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Aachen/Herzogenrath: Ericsson-Eurolab streicht 200 Stellen

Aachen/Herzogenrath : Ericsson-Eurolab streicht 200 Stellen

Auf Ute Bendicks und Arnd Kranefeld kommen in den nächsten Wochen und Monaten viele Diskussionen und Verhandlungen zu. Die beiden und ihre elf Kollegen vom Betriebsrat des Ericsson-Eurolab werden sich für die bestmögliche Lösung einsetzen, wie mit den Plänen des schwedischen Unternehmens zum Stellenabbau in Aachen und Herzogenrath umzugehen ist.

Bis 2014 soll die Belegschaft von 696 schrittweise auf 500 Mitarbeiter reduziert werden, 85 von ihnen werden voraussichtlich schon im kommenden Jahr ihre Stellen verlieren.

Dahinter steckt nicht nur das weltweite Sparprogramm. „Es gibt einige Produkte, die in der Forschung und Entwicklung nicht weiter verfolgt werden”, sagte Lars Bayer, Sprecher von Ericsson Deutschland, im Gespräch mit unserer Zeitung. Die 85 Stellen beträfen unter anderem die Sparte „Telefonie Softswitch”. Dabei handelt es sich um ein Produkt, das der Konzern auf dem Weltmarkt anbietet und das eine Art „Telefonvermittlung der neuen Generation” darstellt.

Gibt es Hoffnung, dass diese Pläne teilweise oder sogar ganz rückgängig gemacht werden? Dazu möchten beide nichts sagen. „Nicht zu diesem Zeitpunkt”, sagt der Betriebsratsvorsitzende Kranefeld. Die Verhandlungen hätten noch nicht begonnen, man müsse erste Gespräche abwarten. „Allgemein ist es so, dass es die Tendenz, Forschung und Entwicklung in Deutschland abzubauen, bei vielen international aufgestellten Konzernen gibt”, sagt Kranefeld. Da sei Ericsson keine Ausnahme. „Wenn man Situation und Entwicklung auf dem globalen Markt verfolgt, hat man manchmal das Gefühl, nur knapp an der endgültigen Schließung vorbeigeschrammt zu sein.”

Das ist es, worüber Arnd Kranefeld und Ute Bendicks lieber sprechen wollen: Wer die Beschlüsse des Ericsson-Konzerns verstehen wolle, könne dies nur vor dem Hintergrund, unter welchen Bedingungen und Zwängen große Technologieunternehmen zurzeit in Deutschland arbeiten. Zwänge, die sich letztlich auch auf die Beschäftigten auswirken. „Für uns als Mitarbeiter ist die Situation zunächst einmal widersprüchlich”, sagt Kranefeld. Einerseits profitiere ein Konzern wie Ericsson, weltweit vertreten in 130 Ländern, von der Globalisierung und ihren Möglichkeiten. Andererseits stünden die Mitarbeiter aber untereinander ständig im globalen Wettbewerb. „Das Argument, dass in Deutschland Forschung und Entwicklung oder auch Produktion durch die Arbeitskosten zwar teurer seien, aber dafür die Qualität eben höher, zählt nicht mehr.”

Sicher, sagt Betriebsrätin Ute Bendicks, gäbe es in der Region Aachen hohe Kompetenz. „Aber die gibt es eben auch an anderen Orten auf der Welt.” Asien lautet das unvermeidliche Stichwort - hinsichtlich technologischer Entwicklungen und Produkte stünden die asiatischen Ländern schon längst nicht mehr hinten an. „Wir wissen nicht, wie es in anderen europäischen Ländern aussieht, aber wir vermuten, dass die Tendenz, dort Stellen bei Technologieunternehmen abzubauen, ähnlich groß ist.”

Zeigt der Betriebsrat Verständnis für die Maßnahmen des Unternehmens? Das wollen die beiden Vertreter so nicht im Raum stehen lassen. Kranefeld: „Uns geht es darum klar zu stellen, dass nicht nur die Profitorientiertheit der Konzerne Schuld ist, wenn Stellen abgebaut werden.” Auch die Politik stehe zu einem großen Teil in der Verantwortung. Immer wieder falle auf, dass es Deutschland im internationalen Wettbewerb das Genick breche, ein Sozialsystem abhängig von Arbeitskosten zu finanzieren.

Zurzeit, sagt Kranefeld, seien die im Eurolab entwickelten Ericsson-Produkte weltweit die erfolgreichsten. „In drei bis fünf Jahren fragt danach aber niemand mehr.” Und bei Entscheidungen über Investitionen in neue Produktlinien spielten die Lohnkosten eine große Rolle.