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Düren: Emissionsrechte werden knapp und teuer

Düren : Emissionsrechte werden knapp und teuer

Etwa 2300 Industrieanlagen in Deutschland sind vom Handel mit Emmissionsrechten ab 2005 betroffen.

Die Dürener Kanzan Spezialpapiere GmbH mit 310 Beschäftigten ist eine davon. Werner Rixen, Prokurist bei Kanzan und Vorstandsmitglied des Verbandes der Papierfabriken in NRW, erklärt die neue Lage, die für energieintensive Unternehmen durch den Emmissionhandel entsteht.

Welche Auswirkungen hat der Emissionsrechtehandel auf Ihr Unternehmen?

Rixen: Wir mussten unsere CO2- Emissionen des Jahres 2002 an das Landesumweltamt weitergeben. Damals haben wir 25.000 Tonnen CO2 emittiert.

Für exakt diese Menge werden wir kostenlose Emissionsrechte erhalten. Aber wir sind ein stark expandierendes Unternehmen. 2003 haben wir die Papierproduktion um 7000 auf 50.000 Tonnen erhöht. Die CO2-Emissionen stiegen entsprechend auf 30.000 Tonnen. Für dieses Jahr deutet sich erneut eine Produktionserweiterung auf 53.000 Tonnen Papier an.

Für die zusätzlichen CO2-Emissionen haben Sie also keine Rechte.

Rixen: Wir müssen sie kaufen, schließlich wollen wir ja die Produktion nicht reduzieren. Die Kosten dafür stehen noch nicht fest. Der Preis soll auf dem freien Markt entstehen. Zunächst hat man von 10 Euro pro Tonne CO2 pro Jahr gesprochen.

Wegen der zusätzlichen CO2-Einsparungen bis 2012 um vier Prozent, die Umweltminister Jürgen Trittin plant, gehen wir inzwischen aber eher von 30 Euro aus, da die Ware „Emissionsrecht” wegen der zusätzlichen Maßnahmen entsprechend knapper wird.

Was bedeutet das für Ihre Produktionskosten?

Rixen: Das lässt sich leicht errechnen. Wir stoßen 2004 etwa 32.000 Tonnen CO2 aus, Emissionsrechte haben wir für 25.000. Fehlen Rechte für 7000 Tonnen, die wir pro Tonne mit 30 Euro bezahlen müssten. Macht 210.000 Euro, die wir im ersten Jahr des Handels allein für zusätzliche Rechte bezahlen müssten.

Dazu kämen noch die erhöhten Strompreise, da die Energieunternehmen ebenfalls vom Emissionsrechtehandel betroffen sind und die Zusatzkosten weitergeben werden.

Können Sie dann am Standort Düren überhaupt noch wettbewerbsfähig produzieren?

Rixen: Ich muss sagen, dass es uns im Moment nicht schlecht geht. Aber wir haben Wettbewerber in Finnland und Frankreich, die - sollte Trittin sich in Deutschland durchsetzen - nicht so massiv vom Emissionsrechtehandel betroffen sein werden, wie wir. Dann laufen wir schon Gefahr, nicht mehr wettbewerbsfähig zu sein - mit Konsequenzen, die jetzt noch nicht absehbar sind.

Haben Sie sich in der Vergangenheit darum bemüht, den CO2-Ausstoß zu reduzieren?

Rixen: Wir haben bereits ordentlich reduziert. 1992 haben wir noch 36.000 Tonnen CO2 emittiert - bei 25.000 Tonnen Papier. Das heißt wir haben bis 2002 - in zehn Jahren - den Ausstoß um ein Drittel reduziert bei einer verdoppelten Produktion.

Womit haben Sie das erreicht?Rixen: Wir haben auf einen anderen Brennstoff umgestellt - von Schweröl auf Erdgas. Und wir haben unsere Maschinen wesentlich effizienter gemacht.

Gibt es denn in Zukunft keine Möglichkeiten, die Emissionen durch weitere Investitionen oder Modernisierungen zu reduzieren?

Rixen: Die größte Einsparung lässt sich über die Erneuerung der Anlagen erreichen. Das ist bei uns passiert. Eine zusätzliche Möglichkeit zu entscheidenden Einsparungen sehe ich nicht.

Glauben Sie, dass der Beitrag zum Umweltschutz, der derzeit von der Industrie verlangt wird, zu weit geht?

Rixen: Umweltschutz muss Teil des wirtschaftlichen Handelns sein. Deswegen ist die deutsche Industrie eine freiwillige Selbstverpflichtung eingangen, bis 2010 45 Millionen Tonnen CO2 gegenüber 1998 einzusparen.

Aber das Gesetz zum Emissionshandel darf in Deutschland nicht schärfer umgesetzt werden, als in unseren Nachbarländern. Danach sieht es aber derzeit aus. Das führt zu Wettbewerbsverzerrungen.

Welche Gefahr sehen Sie für Arbeitsplätze in Deutschland?

Rixen: In unserem konkreten Fall sehe ich da derzeit keine große Gefahr. Wir sind die einzige Tochter eines japanischen Unternehmens in Europa. Deswegen hat unsere Mutter keine Möglichkeit, die Produktion in ein anderes Werk in Europa zu verlagern.

Gefährlicher ist diese Wettbewerbsverzerrung für ein Unternehmen, das zu einem Konzern mit Töchtern auch in den Benelux-Staaten, Frankreich oder Österreich gehört. Die Firmenmutter könnte dann die Produktion in Deutschland einfach auslaufen lassen und in ein nahe gelegenes Nachbarland verlagern.

Bei diesen geringen Entfernungsänderungen sind die zusätzlichen Transportkosten quasi ohne Bedeutung. Der Preisvorteil durch ein weniger restriktives Umweltrecht macht sich voll bemerkbar. Das ist für mich das entscheidende Problem.