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Aachen: Firmen müssen ihre Business-Pläne umschreiben

Aachen : Firmen müssen ihre Business-Pläne umschreiben

Die Münchner Privatbank Merck Finck & Co zählt zu den führenden Häusern in Deutschland. Die 480 Mitarbeiter der Privatbank kümmern sich um 8000 Kunden. Das betreute Vermögen beläuft sich auf knapp acht Milliarden Euro.

Seit kurzem ist Merck Finck & Co mit einer Niederlassung auch in Aachen vertreten. Der persönlich haftende Gesellschafter, Michael Krume, nimmt im Gespräch mit unserem Redakteur Ulrich Kölsch Stellung zu aktuellen Fragen.

Die internationale Finanzkrise schlägt ständig neue Wellen, etwa durch die staatliche Übernahme der Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Wann glauben Sie, wird die Krise überwunden sein?

Krume: Ich glaube, dass noch nicht alles verarbeitet wurde, was gerade aus Amerika auf den Tisch kommt. Dennoch haben langfristig orientierte Anleger meiner Meinung nach jetzt wieder Grund, vorwärts zu blicken.

Wie robust ist die Konjunktur?

Krume: Wenn man mich vor zwei Jahren gefragt hätte, ob bei einem Ölpreis von über 140 Dollar noch ein relativ gesundes Wirtschaftswachstum möglich ist, hätte ich gesagt: niemals. Jetzt stellen wir aber fest, dass die Konjunktur trotz der zusätzlichen Belastungen läuft und nach wie vor stark ist. Aber wir müssen uns auf die neuen Bedingungen einstellen: Das Öl wird knapper, und die Chinesen haben einen ungeheuren Bedarf entwickelt. Wir werden uns an die hohen Ölpreise gewöhnen müssen. Alternative Energien rücken deshalb in den Vordergrund. Alle müssen ihre Business-Pläne etwas umschreiben. Wir werden aber nachhaltig trotzdem Geld verdienen.

Wo wird der DAX zum Jahresende stehen?

Krume: Ich sage: bei 8349 Punkten. Aber Scherz beiseite. Die Frage lässt sich nicht ernsthaft beantworten. Deshalb zielen wir bei unserer Beratungsarbeit eher auf das Thema der Langfristigkeit. Dabei ist zu klären: Was sind die Megatrends, die sich über ein ganzes Jahrzehnt herausbilden? Diese Methode erfreut sich bei unseren Kunden großer Beliebtheit.

Wie sehen denn solche Megatrends aus?

Krume: Einer ist beispielsweise China, aber auch neue Energien oder Agrar zählen dazu. Von den Genossenschaftsbanken über die Sparkassen bis zu den Geschäftsbanken zielen alle auf die kleine Gruppe der „vermögenden Kunden”.

Wird dieses Marktsegment nicht überschätzt?

Krume: Überhaupt nicht. Die Nachfrage nach erstklassigen Beratungsdienstleistungen wird immer größer. Da wir eine sehr hohe Stabilität in puncto Mitarbeiter haben, können unsere Berater die Kunden über Jahre, manchmal über Jahrzehnte begleiten. Wir sind so gut aufgestellt, dass wir von einem Wachstumspotenzial im zweistelligen Bereich ausgehen. In der letzten Zeit sind wir jährlich um eine Milliarde Euro bei den betreuten Vermögen gewachsen.