Aachen/Lüttich: Eurogentec in Lüttich schafft Durchbruch mit synthetischer DNA

Aachen/Lüttich : Eurogentec in Lüttich schafft Durchbruch mit synthetischer DNA

Dies ist die Erfolgsgeschichte von Joseph Martial. Nach der Rückkehr des Lütticher Forschers von der University of California, San Francisco, gründete er 1985 mit vier Mitarbeitern das kleine Unternehmen Eurogentec.

Zunächst arbeitete man in Räumen der Universität, produzierte Impfstoffe für Rinder im Auftrag des französischen Konzerns BioMérieux und verdiente sich nebenher ein paar Euro mit der Herstellung synthetischer DNA für Labore innerhalb der Universität.

Nach kurzem Intermezzo in der Entwicklung von Impfstoffen für Fische konzentrierte sich Eurogentec auf Drängen des Unternehmensberaters Roland Berger auf das Geschäftsfeld „Genomics”: Mit Produktion und Vertrieb synthetischer DNA (Desoxyribonukleinsäure als Träger der Erbinformation) schafften die Lütticher den Durchbruch.

Heute hat Eurogentec, mittlerweile in zwei eigenen Gebäuden immer noch in enger räumlicher Nähe zur Universität, rund 300 Mitarbeiter und einen Umsatz von über 30,5 Millionen Euro im geschäftsjahr 2002/03. „Unser Hauptsitz ist in Lüttich, aber wir unterhalten Produktionsstätten in Großbritannien, Japan, Singapur, Kalifornien und in Deutschland, genauer in Berlin”, erklärt Geschäftsführer Jean-Pierre Delwart.

Daneben sitzen Mitarbeiter in Vertriebsbüros in Frankreich, der Schweiz, Großbritannien, im angrenzenden Maastricht und in Köln. Eurogentec setzt heute auf drei Geschäftsfelder. Mit rund 60 Prozent machen die „Genomics”, also molekularbiologische Laborausstattung, den Löwenanteil aus. Eurogentec bietet Kompaktlösungen, so genannte Kits, für verschiedene Arbeitsmethoden an. Kunden sind staatliche und private Forschungseinrichtungen.

Gute Aussichten prophezeit Geschäftsführer Jean-Pierre Delwart aber auch für das wachsende Geschäftsfeld „Proteomics”, die Analyse von Proteinen. „Wir stellen Peptide und Antikörper her. Derzeit entfallen auf diesen Bereich rund 15 Prozent unseres Umsatzes.” Hinzu kommen, um im Wortstil zu bleiben, die „Biologics”, die Herstellung neuer rekombinanter Proteine für die Biotech- und Pharmaindustrie. Hat eine Arbeitsgruppe erfolgreich einen Impfstoff entwickelt, besorgt Eurogentec die Herstellung im Industriemaßstab.

„Wir produzieren allerdings nicht für den Markt, sondern für die erforderlichen klinische Prüfungen", erklärt Delwart. Die Lage des Unternehmens in der Euregio schätzt er sehr. „Die Euregio ist für uns eine offene Tür zu vielen anderen Regionen in Europa. Allein innerhalb unseres Unternehmens haben wir nicht nur eine belgische, sondern eine wahrhaft europäische Kultur, die vieles erleichtert.”

Mehr als 300 Unternehmen arbeiten in der Euregio Maas-Rhein, die eines gemeinsam haben: sie beschäftigen sich mit Lebenswissenschaften - Medizintechnik und Biotechnologie.

Darunter sind namhafte Adressen wie die Heerlener Philips Medical Systems B.V., die Aachener Grünenthal GmbH oder Eurogentec S.A. in Lüttich. Dazu gehören aber auch zahlreiche kleine Unternehmen und Spin-offs der Hochschulen.

Das EU-geförderte Projekt „Heartbeat of Life Sciences in Europe - Meuse Rhine Triangle”, wird von der regionalen Entwicklungsgesellschaft AGIT in Aachen koordiniert. Wir stellen einige dieser Unternehmen in einer Serie vor.