Aachen: „Digital durchstarten“: Welche Möglichkeiten Unternehmen haben

Aachen : „Digital durchstarten“: Welche Möglichkeiten Unternehmen haben

Wie kann die Digitalisierung kleinen und mittelständischen Unternehmen dabei helfen, ihre Kunden noch besser zu erreichen? Mit dieser und weiteren Fragen befasst sich die Veranstaltung „Digital durchstarten“, die am Mittwoch im Aachener Eurogress stattfindet.

Dort können sich Unternehmen über die Möglichkeiten der Digitalisierung in ihrem Bereich informieren und von Unternehmern aus der Region lernen, wie sie die Digitalisierung ihres Geschäfts gemeistert haben. Unsere Redakteurin Nina Leßenich hat sich vorab mit einer der Referentinnen unterhalten. Xochilt Balzola-Widmann ist Mittelstandsexpertin bei Facebook und spricht über die Möglichkeiten von kleinen Unternehmen.

Frau Balzola-Widmann, kommen Unternehmen heute überhaupt noch ohne einen Facebook-Auftritt aus?

Xochilt Balzola-Widmann: Facebook ist für viele Unternehmen der Anfang der Digitalisierung. Mehr als 82 Prozent der Menschen sind heute mobil im Internet unterwegs. Im Vergleich dazu nutzen aber zum Beispiel noch 80 Prozent der Unternehmen in Deutschland Faxgeräte. Unglaublich! Die Endkonsumenten sind also schon deutlich weiter als die Unternehmen, wenn es um die Digitalisierung geht. Um erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen diese Entwicklung mitgehen.

Früher hat es aber doch auch ohne Facebook geklappt.

Balzola-Widmann: Vor 30 oder 40 Jahren hat man sich als kleines Unternehmen meist ausschließlich in seinem direkten Umfeld bewegt — zum Beispiel im Dorf. Durch das Internet ist dieses Dorf heute aber viel größer geworden. Was letztlich eine Chance für jedes Unternehmen ist.

Welchen konkreten Nutzen haben Unternehmen denn, wenn sie diese Chance nutzen?

Balzola-Widmann: Es ist vor allem eine Chance, um direkt in Kontakt zum Kunden zu treten. Mit Facebook kann fast jede unternehmerische Zielsetzung verfolgt werden, sei es, um die Bekanntheit für das Unternehmen zu steigern, neue Kunden in den Laden zu holen oder online Produkte zu verkaufen. Mit Kunden zu kommunizieren ist durch Facebook und besonders durch den Messenger unglaublich einfach geworden.

Wie kann der Kontakt zum Kunden zum Beispiel aussehen?

Balzola-Widmann: In Bielefeld gibt es einen Blumenladen, dessen Inhaberin ihren Kunden per Messenger mitteilt, welche neue Ware sie bekommen hat. Die Kunden können dann direkt zurückmelden, welchen Strauß sie am nächsten Morgen abholen möchten. Die Kommunikation ist also viel ungezwungener und einfacher — auch für den Kunden. Ich schreibe schnell eine Nachricht, frage etwas nach, bekomme eine Antwort und im besten Fall ist der Kauf dann abgeschlossen.

Wie geht man als Unternehmen damit um, wenn man in diesem Rahmen mit Hate Speech konfrontiert wird?

Balzola-Widmann: Wichtig ist vor allem: Als Unternehmen habe ich das Hausrecht auf meiner Seite und unter meinen Inhalten. Ich kann also selbst entscheiden, wie ich mit unangebrachten Kommentaren oder Nachrichten umgehen möchte. Kommentare können gelöscht oder verborgen werden, störende Nutzer können blockiert werden. Über die Seiteneinstellungen können außerdem Schlagworte festgelegt werden. Wenn Kommentare diese Schlagworte enthalten, werden sie erst gar nicht angezeigt.

Abgesehen von der direkten Kommunikation: Welche Vorteile habe ich als Unternehmer noch?

Balzola-Widmann: Ein Facebook-Auftritt kann helfen, mein Unternehmen klar zu positionieren — und somit dazu beitragen, dass ich mehr Umsatz generiere. Außerdem kann ich Kunden in internationalen Märkten leichter erreichen. Brooklyn Soap Company, ein Unternehmen aus Hamburg, das natürliche Pflegeprodukte für Männer produziert, gibt es seit fünf Jahren. Mittlerweile verkaufen sie ihre Produkte in 25 Ländern, 38 Prozent der Kunden leben nicht in Deutschland. Sie nutzen Facebook also, um mit Kunden weltweit in Kontakt zu treten. Recruiting ist auch ein Thema, auf das die Digitalisierung einen unmittelbaren Einfluss hat. Da gibt es einige gute Beispiele von Friseuren, die ihr Recruiting über Facebook abwickeln und darüber neue Mitarbeiter und Azubis gewinnen.

Das klingt nach viel Arbeit: Wie viel Aufwand muss ein Unternehmen investieren?

Balzola-Widmann: Selbst mit ein oder zwei Stunden pro Woche kann man schon viel bewegen. Viele machen den Fehler und fangen mit zu großen Zielen an. Mein Tipp ist daher: Einfach klein anfangen. Auch das Budget muss nicht groß sein. Das können am Anfang drei, vier Euro sein.

Und wenn ich mich mit Facebook gar nicht auskenne? Brauche ich dann nicht besser einen Social-Media-Manager?

Balzola-Widmann: Den braucht man erstmal nicht. Auch hier gilt: Einfach anfangen. Viele Leute haben eine hohe Hemmschwelle, wenn es um das Thema Digitalisierung geht. Was eigentlich absurd ist — denn privat sind eigentlich alle schon digital und nutzen Facebook, WhatsApp oder andere Dienste. Auch dem Unternehmen einen digitalen Auftritt zu verpassen ist dann nur der nächste logische Schritt.

Was sind aktuell die großen Trends auf Facebook?

Balzola-Widmann: Das sind ganz klar der Messenger, aber auch Bewegtbilder. Video ist mehr und mehr im Kommen. Für mobiles, bewegtes Bild gibt es inzwischen viele Formate, 360-Grad-Aufnahmen, Live-Videos. Solche Formate sind informativ und unterhaltsam und finden deshalb viel Zuspruch bei unseren Nutzern.

Es gibt bereits erste Versuche zu mobilem Bezahlen. Wann sind wir in Deutschland soweit?

Balzola-Widmann: Der Messenger hat ein großes Entwicklungspotential. Mobiles Bezahlen testen wir aktuell in den USA — wann und wie das nach Deutschland kommt, ist aber noch nicht klar.