Aachen: „Eine Maschine ist nach sechs Monaten bereits zu langsam“

Aachen: „Eine Maschine ist nach sechs Monaten bereits zu langsam“

Wenn die Linsen für aktuelle Smartphones der großen Hersteller gefertigt werden, dann muss dies schnell und sauber ablaufen. „Ich kann nicht warten, bis eine Linse in zehn Sekunden geschnitten ist. Ich muss viele Linsen gleichzeitig bearbeiten“, erklärt Tobias Baier, Entwickler für Lasertechnik bei der Manz AG in Reutlingen (1900 Mitarbeiter weltweit, 266 Millionen Euro Umsatz 2013), einem weltweit führenden Hightech-Maschinenbauer.

Es sind Themen wie diese, die Experten beim International Laser Technology Congress AKL in Aachen bewegt haben.

Welche Bedeutung haben Laser im Hightech-Maschinenbau?

Baier: Für uns ist das wichtige Thema die Glasverarbeitung für die Smartphone- und Tablet-Entwicklung. Die Elektronikindustrie ist da der größte Treiber. Das sind international konkurrierende Konzerne, die in kurzen Zeiträumen immer neue Produkte in hohen Stückzahlen auf den Markt bringen müssen. Und wir versuchen, die Fähigkeiten, die ein Laser hat, so in Maschinen einzubauen, dass sie schnell und effizient produziert werden können.

Was heißt das konkret?

Baier: Ein Laser kann prinzipiell alles. Er kann cutten, er kann umschmelzen, er kann fügen und trennen. Das sind alles Fähigkeiten, die da draußen in der Fertigungswelt gebraucht werden. Aber es geht immer darum: Wie automatisiert kann ich so etwas anbieten? Die Herausforderung besteht darin, am Ende eine mehrere Meter lange Maschine zu haben, die idealerweise von niemandem bedient wird.

Es wird nur einmal Play gedrückt, und dann arbeitet die Maschine eine Woche lang durch. Insbesondere beim Smartphone und bei Tablets sind die Anforderungen hoch. Und die Entwicklungszeiten? Wir wissen doch aus den Prospekten der Mediamärkte: Ein Telefon ist nach einem halben Jahr weg. Es muss ständig neu sein. Es gibt eine Milliarde Smartphones auf der Welt, und es werden immer mehr. Die Herausforderung besteht darin, diesen Markt zu befriedigen.

Solche Maschinen arbeiten schon?

Baier: Die gibt es bereits. Aber eine Maschine ist nach sechs Monaten bereits zu langsam. Es muss alles schneller und besser werden. Zum Beispiel die Kameraschutzgläser an einem Smartphone, die werden alle mit einem Laser bearbeitet. Zwischenzeitlich werden Löcher um den Lautsprecherausschnitt mit Laser bewerkstelligt.

Wo sind die technischen Grenzen?

Baier: Es gibt reale, konkrete Grenzen: zum Beispiel, wenn ein Laser für das Ausschneiden einer Linse für das Smartphone eine Sekunde braucht, wäre es wünschenswert, es wäre nur noch eine halbe Sekunde. Dafür muss der Laser leistungsfähiger sein. Da gibt es noch technische Grenzen. Aber die Entwicklung geht weiter. Was es jetzt nicht gibt, gibt es in einem halben Jahr.

Wesentliche andere Grenzen sind die, die wir als Chancen betrachten müssen: Es gibt Fertigungsstätten in dieser Welt, in denen Arbeitsschritte eigentlich viel besser mit dem Laser zu bewerkstelligen wären. Die Schwierigkeit besteht darin, diese Chance in diesen Firmen zu erkennen. Und salopp gesagt ist es so: Der Laser kann vieles sehr viel verbessern, aber es muss jemand die Idee haben, es mit dem Laser zu probieren. Das ist noch die größte Hürde.

Aber beim AKL waren doch so viele kreative Köpfe aus diesem Metier?

Baier: Die Köpfe sind hier, wir wissen, was der Laser alles kann. Aber wenn irgendwo am Ende dieser Welt ein Material umgebogen wird oder mit einem konventionellen Bohrer gebohrt wird, dann geschieht dies auch mal ungenau. Dann müsste dieses Unternehmen auf die Idee kommen, es auch mal mit einem Laser zu probieren und muss dafür einen Laser-Fachmann kontaktieren. Ich glaube, das ist noch ein Problem.

Der Laser wäre also eine Chance für solche Unternehmen?

Baier: Vor Jahren war es noch undenkbar, dass ein Smartphone mit Lasern bearbeitet worden ist. Aktuell hat Audi den ersten Scheinwerfer mit Laserlicht vorgestellt. Auch vor Jahren undenkbar. In einem Jahr oder zwei wird es bestimmt weitere Beleuchtungskonzepte mit Laser geben. Thema Medizintechnik: Vor 20 Jahren war es undenkbar, dass wir mal mit Laser Augen operieren.

Dafür musste erst ein Augenarzt auf die Idee kommen, es mit dem Laser zu probieren. Und so wird es in den nächsten Jahren noch viele neue Beispiele geben. Vielleicht werden wir irgendwann Laser in Haushaltsgeräten haben. Wir wissen es noch nicht. Die Chancen sind so groß. Irgendwann wird einer die Idee haben, Laser in einem neuen Feld einzusetzen. Das ist das Spannende.

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