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Aachen: Gegen den Trend: Die Agit meldet Gründer-Rekord

Aachen : Gegen den Trend: Die Agit meldet Gründer-Rekord

Es gibt gute Alternativen zum eigenen Unternehmen. Große Firmen locken Akademiker mit freien Stellen und enormen Einstiegsgehältern. Wer schlägt da noch den steinigen Weg einer Unternehmensgründung ein?

Immer weniger in Deutschland, die Gründerzahlen sind rückläufig, je nach Statistik um etwa zehn bis 15 Prozent.

Insofern ist es schon etwas Besonderes, wenn die Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (Agit) für das vergangene Jahr einen Rekord in Sachen technologieorientierte Unternehmensgründungen vorweisen kann: Aus 84 Gründungsberatungen sind dann auch tatsächlich 47 Gründungen hervorgegangen. 2013 waren es nur 27 aus 54, im Schnitt der letzten Jahr 34,6 aus 68,8 Beratungen. Dementsprechend zufrieden zeigen sich die Verantwortlichen: „Aachen ist eine Insel der Glückseligkeit, das ist ein toller Rekord“, erklärt Agit-Geschäftsführer Helmut Greif.

Die Zahlen: Die Zahl der Gründungen ist um satte 74 Prozent gestiegen. Die 47 neuen Unternehmen kommen in der Mehrzahl aus Stadt und Städteregion Aachen, nur in Einzelfällen aus Heinsberg und Euskirchen, aus dem Kreis Düren gab es 2014 keine einzige Gründung unter Mitwirkung der Agit. Für diese ungleiche geografische Verteilung gibt es einen Grund: die Aachener Hochschulen. 33 haben sich aus dem Umfeld der Hochschulen gegründet. „Die Hochschulen sind für diese Region entscheidend“, sagt Greif. Ihre Nähe wird gesucht.

Die Branchen: 18 neue Unternehmen kommen aus der Informations- und Kommunikationstechnologie, zehn aus dem Bereich Medizintechnik, acht aus der Produktionstechnologie, sieben bieten technologische Dienstleistungen und vier Automobiltechnik. Die Firmen planen für ihr erstes Jahr Investitionen von insgesamt 15,5 Millionen Euro und wollen 121 Arbeitsplätze einrichten — letzteres bedeutet etwa 2,6 Mitarbeiter pro Firma. Da ist Wachstum natürlich erwünscht.

Das Beispiel: Die Firma Pulsar Photonics GmbH zeigt recht gut, wie sich eine solche Gründung mit Hilfe der Agit als Berater entwickeln kann. Pulsar wurde im Oktober 2013 von den RWTH-Studenten und Fraunhofer-ILT-Mitarbeitern Stephan Eifel, Joachim Ryll und Jens Holtkamp gegründet. Anderthalb Jahre später gibt es bereits drei weitere Mitarbeiter (zwei in Vollzeit) und vier studentische Hilfekräfte bei der Firma, die Ultrakurzpunktlaser schneller, effizienter und einfacher einsetzbar machen soll. In diesem Jahr, so Holtkamp, soll der Umsatz bereits eine halbe Million Euro betragen.

Der Wachstum: 170 Firmen wurden bei Investitionen von der Agit beraten. Es ging um 27,5 Millionen Euro und 223 neue Arbeitsplätze.

Die Ansiedlungen: Von 68 Anfragen zu einer möglichen Ansiedlung in der Region führten nur fünf zum Erfolg — wie im Fall der DHL auf Avantis. Die Lage der Region in der Mitte Europas und die Hochschulen als Entwicklungspartner sind zwar gute Gründe für eine Ansiedlung, dennoch liegen die Werte unter dem Schnitt der letzten Jahre von acht Ansiedlungen. 2013 waren es sogar 13 — bei nur 60 Anfragen. Ein Problem: „Die Infrastruktur bleibt verbesserungswürdig“, sagt Greif und meint Straßen wie Schienen.

(tka)