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Was Experten raten: Gute Tipps zur Geldanlage

Was Experten raten : Gute Tipps zur Geldanlage

Viele Menschen sind besorgt: Wie legt man sein Geld in schwierigen Zeiten am besten an? Tipps von Experten für unsere Abonennten.

Die Experten Michael Brühl, Bernd Elbern, Doris Robben und Torsten Schiffers vom Bundesverband deutscher Banken haben unseren Leserinnen und Lesern Tipps rund um das Thema Geldanlage gegeben.

Warum sind die Kurse an den Börsen so hoch, wenn die Meldungen zur Wirtschaft doch eher schlecht sind?

An den Börsen wird in der Regel die Zukunft gehandelt und sie sind der Realwirtschaft gerne sechs Monate voraus. Momentan gehen die Börsen davon aus, dass sich mit steigenden Impfungen das Leben in den Industrienationen wieder normalisiert und der Konsum wieder anzieht. Zudem wirken die großen Konjunkturprogramme der Staaten stabilisierend.

Was unterscheidet ETFs von gemanagten Fonds?

Ein ETF (Exchange Traded Funds, zu dt.: börsengehandelter Fonds) bildet in der Regel einen Index nach und braucht somit keine Fondsmanager. Daher ist er von den Kosten oft günstiger. Die Wertentwicklung eines ETFs richtet sich nach dem Index, auf den er aufbaut. Er macht also alle Schwankungen mit, nach oben und auch nach unten. Bei einem gemanagten Fonds kümmert sich der Fondsmanager um die Anlagen und kann flexibler auf Änderungen an den Kapitalmärkten reagieren. Dafür sind die Kosten beim Fonds etwas höher. Wenn der Fondsmanager gut ist, kann die Rendite unterm Strich höher ausfallen als beim ETF.

Wie kann man sich vor hohen Inflationsraten schützen?

Klassische Sachwerte wie Aktien, Immobilien und Rohstoffe wie Edelmetalle haben einen gewissen Inflationsschutz. Wichtig ist eine breite Streuung der Anlagen, unter Berücksichtigung Ihrer Risikobereitschaft. Mit verschiedenen Investmentfonds kann man eine sehr gute Streuung erreichen. Fragen Sie bestenfalls bei Ihrer Bank nach, welche der Anlagen zu Ihnen passen könnten.

Ich habe 60.000 Euro aus einem Immobilienverkauf. Wie kann ich das Geld anlegen und Risiken vermeiden?

Das hängt von Ihrer persönlichen Lebenssituation ab. Stellen Sie sich zunächst drei Fragen: Wie lange möchten Sie anlegen? Welche Risiken sind Sie bereit einzugehen? Wie hoch ist Ihre Renditeerwartung? Mit den Fragen entwickeln Sie am Ende gemeinsam mit Ihrem Berater ein Anlagekonzept, mit dem Sie sich wohl fühlen und das zu Ihren Vorstellungen passt. Legen Sie Ihr Geld nicht einseitig an und denken Sie daran, stets einen „Notgroschen“ zur Verfügung zu haben.

Wie kann ich für ein Jahr mein Geld sicher und ertragreich anlegen?

Leider werden Sie für den kurzen Zeitraum keine Anlage finden, die sicher und ertragreich ist. Bedenken Sie, dass sogar sichere Bundesanleihen derzeit eine Minusrendite haben. Sofern Sie das Geld in einem Jahr benötigen, müssen Sie leider damit leben, für diesen Zeitraum kaum bzw. keine Zinsen zu erhalten.

Soll ich mein Kapital aktuell komplett in Technologie 4.0 investieren?

Wichtig bei der Vermögensanlage ist eine vernünftige Verteilung und Aufstellung. Eine komplette Investition in Technologie 4.0 wäre riskant. Hier gilt die alte Weisheit, „nicht alle Eier in einen Korb legen“. Besser wäre es, die Anlage über verschiedene Wirtschaftszweige und Regionen breit zu streuen. So verteilt und verringert sich das Risiko.

In den Niederlanden muss ich Strafzinsen auf Kontoguthaben zahlen. Wie ist das in Deutschland?

Es gibt noch Banken in Deutschland, die keine sogenannten „Strafzinsen“ verlangen. Aber auch hierzulande gehen die Banken mehr und mehr dazu über, die negative Verzinsung, die sie selbst an die EZB zahlen müssen, an die Kunden weiterzugeben. In der Regel gibt es aber einen recht hohen Freibetrag, der je nach Bank unterschiedlich hoch sein kann. Überlegen Sie sich, wie viel Liquidität aktuell wirklich nötig ist und ob ein Teil des Geldes nicht auch eine gewisse Zeit angelegt werden kann.

Ich habe Immobilienfonds, die mir zu langweilig sind. Soll ich jetzt in amerikanische Aktienfonds tauschen?

Sie würden damit Wertstabilität und stetiges Wachstum gegen höhere Renditechancen, aber auch höhere Schwankungen an den Aktienmärkten tauschen. Wichtig wäre, dass Sie mit stärkeren Wertschwankungen leben und langfristig anlegen können. Denken Sie doch einmal darüber nach, nur einen Teil der Immobilienfonds zu verkaufen und den so freiwerdenden Betrag in internationale Aktienfonds zu investieren.

Ich werde aus einem Immobilienverkauf Kapital erhalten, das ich zum Kauf einer anderen Immobilie verwenden möchte. Unklar ist, ob die neue Immobilie in sechs Monaten oder in drei Jahren da sein wird. Wie kann ich das Geld anlegen?

Sofern Sie das Kapital komplett für die zukünftige Immobilie benötigen, sollten Sie es nicht langfristig fest anlegen. Die schnelle Verfügbarkeit ist hier am wichtigsten, daher wäre ein Tagesgeldkonto am ehesten geeignet, auch wenn das zulasten der Rendite ist.

Sollte ich aktuell besser einen Bausparvertrag oder einen Fonds-Sparplan für meine Altersvorsorge starten?

Wenn Sie nicht vorhaben, später einen Immobilienkredit aufzunehmen, wäre im aktuellen Zinsumfeld eher ein breit anlegender Fonds-Sparplan geeignet. Die Renditechancen sind langfristig gut, am besten mit einem Aktienfonds-Sparplan. Wertschwankungen nutzen Sie bei einem Fonds-Sparplan für sich, bei sinkenden Kursen erhalten Sie für Ihren monatlichen Sparbetrag mehr Fondsanteile als bei hohen Kursen. Sie kaufen die Aktienfonds bei niedrigeren Kursen also günstiger. So senkt sich Ihr durchschnittlicher Kaufpreis. Außerdem sind Fonds-Sparpläne sehr flexibel. Die monatliche Sparrate kann jederzeit geändert werden, es gibt keine festen Laufzeiten, ein Aussetzen ist jederzeit möglich, genauso wie das Einzahlen von Extra-Beiträgen.

Ich bin 70 Jahre, habe drei Immobilien und eine gute Rente, 200.000 Euro liegen auf der Bank. Mein Sohn meint, es wäre wegen der Inflation besser, dieses Geld anzulegen. Aber mir bereiten die aktuellen hohen Aktienkurse Bauchschmerzen. Was empfehlen Sie?

Grundsätzlich ist es richtig, dass die Aktienkurse im Vergleich zu den vergangenen Jahren sehr hoch sind. Und niemand weiß, wie es mit den Kursen in nächster Zeit weitergehen wird. Deshalb empfiehlt es sich immer, das Geld auf verschiedene Anlageformen zu verteilen. Vielleicht sind „konservative“ Mischfonds mit geringem Aktienanteil für einen Teil Ihres Geldes geeignet. Aber Sie sollten keine Anlage mit einem schlechten Bauchgefühl machen. Besprechen Sie das am besten mit ihrem Berater vor Ort.

Wie funktioniert die Einlagensicherung?

Ihre Einlagen in Deutschland sind durch umfassende Sicherungssysteme geschützt. Pro Sparer und Bank sind 100.000 Euro durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Darüber hinaus beteiligen sich viele Banken an der freiwilligen Einlagensicherung, die auch höhere Beträge absichert. Mehr dazu finden Sie unter auf der Internetseite des Bankenverbands.

Ich habe ein Angebot über nachhaltige Fonds mit einer Rendite zwischen 3,95 und fünf Prozent. Bei solchen Zinssätzen wird man misstrauisch. Haftet die Einlagensicherung für solche Anlagen?

Es ist richtig, dass Sie bei solchen Renditen genauer hinsehen sollten. Denn je höher die Rendite ist, desto höher ist auch das Risiko. Prüfen Sie also genau, welche Risiken vorhanden sind und ob Sie bereit sind, diese einzugehen. Da es sich bei dem Angebot nicht um eine Bankeinlage handelt, unterliegt es auch nicht der Einlagensicherung. Aber Investmentfonds sind Sondervermögen und damit auch im Falle einer Bankpleite geschützt. Das Fondsvermögen der Anleger ist streng getrennt vom Vermögen der Bank. Vor Wertschwankungen der Anlage schützt Sie das allerdings nicht. Grundsätzlich lässt sich bei Fonds die Rendite nicht sicher vorhersagen.

Ich habe einen Aktienfonds und mein Bankberater hat mir gesagt, dass dieser keine neuen Anteile mehr herausgibt, dies wäre aber nicht schlimm. Muss mich das beunruhigen?

Es kommt durchaus vor, dass Investmentfonds, die sehr volumenstark sind, irgendwann keine neue Liquidität mehr annehmen, da ihnen derzeit die Möglichkeiten fehlen, vernünftige Anlagen zu finden. Der Annahmestopp von liquiden Mitteln dient dann insbesondere dem Schutz der investierten Anleger. Wenn der Fondsmanager das neue Geld annehmen und auf ein unverzinstes Konto legen würde – oder dafür sogar noch ein Verwahrentgelt entrichten müsste – hätten die Anleger hiervon keine Vorteile.

Die Kurse sind hoch – wann ist der richtige Einstiegszeitpunkt für eine Investition in Aktien?

Da niemand in die Zukunft blicken kann, ist es sehr schwierig, den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg zu finden. Größere Beträge sollten Sie daher aufteilen und die Teilbeträge nach und nach investieren. Anstatt also einmalig 15.000 Euro anzulegen, wäre es besser zeitlich versetzt, etwa monatlich, zehn Mal 1500 Euro anzulegen. Wenn Sie regelmäßig sparen möchten, ist ein Sparplan mit Aktienfonds gut geeignet. Eine Aktienanlage erfordert Risikobereitschaft, da Kurse stark schwanken können, aber Schwankungen werden über einen längeren Zeitraum wieder ausgeglichen. Planen Sie also Zeit ein, etwa zehn Jahre oder länger, und investieren Sie stets nur einen Teil Ihres Gesamtvermögens in breit gestreute Aktienwerte oder Aktienfonds.

Ich habe über 40.000 Euro auf dem Konto. Meine Bank hat mir angeboten, 20.000 Euro zu zwei Prozent jährlich auf einem Sonderzinskonto zu parken und 20.000 Euro in einen Fonds anzulegen. Ist das eine gute Anlagemöglichkeit?

Grundsätzlich kann das eine Möglichkeit sein. Besonders Anleger, die bisher noch keine Erfahrungen mit Fonds gemacht haben, können so diese Anlageform testen. Sie sollten aber mit dem Berater auch über Ihre Risikobereitschaft sprechen, damit der richtige Investmentfonds oder auch mehrere ausgesucht werden können. Sprechen Sie auch über die anfallenden Kosten, wie Ausgabeaufschläge und Verwaltungsgebühren der Fonds und etwaige Depotgebühren Ihrer Bank. Ihr Berater muss Ihnen sämtliche Informationen geben, damit Sie in der Lage sind, alle Vor- und Nachteile abzuwägen, um eine Entscheidung zu treffen. Bei Fonds sollten Sie das Geld mindestens vier bis fünf Jahren anlegen können.

Soll ich Geld in Bitcoins anlegen?

Bitcoins sind sehr spekulativ und haben eigentlich nichts mit einer strukturierten Geldanlage zu tun. Natürlich lockt die hohe Renditeerwartung. Ihnen muss jedoch klar sein, dass alles möglich ist, sowohl hohe Gewinne als auch extreme Wertminderungen bis hin zum Totalverlust. Falls Sie sich doch dafür entscheiden, sollten Sie nur einen Betrag investieren, auf den Sie im schlimmsten Fall auch verzichten könnten.

Ich verkaufe mein Haus und muss von dem Erlös monatlich einen festen Betrag zum Leben verwenden. Kann ich das Geld trotzdem anlegen?

Berechnen Sie zunächst, wie hoch die erwähnten geplanten Ausgaben für die nächsten 5 Jahre sein werden. Also Ihr fester monatlicher Betrag mal zwölf Monate, mal fünf Jahre. Addieren Sie zusätzlich noch eine Reserve für Notfälle. Diesen Teil können Sie zum Beispiel auf ein Tagesgeldkonto legen, damit das Geld stets verfügbar ist. Sollte dann noch ein Restbetrag übrigbleiben, können Sie gemeinsam mit einem Anlageberater darüber nachdenken, welche langfristigen Anlagemöglichkeiten für Sie infrage kommen.

(red)