Geld bei der Bank parken: Was EZB-Strafzinsen anrichten

Die EZB und ihre Strafzinsen : Warum Negativzinsen ein Kollateralschaden sind

Die Europäische Zentralbank trifft an diesem Donnerstag weitreichende Entscheidungen: Sie will ihren geldpolitischen Kurs wieder lockern, um Konjunktur und Inflation anzukurbeln. Für Sparer ist das kontraproduktiv.

Wenn Mario Draghi die Europäische Zentralbank (EZB) in wenigen Wochen verlässt, soll seine Nachfolgerin Christine Lagarde kein unbestelltes Feld vorfinden. Der scheidende EZB-Präsident ist fest entschlossen, die aus seiner Sicht weiterhin zu geringe Inflation und die aufkeimende Rezession im Euro-Raum abermals mit geldpolitischen Salven zu bekämpfen: Die Strafzinsen für Banken, die ihr Geld bei der EZB parken, könnten erhöht, das umstrittene EZB-Kaufprogramm für Staatsanleihen der Euro-Länder wieder aufgenommen werden.

Der Italiener will wie schon in den vergangenen Jahren seit dem Ausbruch der Finanzkrise die Kreditvergabe der Banken und private Investitionen ankurbeln und weiterhin für billiges Geld sorgen, damit endlich die Inflationsrate im Euro-Raum der Zielmarke der EZB von nahe zwei Prozent näher kommt. Doch die Kehrseite der Medaille sind die anhaltenden Null- oder sogar Negativzinsen für Sparer, deren Altersvorsorge damit schwierig bis unmöglich geworden ist.

Im Führungsgremium der EZB, dem Rat der nationalen Notenbankgouverneure, gibt es auch andere Meinungen. Bundesbankpräsident Jens Weidmann etwa glaubt, dass weder die geringe Inflation noch die Konjunkturschwäche ausgeprägt genug sind, um etwa die Wiederaufnahme des umstrittenen Anleihekaufprogramms zu rechtfertigen. Doch im EZB-Rat haben Draghis Kritiker keine Mehrheit. Dass der Rat in seiner aktuellen Sitzung „signifikante geldpolitische Impulse“ beschließen wird gilt unter Beobachtern als ausgemachte Sache.

Sie sind sich so gut wie sicher, dass die Notenbank den Strafzins verschärfen wird, den Banken dafür zahlen müssen, wenn sie Zentralbankgeld nicht an private Kreditnehmer weiter verleihen, sondern lieber bei der EZB liegen lassen. Seit Mitte 2014 beträgt dieser negative Einlagenzins minus 0,4 Prozent, er dürfte auf 0,5 oder 0,6 Prozent erhöht werden. Für die Banken bedeutet das Mehrbelastungen in Milliardenhöhe.

Trotz des Negativzinses haben sie aber das bei der EZB geparkte Zentralbankgeld in den vergangenen Jahren enorm erhöht – es stieg von knapp 70 Milliarden Euro im April 2015 auf über 600 Milliarden Euro in diesem Frühjahr. Das Geld ungenutzt zu lassen statt es an Investoren weiterzugeben, war vielen Kreditinstituten offenbar lieber – entweder weil die Kreditnachfrage zu gering gewesen ist oder weil sich der Aufwand bei den derzeit geringen Kapitalmarktzinsen für sie nicht gelohnt hat.

 Die Kosten, die ihnen die EZB aufbrummt, versuchen manche Banken an ihre Kunden weiterzugeben, indem sie für deren Spareinlagen ihrerseits Negativzinsen verlangen. Getroffen hat das bisher fast ausschließlich Unternehmen oder große Investoren wie Fonds oder wohlhabende Privatkunden. Laut einer kürzlichen Umfrage des Finanzportals Biallo unter 1200 Banken und Sparkassen kassieren derzeit nur 30 Geldhäuser bundesweit Strafzinsen auch von Privatkunden. Manche greifen ab Guthaben von 100.000 Euro zu, bei anderen liegt die Grenze höher. Firmenkunden und institutionelle Anleger wie Fonds müssen laut Biallo derzeit bei 111 deutschen Banken Negativzinsen bezahlen.

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