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Aachen: Familienfreundlich: Mütter können flexibel arbeiten

Aachen : Familienfreundlich: Mütter können flexibel arbeiten

Kochtopf und Laptop sind schwer zu vereinbaren: Für gut die Hälfte deutscher Unternehmen sind familienfreundliche Maßnahmen eher unwichtig.

Das ergab eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Köln, im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Auch eine Nachfrage bei Betrieben in der Region brachte teilweise eher ernüchternde Einsichten.

Günther Gebhardt, Leiter des Aachener Continental-Werks, bezeichnet ärztliche Zusatzuntersuchungen und Tage der offenen Tür bereits als „familienfreundlich”.

Flexible Arbeit sei bei kontinuierlichem Dreischichtbetrieb nicht möglich: „Unsere Anlagen müssen wir 24 Stunden betreiben, da können wir das Personal nicht splitten.” Eine Kinderbetreuung sei nicht geplant. Die Begründung: „Wir haben bei 1400 Mitarbeitern nur einen minimalen Frauenanteil von drei Prozent.”

„Das Thema spielt bei uns nicht so eine große Rolle, weil unsere Belegschaft überwiegend männlich ist”, sagt auch Josef Mathews, Personalleiter des Aachener Glühlampenwerks von Philips. Für jüngere Frauen sei es jedoch wichtig, im Anschluss an die Mutterschaft Teilzeit arbeiten zu können.

„Außerdem haben wir eine sehr flexible Gleitzeit- und Freizeitkontenregelung, mit der man bis zu 50 Stunden im Monat ansparen und stunden- oder tageweise ,abfeiern kann.” Für eine Betreuung von Kindern sei jedoch bisher kein Bedarf angemeldet worden.

„Eine eigene Kindertagesstätte können wir nicht anbieten”, sagt auch Astrid Eisenführ, stellvertretende Personalleiterin der Süßwaren-Gruppe Lambertz in Aachen. „Das wäre ein zu hoher Aufwand für den geringen Bedarf, den wir haben.”

Neben klassischer Teilzeitarbeit und Gleitzeit für Angestellte biete der Gebäckhersteller auch flexible Arbeitszeiten im Schichtbetrieb an: „Viele Mütter arbeiten etwa in der Dauernachtschicht von 23 bis 6 Uhr.”

„Die ideale Möglichkeit, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen”, ist für Harald Graf, Personalleiter beim Software-Hersteller CSB-System in Geilenkirchen, die variable Gestaltung von Arbeitszeiten und -tagen. Sie ermögliche den Mitarbeitern, ihre Arbeitseinsätze flexibel zu gestalten

In Einzelfällen sei auch Telearbeit oder eine „Home-Office-Lösung” möglich - also etwa das Programmieren am heimischen Rechner: „Denn es ist wichtig, während der Erziehungsphase den Anschluss zum Beruf nicht zu verlieren”, meint Graf. Ein weiterer Vorteil: „Gute und fähige Mitarbeiter bleiben dem Unternehmen erhalten.”

Als „sehr wichtig” bezeichnet Rainer Deliege, Personalleiter des Dürenener Elektronik-Zulieferers Isola, familienfreundliche Maßnahmen wie Vertrauensarbeitszeit, Telearbeit oder Freizeitkontingente. „Wir wollen ja, dass unsere Beschäftigten motiviert zur Arbeit kommen!”