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Düsseldorf: Handwerk an Rhein und Ruhr schöpft wieder Zuversicht

Düsseldorf : Handwerk an Rhein und Ruhr schöpft wieder Zuversicht

Das Handwerk an Rhein und Ruhr hat die Talsohle überwunden und wieder Fahrt aufgenommen. Nach dem am Dienstag vorgestellten Herbstgutachten der Handwerkskammer Düsseldorf legte der Geschäftsklima-Index gegenüber dem Frühjahr um 10 Punkte auf 72 Prozent zu.

Das war der stärkste Anstieg des Konjunkturbarometers in diesem Jahrzehnt, wie die Kammer mitteilte. Das Gutachten stützt sich auf eine repräsentative Umfrage der Kammer unter 8000 Handwerksbetrieben.

„Verbessert haben sich gegenüber Frühjahr nicht nur die Stimmung, sondern auch harte Zahlen. Allerdings ist der Aufschwung noch labil”, betonte Kammerpräsident Wolfgang Schulhoff. So bewerteten laut der Umfrage 70 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftsergebnisse der letzten sechs Monate als gut oder befriedigend. 73 Prozent gehen davon aus, dass ihre wirtschaftliche Lage im Herbst und Winter mindestens stabil bleibt.

Belebt wurde das Geschäft neben der wieder anziehenden Binnenkonjunktur auch von den Geldern des Konjunkturpakets II. Wie groß dieser Einfluss sei, sei über das Gutachten aber nicht zu ermitteln, sagte Schulhoff.

Der Kammer zufolge vergaben zwei Drittel der Kommunen im Bezirk noch vor den Sommerferien Auftrage aus dem Konjunkturprogramm an die regionalen Handwerksbetriebe. Schrittmacher der Erholung sei das Bau- und Ausbaugewerbe.

Der Anteil der Betriebe, die sinkende Umsätze beklagen, ging dem Gutachten zufolge im Herbst auf 42 Prozent zurück gegenüber noch 60 Prozent im Frühjahr. Darüber hinaus stellten 14 Prozent der Betriebe zuletzt wieder neues Personal ein. Das waren mehr als doppelt so viele wie im Frühjahr.

Nahezu unverändert zeigt sich die Auslastungsquote von rund 80 Prozent sowie die durchschnittliche Reichweite des Auftragsbestandes von sechs Wochen.

Kammerpräsident Schulhoff forderte die neue schwarz-gelbe Bundesregierung auf, zügig mit einer Reform der Einkommenssteuer kleine und mittlere Betriebe zu entlasten. Darüber hinaus müsse für lohnintensive Betriebe der Mehrwertsteuersatz reduziert werden. Notwendig seien außerdem Nachbesserungen bei der Unternehmenssteuerreform. So sei vor allem eine Gesamtsteuerbelastung von 50 Prozent auf entnommene Gewinne nicht hinnehmbar.

Gerade in schlechten Jahren sollten Unternehmer für notwendig Entnahmen keine Steuern über dem Höchstsatz zahlen müssen.

Mit Blick auf die Finanzkrise warnte Schulhoff vor den Gefahren einer Wiederholung, sollte es nicht zu einer Stärkung der internationale Finanzaufsicht und zur Einrichtung eines „Finanz-TÜV” kommen.

„Der nächste Crash wäre eine Frage von Krieg und Frieden. Wir hätten dann keine Finanzmittel mehr, um einzugreifen und gegenzusteuern”, warnte er.