Brüssel: Ende der Roaminggebühren: Nicht alle Kostenfallen sind beseitigt

Brüssel: Ende der Roaminggebühren: Nicht alle Kostenfallen sind beseitigt

Zehn Jahre lang hat die Europäische Union mit den Mobilfunk-Unternehmen gerungen. Ab Donnerstag, 15. Juni ist es endlich so weit: Die leidigen Roaminggebühren werden abgeschafft. Dann gilt in der Union das Motto: Telefonieren, SMS schreiben und mobiles Surfen zum gleichen Preis wie zu Hause. Doch es gibt noch kleine Fallstricke, auf die man vorbereitet sein sollte. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Anrufe, SMS, mobiles Internet: Was kostet das künftig in der EU?

Der Verbraucher kann aufatmen: Die bisherigen Zuschläge, die die Provider für das Weiterleiten von Telefonaten, Kurznachrichten oder Daten durch ein Fremdnetz berechnet haben, fallen weg. Der Kunde bezahlt den gleichen Preis wie zu Hause.

Sind diese Kosten denn in meinem Tarifpaket daheim inbegriffen?

Ja, die im Ausland getätigten Anrufe, die versendeten SMS und die verbrauchten Daten werden mit dem heimatlichen Vertrag abgegolten. Wer also eine Flatrate für Telefonate und Daten hat, braucht keine Zusatzkosten mehr zu fürchten — egal, ob er auf Mallorca Urlaub macht, in Frankreich studiert oder in einem grenznahen Bereich wohnt, wo die Netzverbindungen mal vom heimischen, mal vom Unternehmen im Nachbarland hergestellt werden.

Für welche Länder gilt das?

Die Vereinbarung gilt für alle 28 EU-Mitgliedstaaten ab dem 15. Juni. Island, Norwegen und Liechtenstein werden die Regelung in den Tagen nach dem 15. Juni ebenfalls übernehmen. Wichtig für Urlauber ist aber auch: Die Nicht-EU-Staaten Schweiz und Türkei sind nicht dabei.

Ich habe für mein Handy bereits einen EU-Zusatztarif gebucht — läuft der automatisch aus?

Die Provider haben zugesagt, diese Spezialtarife und Zusatzpakete entweder automatisch auslaufen zu lassen oder aber den Kunden vorher zu fragen.

Kann ich mein deutsches Handy dauerhaft im EU-Ausland ohne Zusatzkosten betreiben?

Nein. Bisher gilt die Faustregel, dass der Verbraucher länger im Heimatnetz eingebucht sein muss als in einem ausländischen. Konkret dürfte das so aussehen, dass die Mobilfunkunternehmen nach einem nicht unterbrochenen, viermonatigen Aufenthalt in einem anderen Land den Verbraucher anrufen und befragen.

Ich reise wenig und dann auch nur in Deutschland, deshalb brauche ich gar keinen Europa-Tarif.

Eine Reihe von Anbietern haben inzwischen reine Deutschland-Tarifmodelle im Angebot. Diese funktionieren ausschließlich in der Bundesrepublik und sind deshalb deutlich billiger.

Ich habe einen Prepaid-Tarifvertrag — gelten die Regelungen dort genauso?

Tatsächlich müssen nicht nur Kunden von Prepaid-SIM-Karten aufpassen, sondern auch alle, die ein Gebührenmodell mit fest vereinbarten Kontingenten haben. Denn wenn diese während eines Aufenthalte in einem anderen EU-Land aufgebraucht sind, dürfen die Provider doch wieder einige Zuschläge verlangen. Diese betragen derzeit 3,2 Cent pro Minute für einen Anruf nach Hause (alle Angaben plus Mehrwertsteuer), ein Cent für eine SMS in heimische Netz und maximal 7,70 Euro pro Gigabyte Datenvolumen. Ein Beispiel aus der Kalkulation der Unternehmen: Wer zu Hause eine Bundle-Vertrag über unbegrenztes Telefonieren, SMS und drei Gigabyte an Daten für 30 Euro gebucht hat (inklusive Mehrwertsteuer), darf dieses Daten-Kontingent auch in der EU verbrauchen. Übersteigt er diese Menge aber, fallen Zusatzgebühren an.

Was ist mit Gesprächen ins EU-Ausland?

Die kosten so viel wie zuvor. „Das bleibt ein großes Ärgernis“, klagt die Verbraucherschützerin Isabelle Buscke, die den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Brüssel vertritt. Telefonate ins Ausland fallen eben nicht unter die Neuregelung — „das kann durchaus mal zwei Euro die Minute kosten“. Wer also mit dem Autovermieter auf Mallorca verhandeln will oder die polnische Nummer der Verwandten in Warschau wählt, sollte die Bestimmungen seines Vertrags gut kennen. Die Roaming-Neuregelung kann also kuriose Folgen haben: Wer mit deutschem Handy-Vertrag aus Deutschland in Spanien oder Polen anruft, zahlt unter Umständen mehr, als wenn er das gleiche Telefonat aus Spanien oder Polen oder einem beliebigen anderen EU-Land führt.

Gilt die Abschaffung der Roaminggebühren auch auf hoher See, zum Beispiel bei einer Kreuzfahrt entlang der Küsten der Europäischen Union?

Nein. Das liegt daran, dass sich Mobiltelefone dann mit dem Bordnetzwerk des Schiffes verbinden. Sobald das Land für das Handy nicht mehr erreichbar wird, können Telefonate und mobiles Surfen teuer sein. Deshalb sollte man auf hoher See die automatische Netzwahl abschalten.

Bin ich weiter vor überhöhten Mobilfunk-Rechnungen geschützt?

Ja, wenn der Daten-Konsum die Grenze von 59,99 Euro überschreitet, muss der Provider den Kunden darauf hinweisen und fragen, ob er ein Überschreiten hinnehmen will. Verneint der Kunde, kann er nicht mehr surfen. Akzeptiert er, muss er allerdings mit höheren Gebühren rechnen.

Kann ich künftig mit meinem Handy am Strand Filme aus meinem Netflix- oder Amazon-Abo gucken oder Fußball via Sky Go?

Nein, das wird noch dauern. Denn dabei geht es nicht nur um Roaming-Zuschläge, sondern um die Rechte an diesen Angeboten. Die EU regelt dies gerade in einer neuen Richtlinie, die 2018 in Kraft tritt. Wenn Sie trotzdem die Streaming-Anbieter aufrufen, werden Sie vielerorts den Hinweis „Das Angebot ist in Ihrem Land nicht verfügbar“ treffen.

Ich stelle bei der ersten Rechnung nach dem Stichtag fest, dass mir die Auslandszuschläge weiter in Rechnung gestellt werden — was kann ich tun?

Die Brüsseler EU-Kommission rät, sich zunächst mit dem Mobilfunk-Provider in Verbindung zu setzen. Sollte der den Fehler nicht einsehen und zu viel gezahltes Geld nicht erstatten, kann sich der Kunde in Deutschland an die Bundesnetzagentur wenden. Das ist die nationale Aufsichtsbehörde in der Bundesrepublik, die die Einhaltung der Gesetze überwacht.