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Aachen: „Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann”

Aachen : „Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann”

Es ist die größte Fördersumme, die jemals in Nordrhein-Westfalen vergeben wurde, um Wirtschaft und Struktur zu fördern: Bis 2013 stellen das Land und die EU rund zwei Milliarden Euro zur Verfügung.

Bei der Verteilung des Geldes ist die Region Aachen, das heißt die Kreise Heinsberg, Düren, Euskirchen, und Kreis und Stadt Aachen, zurzeit Spitzenreiter - schon jetzt kann sie mit rund 30 Millionen Euro Förderung rechnen.

Ziel 2 nennt sich das Programm, das vor einem knappen Dreivierteljahr gestartet ist. Es läuft im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Europäischen Sozialfonds (ESF). In regelmäßigen Abständen ruft das Land NRW Wettbewerbe in besonders wichtigen regionalwirtschaftlichen Entwicklungsfeldern, sogenannten Clustern, aus. Von diesen hat Düsseldorf bisher 20 festgelegt.

Dazu gehören unter anderem Informations- und Kommunikationstechnologie, Energiewirtschaft, Medizintechnik, Logistik, aber auch Kulturwirtschaft und Tourismus. Die Konkurrenz ist groß: Alleine im Wettbewerb „Chemie und Kunststoff” gab es 140 Beiträge aus ganz NRW. Ausgewählt hat die Fachjury letztlich 29, davon fünf aus der Region Aachen. Kriterien sind die besten Ideen und Konzepte. „Nur mit einer guten Idee kommt man nicht weit, ein überzeugender Businessplan ist genau so wichtig”, sagt Ulrich Schirowski, Leiter der Regionalentwicklung bei der Entwicklungsagentur Agit und verantwortlich für die Ziel-2-Organisation in der Region Aachen.

Insgesamt 17 Projekte aus der Region hat die Düsseldorfer Fachjury bisher zur Förderung vorgeschlagen. Im nächsten Schritt können die Gewinner nun die in ihren Projekten vorgesehenen Fördersummen beantragen - aus datenschutzrechtlichen Gründen dürfen noch keine Einzelsummen bekanntgegeben werden. Schirowski geht aber davon aus, dass es sich insgesamt um etwa 30 Millionen Euro handeln wird. „Eine erste Bilanz, die sich sehen lassen kann”, sagt er. Zumal die Region damit landesweit an erster Stelle stehe. Selbst das in den vergangenen Jahren häufig mit strukturellen Fördermaßnahmen bedachte westliche Ruhrgebiet mit den alten Bergbaustädten Duisburg, Essen, Oberhausen und Mülheim, liege mit elf Siegerprojekten hinter der Region Aachen.

„Die Erfolge freuen uns besonders, weil wir mit Ausnahme einiger Kommunen in Heinsberg und Euskirchen, leer ausgegangen sind, wenn der Staat Wirtschaft und Struktur finanziell gefördert hat”, erklärt Manfred Sicking, Vorsitzender des regionalen Lenkungsausschusses. Der bestimmt, welche Wettbewerbsbeiträge noch zusätzlich mit einem regionalen Votum versehen werden. „Auf diese Weise erleichtern wir den Bewerbern den Weg durch die Wettbewerbsinstanzen.”

Viel Zeit, ihre Vorschläge beim Land einzureichen, bleibt den Bewerbern nicht. Nach dem offiziellen Ausruf aus Düsseldorf haben sie drei Monate, um einen knapp gehaltenen Beitrag einzureichen. Dabei unterstützen sie Regio Aachen, Agit und Regionalgentur Aachen. „Wir arbeiten Hand in Hand mit regionalen Wirtschaftsförderern und Wirtschaftskammern, um die Projekte mit den Antragstellern so optimal wie möglich ins landesweite Rennen zu schicken”, sagt Manfred Bausch, stellvertretender Geschäftsführer der Regio Aachen. Den Wettbewerbserfolg führt er auf das regionale Potenzial der vielen innovativen und kreativen Unternehmen zurück. Auch RWTH, FH und Forschungszentrum Jülich seien ein wichtiger Faktor.

Derzeit laufen neue Wettbewerbe, unter anderem im Bereich Gesundheitswirtschaft und Automotive. Auch dort könne die Region mit Erfolgen rechnen, sagt Ulrich Schirowski. „Wir haben noch eine ganze Reihe von Hochkarätern im Rennen.”

Im Wettbewerb „Energie”: das Forschungszentrum Jülich (FZJ); die Ceramic Fluel Cells GmbH aus Heinsberg-Oberbruch in Zusammenarbeit mit dem FZJ; Solland Sollar Cells aus Aachen in Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen; die Eschweiler AWA Entsorgungs GmbH zusammen mit dem Aachener Büro Berg & Partner und der FH Aachen; die IA Tech GmbH Aachen in Kooperation mit dem FZJ; RWTH und FZJ haben außerdem einen Antrag in Zusammenarbeit mit dem NRW TÜV Rheinland eingereicht und das FZJ ein Projekt mit der Malibu GmbH aus Solingen. Im Wettbewerb „Chemie und Kunststoff”: die CWS Resins GmbH aus Düren; die Nuon Energie und Service GmbH aus Heinsberg-Oberbruch; das Deutsche Wollforschungsinstitut der RWTH Aachen; die RWTH Aachen mit dem Lehrstuhl für Kunststoffverarbeitung und die Herzogenrather Leikon GmbH.

Im Wettbewerb „Kreativ- und Kulturwirtschaft”: der Kreis Aachen.

Im Wettbewerb „Regio-Clusterentwicklung” die Stadt Aachen.

Im Wettbewerb „Tourismus”: der Nabu - Naturschutzstation Haus Wildenrath in Wegberg und der Naturpark Nordeifel.