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Aachen: Gemischte Bilanz für das Ausbildungsjahr 2016/2017 in der Region

Aachen : Gemischte Bilanz für das Ausbildungsjahr 2016/2017 in der Region

Nach 40 erfolglosen Bewerbungen arbeitet Ailina Haller endlich in ihrem Traumberuf. Die 17-Jährige macht seit August eine Ausbildung zur Friseurin in einem Aachener Betrieb. „Man muss die nötige Leidenschaft dafür mitbringen“, sagt sie lächelnd.

Dass sie das tut, hat sie vor Antritt ihrer Ausbildung in einem Jahrespraktikum bewiesen. Vermittelt hatte dieses die Agentur für Arbeit Aachen-Düren, dort spricht man von einem „Einstiegsqualifizierungsjahr“ (EQJ). Die Arbeitsagentur übernimmt für den Zeitraum die Vergütung bis zur Höhe von maximal 231 Euro im Monat. Das jeweilige Unternehmen kann diesen Betrag freiwillig aufstocken, zahlt aber auf jeden Fall die Beiträge zur Sozialversicherung.

Thomas Stüber, Geschäftsführer des Friseurgeschäfts und Ailina Hallers Chef, kann nur Gutes über diese Maßnahme sagen. „Das Jahr ermöglicht es, sich ohne Zeitdruck ein umfassendes Bild von den jungen Leuten zu machen.“ Er könne es ohne Bedenken weiterempfehlen. Seinen Betrieb führt er seit 2012 gemeinsam mit seiner Frau. „Wir sind stetig gewachsen und haben jedes Jahr eine zusätzliche Kraft eingestellt.“ Dabei sei es immer schwerer geworden, geeignete Bewerber zu finden. Der beste Weg, sich diese Kräfte zu sichern, sei, sie selbst auszubilden.

Das sagt auch Ulrich Käser, Leiter der Arbeitsagentur Aachen-Düren, mit Blick auf die Jahresbilanz des Ausbildungsmarktes in der Region. „Die Fachkräfte von morgen wachsen nicht auf den Bäumen. Deshalb appelliere ich an alle Unternehmen, die es können, auszubilden.“

Es zeichne sich seit längerem ab, dass die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe abnehme. Zwar sei vom 1. Oktober 2016 bis zum 30. September 2017, also im Ausbildungsjahr 2016/2017, sowohl die Zahl der Stellen als auch die der Bewerber im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht gestiegen. Aber: Die Zahl der jugendlichen Bewerber, die zum Stichtag Ende September noch unversorgt seien, liege deutlich über dem Vorjahresniveau. „Das Jahresergebnis zeigt, dass die Situation auf dem Ausbildungsmarkt auch in diesem Jahr insgesamt nicht ausgeglichen ist“, sagt Ulrich Käser. Nach wie vor investiere die Bundesagentur für Arbeit viel in Maßnahmen, um Jugendliche in Lehrstellen zu vermitteln. Neben dem EQJ, wie es Ailina Haller absolviert hat, gehören dazu etwa die ausbildungsbegleitenden Hilfen.

Für das Ausbildungsjahr 2016/2017 registrierte die Arbeitsagentur Aachen-Düren 7109 Ausbildungsplätze — 451 mehr als im Vorjahreszeitraum (6,8 Prozent). Demgegenüber standen 8305 Suchende — 130 (1,6 Prozent) mehr als im Jahr zuvor.

Aktuell gibt es im Agenturbezirk pro Stelle 1,17 Bewerber (Vorjahr: 1,23). Auf einen Bewerber kommen hingegen 0,86 Stellen (Vorjahr: 0,81). „Bei der Versorgungsquote sehen wir regional große Unterschiede“, erklärt Käser. So sei die Versorgung in der Städteregion mit 1,09 Stellen pro Bewerber gut. Der Kreis Heinsberg stehe hingegen mit 0,71 Stellen schon deutlich schlechter da. Im Kreis Düren decke der Versorgungsgrad mit 0,62 Stellen nicht einmal zwei Drittel des Bedarfs.

Von den im Jahresverlauf gemeldeten Stellen konnten bis Ende September 630 noch nicht besetzt werden (Vorjahr: 566). Zum gleichen Zeitpunkt waren noch 371 Bewerber (Vorjahr: 282) auf der Suche nach einer Stelle. „In der Praxis passen Angebot und Nachfrage leider oft nicht zusammen“, sagt Käser.

Die Handwerkskammer (HWK) Aachen meldet zum 30. September 2158 Lehrverträge — ein Plus von 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Damit liegen wir auf einer Linie mit der landes- und bundesweiten Entwicklung“, erklärt HWK-Geschäftsführer Georg Stoffels. Insbesondere im brummenden Bauhauptgewerbe wurden viele neue Verträge geschlossen, etwa für die Ausbildung zum Maurer und Dachdecker. Von den Verträgen seien 101 mit Flüchtlingen abgeschlossen worden, die überwiegend aus Afghanistan und Syrien stammten.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen meldet für den selben Zeitraum 4579 neue Ausbildungsverträge und damit nur drei weniger als im Vorjahr. „Damit können wir das hohe Niveau der vergangenen Jahre halten“, sagt IHK-Geschäftsführerin Heike Krier. Stärker gefragt als in den Vorjahren seien vor allem gewerbliche Berufe in der Maschinen-, Metall- und Elektroindustrie. Aus der Gruppe geflüchteter Menschen hätten 165 einen Ausbildungsvertrag erhalten.