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Aachen: Gies zimmerte aus Aachener und Münchener einen Finanzkonzern

Aachen : Gies zimmerte aus Aachener und Münchener einen Finanzkonzern

Helmut Gies, von 1981 bis 1991 Vorstandsvorsitzender des Versicherungskonzerns AMB (heute AMB Generali Holding), Aachen, vollendet am 23. Januar sein 75. Lebensjahr.

Er schmiedete mit dem Amtsvorgänger und späteren Aufsichtsratsvorsitzenden Reimer Schmidt aus dem rheinisch-preußischen Feuerversicherer Aachener und Münchener (AM) einen Finanzkonzern, der heute der drittgrößte deutsche Erstversicherer ist.

Die Vision des Allfinanzkonzeptes, das auf den Geschäftsverbund Versicherung, Bank, Bausparkasse aufbaut, hatte Strahlkraft. „Mit vernetztem Vorgehen deutliche Wachstumsschübe erreichen”, umschrieb der promovierte Jurist Gies die Vürzüge eines kompletten Angebots an Finanzdienstleistungen.

Doch im Zuge der Realisierung - Erwerb der gewerkschaftseigenen BfG/Bank für Gemeinwirtschaft, Frankfurt, Einstieg bei der Volksfürsorge, Hamburg - geriet die AMB an den Rand des Abgrunds. Der BfG-Kauf 1986 geriet zum Milliardendebakel, als nach dem Fall der Mauer im Ostengagement der BfG Wackelkredite zuhauf abgeschrieben werden mussten.

Die AMB musste Kapital zuschießen, bis „Feuerwehrmann” Wolfgang Kaske” von der Konzerntochter Central Krankenversicherung AG, Köln, in Aachen das BfG-Loch stopfte und die Übernahmeschlacht mit dem französischen Versicherungskonzern Assecurances Generales de France (AGF), Paris, beendete. Den Ausschlag gab aber, dass sich die deutsche Hochfinanz - Allianz, Dresdner Bank und Deutsche Bank - an der AMB beteiligten und damit den Pariser Einfluss begrenzte. Erst in den letzten Wochen haben sich diese drei Aktionäre von diesen Finnanzbeteiligungen getrennt.

Am 5. Juli 1993 legte Gies - völlig überraschend - auf der Hauptversammlung den Vorsitz des Aufsichtsrates nieder und zog sich ins Privatleben zurück. Der gebürtige Mönchengladbacher lebt in Salzburg, zur Stätte seines insgesamt 33-jährigen Wirkens pflegt er noch eine „Liebesbeziehung”. Als „Kaiser von Aachen” war er geschätzt, da er ein großzügiger Kultur-, Sport- und Sozialsponsor war, er war aber auch gefürchtet.

Die Stadt Aachen verlieh ihm den „Goldenen Ehrenring, die RWTH Aachen ernannte ihn zum „Ehrensenator”.

Die AMB gehört heute mehrheitlich dem italienischen Versicherungsriesen Generali, Triest. Das Beitragsvolumen liegt (Stand: Ende 2002) bei 11,6 Milliarden Euro, 1991 waren es 3,4 Milliarden. Rund 52 Prozent der Prämien werden mit Lebensversicherungen erzielt.