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Aachen: Esko Thüllen: „Es wird weniger Händler geben”

Aachen : Esko Thüllen: „Es wird weniger Händler geben”

Paradox mag die Kombination der beiden Nachrichten manch einem vorgekommen sein: Während das Opel-Managment mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über ein Rettungspaket für den angeschlagenen Autobauer verhandelte, kürte eine internationale Jury aus Fachleuten den Opel Insignia zum europäischen Auto des Jahres 2009.

Esko Thüllen, Geschäftsführer des Opel-Vertragshändlers Auto Thüllen, sieht darin aber keinen Widerspruch. „Opel ist ja nicht in der Krise, weil man dort keine wettbewerbsfähigen Autos produzieren kann.” Was die Autokrise für seine Branche bedeutet, darüber sprach unsere Redakteurin Christina Merkelbach mit dem Händler.

Wenige Tage nach dem Gespräch zwischen der Kanzlerin und dem Opel-Managment hat Ihr Autohaus den prämierten Insignia vorgestellt. Wie war Ihnen dabei vor dem Hintergrund der Krise beim Hersteller zumute?

Esko Thüllen: Die Kombination der beiden Nachrichten war natürlich nicht ideal für uns. Wir haben den Wagen zweimal präsentiert, einmal in einem festlichen Rahmen mit 200 Gästen und ein paar Tage später in unserem Schauraum. Mehrfach bin ich darauf angesprochen worden, was die Krise beim Hersteller denn nun für uns Händler bedeutet. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass Opel leistungsfähig ist, hervorragende Fahrzeuge herzustellen. Die Auszeichnung des neuen Insignia ist der beste Beweis dafür. Opel hat Pech gehabt und die Krise nicht selbst verschuldet. Die Verantwortung dafür trägt GM, die „kranke Mutter” in den USA.

Also liegt die Lösung aller Probleme ihrer Meinung nach darin, dass Opel von GM unabhängig wird?

Thüllen: Nicht unbedingt. Denn auch wenn Opel jetzt leidet, ist es ja nicht so, als hätte das Unternehmen nie davon profitiert, zu GM zu gehören. Ich gehe allerdings nicht davon aus, dass GM in seiner bisherigen Konzernstruktur weiterbestehen kann. Ob GM Opel überhaupt halten kann, wird sich noch zeigen müssen. Um als Autobauer auf dem europäischen Markt erfolgreich zu sein, braucht man hohe Investitionsbudgets und diese müsste GM für Opel gewährleisten können.

Inwiefern halten Sie in diesem Zusammenhang das Kaufangebot des Solarworld-Chefs Frank Asbeck für seriös?

Thüllen: Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass Frank Asbeck es ernst gemeint hat. Allerdings hat er ja lediglich Interesse am Forschungszentrum und den vier Werken in Deutschland bekundet. Aber Opel gibt es ja auch noch an anderen europäischen Standorten. Schon deswegen halte ich das Angebot nicht für wirklich seriös.

Die schlechten Verkaufszahlen im Autohandel sind nicht nur unmittelbare Folge der Finanzkrise. Schon 2007 hatten die Händler in NRW eines der schlechtesten Ergebnisse seit langem. Was würden Sie sich von Politik und Herstellern wünschen, um die Situation zu verbessern?

Thüllen: Wir Autohändler wünschen uns, dass die sogenannte Gruppenfreistellungsverordnung verlängert wird, die den rechtlichen Rahmen für den Automobilvertrieb in Europa darstellt. Da widersprechen wir den Herstellern, die eher für eine Abschaffung der Verordnung plädieren. In unserem und auch im Sinne der Kunden wäre außerdem, dass endlich für Klarheit in der Kfz-Besteuerung gesorgt wird. Und wir würden ein staatliches Programm für Verschrottungsprämien begrüßen, damit mehr schadstoffarme Autos auf die Straßen gebracht werden können.

Inwiefern wird sich das Profil des Autohändlers in Zukunft ändern müssen?

Thüllen: Ich befürchte, dass es weniger Händler geben wird. Wir haben in Europa eine zu hohe Dichte an Autohändlern. Und nicht nur beim Verkauf, sondern auch im Service sinkt das Volumen.

Warum?

Thüllen: Beides liegt zum einen daran, dass die Kaufkraft der Verbraucher nachlässt. Aber auch daran, dass die Qualität der Fahrzeuge gestiegen ist. Die Abstände zwischen Terminen, zu denen ein Auto gewartet werden muss, werden immer größer.

Wenn weniger Neuwagen gekauft werden, müssen Autohändler also künftig stärker auf den Verkauf von Gebrauchtwagen setzen?

Thüllen: Das sollte man meinen, aber auch hier sind die Verkaufszahlen seit Ende 2006 zurückgegangen. Und seit sich der Dieselpreis dem Benzinpreis angeglichen hat, werden auch deutlich weniger gebrauchte Dieselfahrzeuge verkauft.

Welche Größe muss ein mittelständisches Unternehmen haben, um in Zukunft auf dem Automarkt bestehen zu können?

Thüllen: Das lässt sich nicht pauschal sagen. In Ballungsräumen können sicherlich nur die Großen bestehe. Aber in ländlichen Regionen wird es auch weiterhin kleinere Händler geben.

Wie blicken Sie für die Branche in die Zukunft?

Thüllen: Mit einer kurzfristigen Erholung des Marktes können wir nicht rechnen. Wir müssen mit den Bedingungen zurecht kommen, die wir haben. Darauf stellen wir uns ein.