Neue Präsidentin: Gisela Kohl-Vogel ist die erste Frau an der IHK-Spitze

Neue Präsidentin : Gisela Kohl-Vogel ist die erste Frau an der IHK-Spitze

Die Unternehmerin Gisela Kohl-Vogel ist zur neuen Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Aachen gewählt worden. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt bekleidet.

Zum ersten Mal in der 215-jährigen Geschichte steht eine Frau an der Spitze der Industrie- und Handelskammer Aachen. Die IHK-Vollversammlung hat am Dienstag die Aachener Unternehmerin Gisela Kohl-Vogel einstimmig zur Präsidentin und damit in das höchste Ehrenamt der Kammer gewählt. Die 51-Jährige war bei der Sondersitzung des Gremiums die einzige Kandidatin. Von 43 abgegebenen gültigen Stimmen erhielt Kohl-Vogel  40 Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen. Kohl-Vogel führt die Kammer an der Seite von Michael F. Bayer, der hauptamtlich die Geschäfte führt.

Kohl-Vogel betonte nach der Wahl, sie wolle ihren Beitrag dazu leisten, die Entwicklung der Region Aachen positiv mitzugestalten. „Ich bin überzeugt, dass wir trotz der zahlreichen anstehenden Herausforderungen wie dem Strukturwandel, der Digitalisierung oder der Mobilitätswende optimistisch in die Zukunft blicken können.“ Dass sie die erste Frau im Amt ist, wollte Kohl-Vogel indes nicht überbewerten: „Ich möchte wie meine Vorgänger an meinen Taten gemessen werden und nicht an der Tatsache, die erste Präsidentin der IHK Aachen zu sein.“

Die neue Präsidentin verfügt bereits über Erfahrung mit der Arbeit in den IHK-Gremien: Seit 2014 ist Kohl-Vogel Mitglied des Handelsausschusses und der Vollversammlung, zudem gehörte sie dem Präsidium bereits seit 2015 als Vize an. IHK-Hauptgeschäftsführer Bayer zeigte sich erfreut über das Votum. Er habe Kohl-Vogel in der bisherigen Zusammenarbeit als eine äußerst engagierte und kompetente Unternehmerin schätzen gelernt. „Ich bin sicher, dass die Wahl von Gisela Kohl-Vogel zur Präsidentin der IHK Aachen unsere Arbeit bereichern wird“, sagte Bayer.

Auch die Handwerkskammer Aachen (HWK) reagierte positiv auf die Wahl Kohl-Vogels. HWK-Präsident Dieter Philipp betonte gegenüber unserer Zeitung, dass die beiden Kammern traditionell einen engen Austausch pflegten. „Die Handwerkskammer Aachen freut sich auf die Fortführung dieser guten Zusammenarbeit mit der neu gewählten Präsidentin Gisela Kohl-Vogel“, sagte Philipp.

Gratulationen für Kohl-Vogel gab es auch von der IG Metall. Achim Schyns, 1. Bevollmächtigter der Gewerkschaft in Aachen, sagte unserer Zeitung: „Wir stehen in der Region Aachen vor großen Herausforderungen. Es gibt zum Beispiel viele Unternehmen in der Automobilindustrie, die von der Mobilitätswende betroffen sein werden. Es ist Aufgabe der IHK, die hiesigen Betriebe für die Zukunft fitzumachen.“ Schyns bot dafür ausdrücklich auch die Zusammenarbeit der Gewerkschaft an, die in einigen  Ausschüssen der IHK vertreten ist. „Die Arbeitgeber- und die Arbeitnehmerseite muss diese Herausforderung gemeinsam meistern.“

Eine Neuwahl war notwendig geworden, weil Wolfgang Mainz im Juli dieses Jahres überraschend vom Präsidentenamt zurückgetreten war. Hintergrund für diesen Schritt war die Insolvenz der Oebel-Gruppe, deren Geschäftsführer Mainz war. Er wolle soweit wie möglich Schaden von der IHK Aachen fernhalten, hatte Mainz seinerzeit gesagt. Er war erst im Januar 2018 zum IHK-Präsidenten und Nachfolger von Bert Wirtz gewählt worden, der zuvor zehn Jahre an der Spitze der Kammer gestanden hatte.

Kohl-Vogel ist eine der Geschäftsführerinnen des Autohauses Kohl mit Standorten in Aachen, Heinsberg und Bergheim. Die Mutter von Zwillingen hat durchaus Erfahrung damit, sich in einer Männerdomäne zu behaupten, denn in der Automobilbranche sind Frauen nach wie vor die Ausnahme – erst recht in Führungspositionen. 1997 übernahm sie mit ihrer ein Jahr älteren Schwester Margit Kohl-Woitschik die Geschäfte von ihrem Vater, dem Firmengründer Willi Kohl.

Seitdem lenken die Schwestern  mit Mutter Ursula Kohl die Geschicke des Autohauses, das einer der größten BMW-Standorte in Familienhand in Deutschland ist. Die Kohl-Gruppe beschäftigt rund 520 Mitarbeiter, von denen etwa 100 Auszubildende sind.

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