Aachen/Berlin: Gibt es eine Rückkehr zur Meisterpflicht?

Aachen/Berlin : Gibt es eine Rückkehr zur Meisterpflicht?

In den Regierungsfraktionen von Union und SPD gibt es Überlegungen, in bestimmten Berufen für die Gründung eines Handwerksbetriebs künftig wieder die Meisterprüfung zur Voraussetzung zu machen. 2004 war die Meisterpflicht für 53 von 94 Berufen abgeschafft worden.

„Das war ein Fehler“, sagt inzwischen der Vize-Fraktionschef der Union im Bundestag, Carsten Linnemann. Auch der stellvertretende Fraktionschef der SPD, Sören Bartol, drängt auf eine Änderung der Handwerksordnung.

In den vergangenen Jahren konnte in den von der Meisterpflicht entbundenen Berufen jeder zum Gewerbeamt gehen und sich selbstständig machen — beispielsweise als Raumausstatter, Goldschmied oder Fliesenleger. Einen Qualifikationsnachweis brauchte er nicht zu erbringen. Oft handelte es sich bei den Unternehmensgründern um Solo-Selbstständige.

Inzwischen wird immer deutlicher, wozu der Wegfall der Meisterpflicht geführt hat. Auf der einen Seite ist zwar eine Zunahme der Betriebe zu beobachten. Auf der anderen Seite häufen sich hingegen die Klagen über eine schlechtere Qualität der Arbeit. Zudem wird in manchen Gewerken weniger ausgebildet. Denn nach wie vor gilt für alle Handwerksberufe: Ausbilden darf nur, wer einen Meisterbrief besitzt.

Diese Entwicklung lässt sich auch in der Region beobachten. Laut der Handwerkskammer Aachen ist in ihrem Bereich beispielsweise die Zahl der Fliesenleger-Betriebe von 276 im Jahr 2003 auf 1405 im Jahr 2017 gestiegen. Abgenommen hat hingegen die Zahl der Auszubildenden: Gab es 2003 noch 65 Lehrlinge für dieses Gewerk, waren es im vergangenen Jahr nur 33. Ähnlich sieht es bei den Raumausstattern aus. Die Zahl der Betriebe stieg von 125 auf 475, die Zahl der Auszubildenden sank von 37 auf 21. Kurz noch ein Blick auf die Goldschmiede: Statt 67 Betriebe in 2003 warben im vergangenen Jahr 83 Unternehmen um Kunden. Gleichzeitig wurden aber nur sechs Lehrlinge ausgebildet. 2003 waren es noch 13.

Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, begrüßt deshalb die Initiative der Politik, „sich mit den Möglichkeiten für eine Rückkehr zur Meisterpflicht in einzelnen Berufen“ zu befassen. „Der Meisterbrief ist das Gütesiegel im Handwerk“, betonte er. „Wer ihn hat, verfügt über theoretische und fachliche Kenntnisse, die qualitativ hochwertige Arbeit ermöglichen.“

Verfassungsrechtliche Bedenken

Allerdings sieht Deckers auch Probleme. Aus verfassungsrechtlichen Gründen werde die Wiedereinführung des Meisterzwangs nicht ohne Weiteres möglich sein, betonte er. Denn was geschieht mit den Betrieben, die heute ohne Meister tätig sind? Können sie einfach vom Markt ausgeschlossen werden? Deckers jedenfalls rät der Politik, vor einer Änderung der Handwerksordnung „juristische Aspekte gründlich zu prüfen“.