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Frankfurt/Main-: Finanzmarktkrise lässt deutsche Wertpapierhändler um Jobs bangen

Frankfurt/Main- : Finanzmarktkrise lässt deutsche Wertpapierhändler um Jobs bangen

Den Begriff „Investmentbanker” mag Helmut Weigand (Name geändert) nicht. „Die Bezeichnung ist doch mittlerweile schon sehr negativ besetzt.”

Der 46-Jährige bezeichnet sich lieber als „Wertpapierberater für institutionelle Anleger”. Als Angestellter einer Frankfurter Großbank hat auch Weigand die Auswirkungen der jüngsten Finanzmarktkrise zu spüren bekommen: „Eine solche Erschütterung haben auch gestandene Marktteilnehmer noch nicht erlebt.”

Der dreifache Familienvater hat einen stressigen Job. Von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends empfiehlt Weigand institutionellen Anlegern aus dem In- und Ausland den An- oder Verkauf deutscher Aktien. Bei auswärtigen Geschäftsterminen kann sich der Zwölf-Stunden-Tag auch noch verlängern. „Wir können nicht freitags um halb drei den Bleistift fallenlassen”, sagt Weigand.

Doch dafür hat der 46-Jährige im Gegensatz zu vielen Kollegen aus den USA und England seinen Job noch. Auch Weigand hat die Fernsehbilder gesehen, als gerade entlassene Investmentbanker in London mit bleichen Gesichtern ihre Kartons aus den Büros trugen. „Da wird man schon ein bisschen nachdenklich und bekommt eine andere Perspektive”.

Weigand hat eine Bankausbildung gemacht und arbeitet bereits seit 1985 im schnellen und hektischen Börsengeschäft. Seinerzeit, als die Börse Mitte der 80er Jahre boomte, habe das Prinzip „learning by doing” gegolten. Zuletzt hatte Weigand zehn Jahre für ein französisches Bankhaus gearbeitet, bei seinem neuen Arbeitgeber ist er erst seit diesem Sommer angestellt.

Doch auch für langfristige Mitarbeiter im Wertpapiergeschäft bleiben die Kündigungsfristen sehr überschaubar. „Man muss immer mit Entlassungen rechnen und kann nicht auf zehn Jahre planen”. Dafür beinhalte das Gehalt eine gewisse „Risikoprämie”. Bis er 60 Jahre alt ist, muss Weigand seinen stressigen Job noch machen, hat er ausgerechnet. Sollte der 46-Jährige seinen Job jetzt verlieren, könnte die Arbeitsplatzsuche problematisch werden. „Wenn sie mal auf die 50 zugehen, wird es in der Branche trotz mehr als 20 Jahren Berufserfahrung nicht einfach”. Ein 35-Jähriger mit sieben oder acht Jahren Erfahrung sei da begehrter und gelte als flexibler.

Mit einer Entlassungswelle wie in den USA oder England rechnet Weigand in Deutschland allerdings nicht. Durch das Prinzip eines niedrigen Grundgehalts und sehr großer erfolgsabhängiger Prämien gebe es in den angelsächsischen Ländern eine größere „hire&fire-Mentalität”. Aber auch in Deutschland werde es Veränderungen geben. „Die Auswirkungen sind zwar geringer, aber spürbar.” Weigand rechnet mit einer „langfristigen Konsolidierungsphase”, durch die auch mancher deutsche Kollege noch seinen Job verlieren werde. Die Jobverluste setzen quasi mit Zeitverzögerung ein. Die Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Unternehmensgewinne seien noch gar nicht absehbar. Die Deutsche Börse werde noch für etwa ein Jahr unter Druck stehen. „Es war jetzt ziemlich lange gut gegangen, aber je länger die Feier, desto länger der Kater”, glaubt Weigand.

Trotzdem sieht der 46-Jährige seinen Arbeitsplatz derzeit als gesichert an. „Aber das ist eine persönliche Einschätzung von mir, manche Kollegen sehen das ganz anders.”