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Nach langer Zwangspause: Einzelhandel bereitet Wiederöffnung vor, Kaufhauskette reicht Klage ein

Nach langer Zwangspause : Einzelhandel bereitet Wiederöffnung vor, Kaufhauskette reicht Klage ein

Nach der langen Pause wegen der Coronavirus-Pandemie werden viele Läden in NRW auf die Wiedereröffnung vorbereitet. Die Essener Kette Galeria Karstadt Kaufhof geht juristisch hingegen gegen die Coronaschutz-Regeln des Landes NRW vor, weil ihre Filialen geschlossen bleiben müssen, aber Möbelhäuser wieder öffnen dürfen. Das will die Kaufhauskette nicht einsehen.

Beispielsweise in Kölner Einkaufsmeile Schildergasse legte eine Mitarbeiterin eines Juweliergeschäfts am Freitag Schmuck in die leere Auslage. An einem Laden wurde ein Schild montiert, an einem anderen war das Schaufenster noch mit einer Plane verhängt. Ab Montag dürfen Geschäfte mit einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmeter wieder öffnen.

In Düsseldorf stellte sich beispielsweise die Inhaberin eines Geschäfts für fair gehandelte Bio-Mode auf die Wiedereröffnung nach vier langen Wochen Zwangspause ein. Margarete Riemer räumte eingetroffene Ware in die Regale. „Ich habe Masken bestellt und halte Desinfektionsmittel für meine Kunden bereit“, berichtete die Geschäftsfrau. Sie beklagte Umsatzeinbußen von über 80 Prozent trotz eines Lieferservices für ihre Kunden.

Auch der Inhaber eines Schuhgeschäfts mit acht Filialen in Soest, Unna, Dortmund, Werl und Schwerte rüstete sich eilig für Montag. „Wir wollen alles hübsch machen“, sagte Marc Schreiber der dpa. Schilder sind aufgehängt, die mahnen, Abstand zu halten, ein Spuckschutz an den Kassen errichtet. Auch Desinfektionsmittel und Mundschutz für alle 70 Mitarbeiter habe er besorgt. Aber bis kurz vor der Öffnung fehlte seitens der Politik noch eine gesicherte Auskunft darüber, wie viel Personen er denn in seine Läden einlassen dürfe, kritisierte Schreiber. Er habe die Mitarbeiter daher zunächst zahlenmäßig erst mal nur „sehr vorsichtig“ eingeplant.

Die Schließung der letzten Wochen sei ein „Desaster“ für ihn. Für alle Mitarbeiter habe er Kurzarbeitergeld beantragt. Vielen Geschäftsinhabern fehle jetzt Liquidität, im Herbst erwarte er eine Insolvenzwelle, sagte Schreiber.

Galeria Kaufhof reicht Klage ein

Die Essener Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof will in der Coronavirus-Krise gerichtlich klären lassen, ob seine Häuser geschlossen bleiben müssen. Das Unternehmen wende sich in einem Eilverfahren gegen die Coronaschutzverordnung, teilte das Oberverwaltungsgericht (OVG) des Landes am Freitag in Münster mit. Das Land hat Gelegenheit, dazu Stellung zu beziehen. Eine Entscheidung soll in dieser Woche nach Angaben des Gerichts nicht mehr fallen.

Die aktuell geltende Coronaschutzverordnung verbietet das Öffnen unter anderem von Kaufhäusern. Ab Montag gelten neue Vorgaben für den Einzelhandel. Große Kaufhäuser wie Karstadt und Kaufhof müssen demnach weiter geschlossen bleiben. Die von Bund und Ländern vorgegebene langsame Öffnung des Handels sieht nämlich vor, dass nur Geschäfte bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche ab Montag wieder unter bestimmten Sicherheitsauflagen öffnen dürfen. Mit dieser Regelung soll gewährleistet werden, dass nicht alle Läden auf einmal aufmachen und die Innenstädte dadurch wieder zu voll werden.

Allerdings hat das Land Nordrhein-Westfalen einen Sonderweg eingeschlagen: Es erlaubt zusätzlich die Öffnung von Möbelhäusern - darunter auch die der großen Kette Ikea - sowie von Babyfachmärkten. Mehrere Handelsketten und Verbände hatten bereits kritisiert, dadurch entstehe eine willkürliche Wettbewerbsverzerrung.

Nach Angaben einer OVG-Sprecherin bezieht sich der Eilantrag der Kaufhauskette auf die bisherige Regelung der Corona-Schutzverordnung, in der die 800-Quadratmeter-Regelung noch nicht vorkam. Es ist aber möglich, dass die kommende Neuregelung bzw. die Änderung der Schließungsregeln in das Verfahren einbezogen wird.

(dpa)