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Köln: Gewinneinbruch trübt die Bilanz für 2012

Köln : Gewinneinbruch trübt die Bilanz für 2012

Der Rückgang bei den Passagierzahlen um knapp vier Prozent auf rund 9,3 Millionen hat dem Flughafen Köln/Bonn die Bilanz getrübt. Wie Airport-Chef Michael Garvens am Dienstag bei der Vorlage der Geschäftszahlen für 2012 darlegte, schmolz der Gewinn von zehn Millionen Euro im Jahr davor auf vier Millionen Euro zusammen, ein Minus also von 60 Prozent.

Dennoch sprach Garvens von einem durchaus erfolgreichen Jahr, in dem „wir uns relativ gut geschlagen haben“. Für diese Zuversicht sorgten insbesondere die Ergebnisse bei der Luftfracht. Hier stiegen die Zahlen leicht um ein Prozent auf 751 000 Tonnen. Damit sei Köln/Bonn neben dem Flugplatz in Leipzig der einzige internationale Airport Deutschlands mit Zuwachs.

„Tal der Tränen“ bald überwunden

Garvens rechnet damit, dass beim Passagierverkehr nächstes Jahr „das Tal der Tränen überwunden“ sei, wobei er 2013 noch von einem Rückgang auf 9,1 Millionen Fluggäste ausgeht. Bei der Fracht erwartet er eine Steigerung auf 760 000 Tonnen dieses Jahr und damit „einen neuen Rekord“, wie er sagte.

Den Rückgang bei den Passagieren bringt Garvens insbesondere mit den Umstrukturierungen bei der Lufthansa und Air Berlin in Zusammenhang, die gemeinsam für 80 Prozent dieses Geschäftsvolumens sorgen. Durch diese Maßnahmen gingen allein 600 000 Passagierplätze verloren. Durch Neuakquisitionen sei es gelungen, etwa die Hälfte dieses „Aderlasses“, wie er formulierte, aufzufangen, verwies er auf die Ausweitung der Flugpläne der Airlines Norwegian, Ryanair und Sunexpress.

Zu schaffen macht den Verantwortlichen des Konrad-Adenauer-Flughafens in der Wahner Heide weiter die Luftverkehrssteuer. Seit deren Einführung 2010 seien die Nachbar-Airports jenseits der Grenzen „klar die Profiteure“, listete Garvens auf: Eindhoven mit einem Plus von 39 Prozent oder 837 000, Maastricht Aachen plus 33 Prozent oder 85 000 und Luxemburg mit 18 Prozent oder 290 000 Passagieren. „Der Schaden für die deutsche Luftverkehrswirtschaft ist groß“, klagte Garvens, der auf 135 000 gesammelte Protestunterschriften gegen diese Abgabe verwies: Sie sei „wettbewerbsverzerrend“ und müsse schnellstens abgeschafft werden.

Sorgen macht Garvens auch die Entwicklung des innerdeutschen Flugverkehrs, wo er einen Rückgang um 310 000 Passagiere oder neun Prozent auf 3,24 Millionen Fluggäste letzes Jahr beklagte. Zu diesem Rückgang trügen auch die Streiks auf dem Flughafen bei. 420 gestrichene Fluge, rund 41 200 Passagiere weniger und rund 660 000 Euro Umsatzverlust in diesem Jahr seien allein auf die Ausstände beim Sicherheitspersonal und bei der Lufthansa zurückzuführen. Seit 2010 seien die deutschen Flughäfen insgesamt 20-mal bestreikt worden. Angesichts der damit verbundenen Unsicherheiten sei es kein Wunder, dass das Vertrauen der Passagiere „nachhaltig erschüttert“ sei und sie verstärkt auf die Bahn oder das eigene Auto zurückgriffen. Garvens verlangte von der Politik „neue Regularien bei Streiks in kritischer In-frastruktur“: Er wolle aber „nicht das Streikrecht einschränken“, sondern die rechtzeitige Ankündigung von Maßnahmen und ein Schlichtungsverfahren vorab. „Hier steht viel auf dem Spiel“, mahnte er.

Angesichts gestiegener Personalkosten, auch als Folge von Tarifvereinbarungen, kündigte Garvens ein entsprechendes Reduzierungskonzept an, das er sich im September vom Aufsichtsrat „absegnen lassen“ wolle. Auf freiwilliger Basis sollten demnach Mitarbeiter Altersteilzeit oder Vorruhestand in Anspruch nehmen können. Wie viele Arbeitsplätze mit diesem Programm abgebaut werden sollen, ließ er offen. Die Flughafengesellschaft beschäftigt derzeit rund 1830 Mitarbeiter.

Aus Garvens‘ Blickwinkel werde die Lage für etliche Regionalflughäfen, auf denen sich Lufthansa und Air Berlin zurückziehen, „immer dramatischer: Bei denen geht es um die nackte Existenz.“ Er forderte ein „nationales Flughafenkonzept“, das festlege, welche Airports nötig seien („Weniger ist mehr“) und wo Nachtflüge „unumgänglich“ seien. Da die Verkehrsinfrastruktur — wie vielfach die Brücken — „marode“ sei, könne es nicht angehen, dass auf den kleineren Flughäfen „Steuermittel in die Luft gepulvert“ würden.

Garvens rechnet mit dem Abzug der Hauptverwaltung der Lufthansa-Regionaltochter Cityline nach München als „Wermutstropfen“, erwartet aber, dass deren Flugzeugwartung in Köln/Bonn bleibt. Investiert wird bei Germanwings: zehn Millionen Euro in ein neues Betriebsgebäude auf dem Airport.