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Berlin: Erfolgreiche Schlichtung: Bauarbeiter erhalten ab Juni mehr Geld

Berlin : Erfolgreiche Schlichtung: Bauarbeiter erhalten ab Juni mehr Geld

Die rund 700.000 Beschäftigten im deutschen Baugewerbe bekommen ab 1. Juni 3,5 Prozent mehr Geld. Diesen Schiedsspruch fällte der als Schlichter berufene frühere Wirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) am Samstagmorgen nach 22-stündigen Verhandlungen mit den Arbeitgebern und der Gewerkschaft IG BAU.

Die Tarifparteien zeigten sich mit der erreichten Regelung zufrieden. IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel sagte: „Mit diesem Ergebnis können wir uns sehen lassen.” Die 3,1-prozentige Lohnerhöhung und ein monatlicher Festbetrag von plus 0,4 Prozent seien „ein anständiges Ergebnis”. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Thomas Bauer vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, erklärte: „Der Schiedsspruch ist ausgewogen. Er bietet den Betrieben Planungssicherheit und zugleich genügend Flexibilität, um auf betrieblich schwierige Situationen zu reagieren.”

Die Schlichtungsvereinbarung, der beide Seiten bis Anfang Juni zustimmen müssen, tritt nach Angaben der Arbeitgeber rückwirkend zum 1. April in Kraft, gilt für 24 Monate und sieht die Erhöhung der Löhne und Gehälter in drei Stufen vor. Nach zwei Nullmonaten erhalten die Beschäftigten demnach in einer ersten Stufe zum 1. Juni 3,1 Prozent mehr Lohn. Hinzu komme ein monatlicher Festbetrag von 0,4 Prozent, wenn betrieblich nicht etwas anderes vereinbart werde.

In der zweiten Stufe von 1. April bis 31. August 2008 folge eine Erhöhung um 1,5 Prozent und der monatliche Festbetrag werde auf 0,5 Prozent erhöht. In der dritten Stufe vom 1. September 2008 bis 31. März 2009 folge eine Erhöhung um 1,6 Prozent, der monatliche Festbetrag von 0,5 Prozent soll weiter gezahlt werden. Für die Arbeitgeber betrage die Kostenbelastung für die ersten zwölf Monate 2,58 Prozent zuzüglich des Festbetrags. In den folgenden zwölf Monaten seien 2,43 Prozent tabellenwirksam.

Den Betrieben im Tarifgebiet West wird zudem durch eine Öffnungsklausel ermöglicht, den Tariflohn im Rahmen von Haustarifverträgen um bis zu acht Prozent abzusenken, um auf wirtschaftlich schwierige Situationen reagieren zu können.

Darüber hinaus werden die Mindestlöhne West auf 10,70 Euro (Mindestlohn 1) und 12,85 Euro (Mindestlohn 2) ab 1. September 2008 erhöht. Für das Tarifgebiet Ost haben die Tarifvertragsparteien vereinbart, die Mindestlöhne bis zum 31. März 2008 neu zu verhandeln.

Die Schlichtung war notwendig geworden, weil die Bauarbeitgeber das am 31. März erreichte Tarifverhandlungsergebnis von 3,5 Prozent mehr Lohn ab Mai bei einer Laufzeit von elf Monaten platzen ließen. Die Vertreter des Baugewerbes Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie des Baugewerbes der ostdeutschen Bundesländer hatten dem Ergebnis ihre Zustimmung verweigert. Die Gewerkschaft hatte ursprünglich 5,5 Prozent gefordert.