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Aachen/Berlin: Erste positive Signale für ICE-Halt Aachen

Aachen/Berlin : Erste positive Signale für ICE-Halt Aachen

Ursprünglich hat die Deutsche Bahn nicht vorgesehen, dass die neue ICE-Verbindung von Frankfurt nach London einen Haltepunkt am Aachener Hauptbahnhof bekommt.

So zumindest interpretiert die Grünen-Bundestagsabgeordnete Bettina Herlitzius ein Schreiben des DB-Konzernbevollmächtigten für NRW, Reiner Latsch. Dieser hatte das Schreiben an alle regionalen Bundestagsabgeordneten geschickt. Während Latsch in dem Brief bemerkt, dass zu möglichen Zwischenhalten wie Aachen „noch keine Aussage getroffen werden” könne, sehe eine Planskizze aber Zwischenhalte in Lille und Köln vor.

Und sie führt aus: Während Aachen noch zu untersuchen sei, seien vergleichbare Städte wie Lüttich und Siegburg/Bonn gar nicht als Haltepunkte eingeplant. „Offensichtlich ist ein Halt in Aachen erst auf politischen Druck aus der Region in die Planungen eingeflossen”, sagt Bettina Herlitzius. Die CDU- und SPD-Bundestagsabgeordneten der Region werteten das Schreiben als durchweg positives Signal.

Latsch unterstreicht in seinem Schreiben das Interesse der DB, „wirtschaftlich tragfähige Lösungen mit der Region Aachen zu entwickeln”. Wirtschaftlich heißt für die Bahn unter anderem, dass sie nicht alleine für die Umbaukosten aufkommen muss, die von Experten mit einer Größenordnung von rund einer Million Euro beziffert werden. Vor diesem Hintergrund findet am Donnerstag kommender Woche ein Treffen mit dem Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) statt. „Dabei werden wir auch die Frage der Wirtschaftlichkeit, also zum Beispiel einer Mitfinanzierung der notwendigen Investitionen sowie der notwendigen Auslastung der Züge ansprechen”, schreibt Latsch. Dabei dürfte es bei den ersten Verhandlungen vielleicht schon ans Eingemachte gehen.

Klar ist, dass der Hauptbahnhof umgebaut werden muss, damit der neue ICE, der ab 2013 auf dem Weg nach London durch den Kanaltunnel rauschen soll, auf jeden Fall hält. Schließlich müssen eine Sicherheitsschleuse für Passagiere und Gepäck sowie ein Wartebereich eingerichtet werden, die mit denen an Flughäfen vergleichbar sind. Dass es inzwischen konkrete Vorstellungen gibt, wie das zu realisieren ist, hält Hans Joachim Sistenich, Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbundes (AVV), für ein positives Signal. So wird laut Latsch „eine vergleichsweise kostengünstige Lösung durch den Bau eines abgetrennten Wartebereichs auf dem Bahnsteig zwischen den Gleisen 8 und 9 geprüft”. Ob diese Lösung nun umgesetzt wird, sei zwar jetzt noch fraglich, erklärt Sistenich. Aber der AVV-Chef betont: „Wir müssen uns so schnell wie möglich infrastrukturell aufstellen. Wir brauchen Lösungen, die in Kürze umsetzbar sind.”

Ab 2013 soll die neue ICE-Linie in die britische Hauptstadt sechsmal täglich verkehren. Dabei sollen nach Informationen Sistenichs vier dieser Verbindungen aus der heutigen ICE-Linie Frankfurt-Brüssel entwickelt werden. „Das heißt im Klartext, vier heute vorhandene ICE-Verbindungen nach Frankfurt und Brüssel würden in Aachen entfallen”, hat der AVV-Chef vor einigen Tagen in einem an Bahn-Chef Rüdiger Grube adressierten Brandbrief geschrieben, der für viel Wirbel gesorgt und zahlreiche Protestnoten zur Folge hatte. Zudem hat die Industrie- und Handelskammer eine Unterschriftenaktion für den Erhalt des ICE-Standortes gestartet.

Dabei mutmaßt Bettina Herlitzius: „Auch ein Halt des neuen ICE in Aachen garantiert in Zukunft keine Verbindung nach Brüssel, da für die DB die möglichst hohe Auslastung des Zuges bei der Fahrt durch den Eurotunnel von besonderem wirtschaftlichen Interesse ist. Aussteigemöglichkeiten vor dem Zielort London laufen diesem Interesse zuwider.”