Kampf gegen Gülle: Größte Biogasfabrik der Niederlande entsteht in Geleen

Kampf gegen Gülle : Größte Biogasfabrik der Niederlande entsteht in Geleen

Im Chemiekomplex bei Sittard/Geleen in der Provinz Limburg soll die größte Biogasfabrik der Niederlande gebaut werden. In ihr sollen 700.000 Tonnen Rinder- und Schweinemist verbrannt werden und damit zumindest teilweise ein Problem lösen, dass auch für Ärger und Gestank in Deutschland sorgt.

Die Niederlande exportieren seit einer Reihe von Jahren überschüssige Gülle – besonders in grenznahe Gebiete wie das Heinsberger Land und den Eifeler Raum, aber auch rund um Aachen. Die sogenannte Peelregion, bestehend aus Limburg und Ost-Brabant, hat nämlich die höchste Viehdichte Europas.

Gülle ilegal ausgeführt

Ein Teil der Ausscheidungen darf auf den eigenen Feldern ausgebracht, der Rest muss auf andere, weniger belastete Flächen versprüht werden. Der Export in andere Länder ist nach europäischen Regeln zumindest nicht verboten. Recherchen niederländischer Tageszeitungen hatten ergeben, dass ein Teil der Bauern die Buchhaltung gefälscht hatte, um illegal große Mengen Gülle ausführen zu können. Die zuständige niederländische Behörde (Planbueau voor de Leefomgeving) bezifferte diesen Anteil nach einem Bericht der Tageszeitung „De Limburger“ auf bis zu 40 Prozent.

Die Biogasfabrik soll im Industriegebiet Chemelot in Geleen errichtet werden und etwa 100 Millionen Euro kosten. Der mit Restwärme getrocknete Mist soll dann in 60 Millionen Kubikmeter Biogas umgewandelt werden, das das Erdgas für den Betrieb einer großen Kunststofffabrik ersetzen soll. 4,5 Millionen Kilo Phosphat werden so in flüssigen Kunstdünger umgewandelt und können an Interessenten verkauft werden, die Inbetriebnahme ist für 2021 geplant.

Schon Ende dieses Jahres können Tierzüchter aus einem Umkreis von 75 Kilometern ihr Interessess anmelden, die dann einen Obolus für die Entsorgung der Ausscheidungen zahlen müssen.

Zuschuss über zwölf Jahre

Der niederländische Staat subventioniert das Großprojekt und erstattet die Kostendifferenz zwischen fossiler und regenerativer Energie. Dieser Zuschuss wird über zwölf Jahre gezahlt und kann sich nach Darstellung niederländischer Medien auf eine Summe bis zu 166 Millionen Euro belaufen.

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