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Ein Haus auf Pump

Ein Haus auf Pump

Berlin (an-o) - Wer seinen Traum von den eigenen vier Wänden verwirklichen will, ist auf Fremdfinanzierung angewiesen. Es lohnt sich, verschiedene Angebote einzuholen.

"Vergleicht man die Konditionen der Banken, sind Zinsunterschiede von mehr als einem Prozent für das Darlehen möglich", sagt Jörg Sahr, Finanzexperte bei der Stiftung Warentest in Berlin. "Das hört sich nach wenig an, summiert sich aber unterm Strich." Schon bei einem Zinsunterschied von nur einem halben Prozent wird ein Kredit in Höhe von 100.000 Euro bei einer Laufzeit von 15 Jahren um gut 10.000 Euro teurer. Dem kann Thomas Bieler nur zustimmen: "Viele Bauherren machen sich krumm mit möglichst viel Eigenleistungen. Dabei könnte man das Geld auch an zwei Abenden am Schreibtisch herausholen", sagt der Experte von der Verbraucher-Zentrale NRW in Düsseldorf.

Günstige Zinsen

Die Voraussetzungen für einen Immobilienkauf sind im Augenblick gut: "Die Kapitalmarktzinsen sind noch günstig", so Klaus Möller ,vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken in Berlin. Zurzeit seien bei einem sehr günstigen Angebot bei einer Laufzeit von zehn Jahren Zinsen von 4,6 Prozent zu erwarten, sagt Verbraucherschützer Bieler. "Vor einigen Jahren waren es noch doppelt so viel." Dabei haben die Zinsen in den vergangenen Monaten sogar schon etwas angezogen. "Hinzu kommt, dass die Eigenheimzulage auf der Kippe steht." "Eine solide Finanzierung ist in jedem Fall wichtig", betont Möller. Bei den Volks- und Raiffeisenbanken bringen die Käufer im Schnitt 50 Prozent der nötigen Summe selbst mit. "Wir empfehlen, dass es mindestens 20 bis 30 Prozent sein sollten." Dabei sollte bedacht werden, dass nicht nur die Immobilie selbst bezahlt werden muss. "Nebenkosten wie Grunderwerbssteuer, Grundbucheintrag oder eventuell Maklerprovision kommen noch hinzu", sagt Möller.

Hypothekenmakler

Eine zunehmend häufiger genutzte Alternative zu Banken und Sparkassen sind so genannte Direktfinanzierer oder Hypothekenmakler wie die Interhyp AG in München. "Wir haben bei der Kreditvermittlung von Anfang an auf das Internet gesetzt", sagt Robert Haselsteiner, Mitbegründer des Unternehmens, das Darlehensnehmer und Kreditgeber zusammenbringt. "Mit dem Berater haben unsere Kunden nur per Telefon und E-Mail Kontakt." Der Kunde zahlt für die Kreditvermittlung nichts, die Banken dagegen Provision.

"Dafür bekommen sie die Interessenten für ein Darlehen vorsortiert", erläutert Haselsteiner - was den Banken Kosten spart. Online-Baufinanzierer seien durchaus seriös und meist günstiger als klassische Kreditinstitute, sagt Verbraucherschützer Bieler. Allerdings hielten sie sich in der Regel an die problemlos zu finanzierenden Fälle.

Jörg Sahr von der Stiftung Warentest empfiehlt in jedem Fall, mehrere Angebote zu studieren: Die Hausbank sollte darunter sein. Bei Kreditvermittlern könne man um die Konditionen nicht feilschen. "Bei der Bank, die man kennt, gibt es oft Verhandlungsspielraum." So lasse sich nicht selten vereinbaren, keine Schätzkosten oder keine Bereitstellungszinsen zahlen zu müssen.