließ sich der Ressortchef durch die Firma Weber Metallgestaltung im Aachener Norden führen. Der Metallbaumeister und Meisterdesigner Norbert Weber und seine Frau Katrin, Designerin und Geschäftsführerin, setzen auf Kompetenz und Kreativität, wie sich Duin überzeugen konnte.

„Gut angelegtes Geld“, bekräftigte der Minister anschließend nach einem Rundgang durch das BGE an der Tempelhofer Straße: Die Weiterbildungseinrichtung der Kammer ist eine Großbaustelle. Sie wird derzeit mit einem Gesamtaufwand von rund 8,8 Millionen Euro komplett saniert — bei laufendem Betrieb. 30 Prozent dieser Summe steuert das Land über EU-Mittel bei, 45 Prozent kommen vom Bund, den Rest übernimmt die HWK Aachen. Bis Mitte 2014 soll das Projekt abgeschlossen sein.

Dass solch ein Großprojekt angesichts des demografischen Wandels, der auch zu einer Zunahme unbesetzter Jobs und Ausbildungsplätze in den Handwerksbetrieben führt, weiter seine Berechtigung habe, unterstrich Kammerpräsident Philipp mit Nachdruck.

Dementsprechend öffne sich die HWK Aachen zunehmend auch für Ausbildungsprojekte zugunsten von Beschäftigten, die nicht aus dem Handwerk stammten, sondern etwa in kleineren Industrieunternehmen tätig seien. Diese Firmen aus dem gewerblich-technischen Bereich könnten manche Ausbildungsinhalte nicht selbst vermitteln, sondern seien auf Partner angewiesen.

Philipp richtete an den Minister die Bitte, bei der Genehmigung solcher Angebote für Teilnehmer von außerhalb des Handwerks Flexibilität zu beweisen. Dies trage zur Auslastung der überbetrieblichen Einrichtungen der Kammer und ihrer hochqualifizierten Ausbilder bei. Man müsse sich daran orientieren, was auf dem Markt gebraucht werde. Hauptgeschäftsführer Deckers erhofft die Zustimmung für bis zu 25 Prozent Anteil aus der Industrie, die oft die gleichen Anforderungen wie das Handwerk habe.

Platz für kreative Firmen

„Wirtschaftspolitik in Nordrhein-Westfalen orientiert sich nicht nur an Dax-Unternehmen“, bekräftigte der Minister sein großes Interesse ebenso an den Handwerksbetrieben. Von 770.000 Firmen im Lande seien „99,8 Prozent klein- und mittelständische Unternehmen“. Dabei habe NRW auch „viel Raum, um Kreative anzusiedeln“.

Betriebe „von innen zu sehen — davon habe ich sehr viel für meine Arbeit“, unterstrich Duin, der das Handwerk in den Namen seines Ministeriums aufgenommen hat. „Politik und Handwerk sind auf einem guten gemeinsamen Weg“, zeigte er sich überzeugt.