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München/Aachen: Expo Real: Viele Ideen, aber die Flächen sind knapp

München/Aachen : Expo Real: Viele Ideen, aber die Flächen sind knapp

Wenn reihenweise Damentoiletten zu Herrenklos umetikettiert werden, ist Expo Real. Die größte Gewerbeimmobilienmesse Europas ist eine Männerdomäne, immer noch. In München treffen sich Projektentwickler, Institutionen und Investoren — 64.000 Quadratmeter, darauf 2003 Aussteller.

Mittendrin sammelt die Industrie- und Handelskammer (IHK) am trinationalen Stand „Aachen 1a“ rund 30 Unternehmen und Akteure aus dem Dreiländereck Aachen, eine Delegation von über 140 Menschen, darunter über ein Dutzend Bürgermeister. Und vorne steht eine junge Besucherin, die hier in der Immobilienbranche womöglich die meisten Dates hat: die neue nordrhein-westfälische Bauministerin Ina Scharrenbach (41).

Sie versichert, dass die geplante Reform des Bauvergaberechts ab Oktober 2018 Bauvorhaben im großen Stil vereinfachen wird. Das kommt an, genauso wie die Projekte, die Aachener, Heinsberger, Dürener, Belgier und Niederländer im Gepäck mit an die Isar gebracht haben.

Nicht nur die Ministerin, sondern auch die Etwa 40.000 Besucher der Münchener Messe könnten sich am Gemeinschaftsstand davon überzeugen, was sich in der Region rund um Aachen derzeit entwickelt. Besonderes Augenmerk legten die Partner dabei auf die Gewerbeflächen in der gesamten Euregio.

„Wenn wir auf die vergangenen 20 Jahre schauen, haben wir momentan eindeutig die größte Nachfrage“, erklärte Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp. Da allerdings nur begrenzt Flächen zur Verfügung stünden, appellierte er an die Unternehmen: „Wir müssen die regionale Zusammenarbeit deshalb verstärkt in den Fokus nehmen, damit unsere Region profitieren kann.“

Auf Kooperation setzt beispielsweise die „5P Hotel Entwicklungs- und Vermarktungsgesellschaft mbH i.G.“, die auf der Immobilienmesse ihr Projekt am Blau-steinsee bei Eschweiler vorstellte. Geplant ist dort ein Freizeit- und Tagungshotel auf einer Grundstücksfläche von fast 40.000 Quadratmetern für 18 Millionen Euro, um die Tourismusregion aufzuwerten. „Das einzige, was wir jetzt noch brauchen, ist ein Investor“, erklärte John Brünings von Jonathan Immobilien aus Aachen zum Stand des Projektes.

Wie gut die Zusammenarbeit funktioniert, stellten auch die Gemeinde Vaals sowie das Team von „kadawittfeldarchitektur“ und REAQ Immobilien vor. Gemeinsam realisieren die Partner grenzüberschreitend Immobilienprojekte in Vaals, beispielsweise Möglichkeiten für studentisches Wohnen. „Der Vorteil der binationalen Konzeption ist ja, dass wir das Beste aus beiden Ländern zusammenführen können“, sagte Gerhard Wittfeld, geschäftsführender Gesellschafter des Architekturbüros aus Aachen.

Auch Reg van Loo, Bürgermeister der Gemeinde Vaals, blickt optimistisch auf die Zusammenarbeit: „Ich bin mir sicher, dass wir im nächsten Jahr auf der Expo Real schon das nächste Projekt vorstellen können, das wir gemeinsam realisieren.“

Potenzial auf Merzbrück

Die Studenten im Blick hat auch die Landmarken AG, wenn es um die Gestaltung des Theaterplatzes in Aachen geht. Neben dem geplanten Bankhaus sowie einem Motel One soll dort unter dem Titel „We Partment“ ein innerstädtischer Appartement-Komplex für internationale Gäste der Aachener Hochschule entstehen.

Nur zum vorgesehenen Fertigstellungstermin machte Norbert Hermanns, Vorstandsvorsitzender der Landmarken AG, noch keine genauen Angaben: „Ich hoffe bald.“ Die hochmoderne Fassade im Metall- Look rahmt dabei das historische denkmalgeschützte Ex-Bankhaus.

Zum Thema gemacht wurde etwa auch die Entwicklung des Gewerbegebietes rund um den Flugplatz Aachen-Merzbrück. Vor allem Städteregionsrat Helmut Etschenberg setzte sich dafür ein, das Potenzial zu nutzen. „Wir und die Hochschulen haben die Möglichkeit, dort an der Zukunft des Fliegens zu forschen. Wenn wir diese Chance nicht nutzen, wird die Entwicklung in Baden-Württemberg oder Niedersachsen stattfinden.“

Zukunftsthemen sind natürlich auch im Kreis Düren en Vogue. Dort wächst gerade mit dem „Future Mobility Park Aldenhoven“ ein einzigartiges Mobilfunktestfeld im superschnellen 5G-Datennetzwerk. „Hier ist die Zukunft schon am Start, beispielsweise um autonomes Fahren analysieren und realisieren zu können“, sagte Dürens Wirtschaftsförderin Anette Winkler.

Übrigens: Dass Frauen in der Baubranche — endlich — auf dem Vormarsch sind, bemerkt NRW-Ministerin Scharrenbach am Rande. Sie ist nämlich gleichzeitig auch Gleichstellungsministerin. Abgesehen davon, dass es auf der Münchener Messe Expo Real eigentlich gar keine stillen Örtchen gibt. Dafür ist es einfach zu voll. Die Domäne boomt.