1. Wirtschaft

Nach langer Schließung: Friseure wollen ran an die „Wischmopp“-Haare

Nach langer Schließung : Friseure wollen ran an die „Wischmopp“-Haare

Endlich wieder zum Friseur – ab Montag ist das möglich. Nach zweieinhalb Monaten mit geschlossenen Salons dürfen die Friseure wieder Kunden bedienen. Wer heute noch keinen Termin hat, der dürfte allerdings weiter warten müssen.

Marco Trapani fiebert dem Moment entgegen, in dem er wieder tun kann, was er am liebsten macht: „Menschen glücklich machen, in dem ich ihnen eine Frisur mache, die zu ihnen passt.“ Nach zweieinhalb Monaten Zwangspause im Coronavirus-Lockdown darf der Dortmunder Friseurmeister ab Montag wieder loslegen. Er will um eine Minute nach Mitternacht aufmachen – „rausholen, was geht“, sagt er zu der frühen Öffnung. Um drei Uhr will er ins Bett, um neun weitermachen. Seit klar ist, dass Friseure wieder öffnen dürfen, stehe das Telefon nicht still: „Unser Rezeptionist telefoniert sich in den Wahn.“ Sämtliche Termine für März seien bereits vergeben.

Kein Wunder: „Man erschreckt schon, was man da so an Haaren vor sich sieht“, sagt Trapani. Herausgewachsene Ansätze, aus der Form geratene Schnitte, tief in den Nacken kriechende Haare. „Die sehen alle aus auf dem Kopf wie ein Wischmopp. Ich freue mich, da helfen zu können.“

Die Verluste durch die Zwangsschließung wird er nicht hereinholen können - nicht mit Neukundenwerbung und erst recht nicht mit ein paar Extraschichten um Mitternacht. Er habe in 20 Jahren ein gesundes Unternehmen aufgebaut, das es ihm möglich mache, mit Rücklagen, Krediten und den Coronahilfen über die Runden zu kommen. Was jetzt auf sein Unternehmen mit den zehn Mitarbeitern zukomme, sei jedoch ungewiss: „Wir wissen nicht, ob es nochmal einen Lockdown gibt und wie das Kundenverhalten ist.“

Nicht nur Trapani hat einen vollen Terminkalender – auch viele andere Friseure in NRW sind für den Monat März schon ausgebucht. So zum Beispiel Harald Esser, der einen Salon in Köln hat und als Vorsitzender des Friseur- und Kosmetikverbandes NRW für die 16.000 Friseursalons in dem Bundesland spricht. „Wir sind alle sehr, sehr erleichtert und froh, dass wir wieder arbeiten können“, sagt Esser. Finanziell gesehen sei es höchste Zeit. „Seit zweieinhalb Monaten kam kein Cent mehr in die Kasse – das ist eine teure Angelegenheit.“

Der Friseurmeister hat die Öffnungszeiten seines Salons erweitert, um drei Stunden pro Werktag. Die Zahl der Bedienplätze kürzte er wegen Abstandsregeln von elf auf sechs. „Bei vielen Menschen konnten wir noch nicht mal den Weihnachtsvorbereitungshaarschnitt machen - bald ist Ostern und entsprechend dringlich ist die Angelegenheit.“ Esser ist sich sicher, dass die Friseure in NRW die Hygienemaßnahmen einhalten werden - und dass es kein Infektionsrisiko geben werde.

Auch bei Melanie Tillert stand das Telefon nicht still. Den Montag als Ruhetag hat sie vorerst gestrichen, an sechs Tagen pro Woche hat ihr Solinger Salon nun auf. Ihre Kunden seien erstaunlich flexibel, sagt sie augenzwinkernd. „Viele Kunden haben gesagt: "Ich brauche einen Termin, egal wann, ich nehme mir dafür auch einen Tag frei."“

Ute Hützen aus Köln hat die Öffnungszeiten ihres Salons ebenfalls deutlich erweitert. „Wenn der erste Ansturm bewältigt ist, möchte ich aber zu geregelten Arbeitszeiten zurückkommen - meine Mitarbeiterinnen sollen nicht schon nach zwei Wochen am Stock gehen.“ Finanziell habe sie die Corona-Schließung gerade so hinbekommen, berichtet die Friseurmeisterin. Sie habe so eine Durststrecke nicht für möglich gehalten. „Die Haare wachsen doch immer, die müssen geschnitten werden“, sagt Hützen. „Deshalb ist unsere Branche eigentlich doch krisensicher – zumindest, wenn man uns lässt.“

(dpa)