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Berlin/Aachen: Die Städteregion als „kleiner Lichtblick“ in NRW

Berlin/Aachen : Die Städteregion als „kleiner Lichtblick“ in NRW

Man darf sich durchaus Sorgen machen, was die großen Städte in NRW angeht — jedenfalls, wenn man den Daten vertraut, die die Consult GmbH des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft gesammelt hat.

Im Auftrag von Immobilienscout24 und „Wirtschaftswoche“ haben die Forscher 69 Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern in Deutschland verglichen. Im insgesamt tristen Bild, das NRW bietet, ragt die Städteregion Aachen positiv heraus. Was die Dynamik der Entwicklung und die Zukunftsperspektiven angeht, schneidet sie in diesem Städteranking noch am besten von allen Kommunen an Rhein und Ruhr ab.

Der Aufbruch ins digitale Zeitalter

Knapp 100 Faktoren aus Bereichen wie Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt, Immobilien und Lebensqualität wurden analysiert. Zurückgegriffen wurde etwa auf Selbstdarstellungen von Unternehmen im Internet und auf offizielle Statistiken. Auch steigende Immobilienpreise und Mieten fließen positiv mit ein — „als Spiegelbild der konjunkturellen Entwicklung“, so die Autoren. Nicht alle Mieter dürften das so sehen.

Die Besonderheit dieser regelmäßig erstellten Untersuchung: Zum ersten Mal gibt es einen Zukunftsindex 2030, der das Potenzial der Städte für den Aufbruch ins digitale Zeitalter abbilden soll. Bei ihm schlägt zum Beispiel zu Buche, wie viel Forschung, kreative Dienstleistungen, Ingenieure, Patentanmeldungen und Breitbandanschlüsse es an einem Ort gibt. Und auch, wie viele Unternehmen sich mit der Industrie 4.0 auseinandersetzen.

Das Ergebnis für NRW ist hier ernüchternd: Keine der 23 Städte aus NRW schafft es in die Top 10. Im Gegenteil, neun der letzten zehn Städte liegen im westlichen Bundesland, darunter die Ruhrgebietsorte Herne, Gelsenkirchen, Duisburg, Gelsenkirchen und Oberhausen, aber auch Mönchengladbach. Aus Sicht der Autoren haben diese Kommunen den Strukturwandel zu einer innovativen und digitalisierten Wirtschaftsstruktur noch nicht geschafft, was etwa an relativ wenigen Akademikern und Beschäftigten in Forschung und Entwicklung festgemacht wird.

Einen „kleinen Lichtblick“ heben die Forscher allerdings hervor: die Städteregion Aachen auf Platz 14, direkt vor Köln. Die Landeshauptstadt Düsseldorf wird auf Rang 29 notiert. Ganz oben im Zukunftsranking stehen Darmstadt und Erlangen. Rang drei belegt als bestplatzierte Millionenstadt München. Mit Jena auf dem vierten Platz schafft es in dieser Kategorie sogar eine Ost-Stadt ganz nach oben.

Auch beim so genannten Niveauvergleich, der die absolute Wirtschaftskraft und somit den Ist-Zustand misst, fällt neben der Dominanz Bayerns die schlechte Position NRW auf. Unter den letzten zehn der Rangliste befinden sich erneut acht Weststädte, meist aus dem Ruhrgebiet. Nur Halle, das um drei Plätze auf Platz 62 abrutschte, und Bremerhaven (wieder Platz 66) haben es in diese Negativauswahl geschafft. Schlusslicht ist wie schon im Vorjahr Gelsenkirchen, knapp davor Herne und Oberhausen.

Das Maß der Dinge in dieser Kategorie bleibt der Süden Deutschlands, konkret: München. Die bayerische Landeshauptstadt liegt seit langem nach Einkommen, Wirtschaftskraft und Lebensqualität mit Abstand vorn, genau wie seit Jahren zwei weitere bayerische Städte folgen: Ingolstadt und Erlangen. Stuttgart, Regensburg, Ulm, Karlsruhe, Freiburg und Karlsruhe, die mit Frankfurt, Wolfsburg und Hamburg die Top 12 bilden, zementieren den Vorsprung des Südens. Beste Stadt aus NRW ist Münster auf Platz 15, die Städteregion Aachen wird auf Rang 38 geführt, Düsseldorf auf Rang 19, Köln auf 30.

Die dritte Kategorie des Rankings, der Dynamik-Index, bei dem der Grad der Veränderung in den letzten fünf Jahren gemessen wird, spiegelt sehr stark die Turbulenzen während und nach der Finanzkrise wieder, da sie eben bis ins Jahr 2009 zurückreicht. Am meisten legten in dieser Betrachtung die Autostädte Ingolstadt und Wolfsburg zu, die von der Abwrackprämie profitierten, nun aber womöglich wegen des VW-Skandals wieder vor Problemen stehen.

Auch Heilbronn, Pforzheim und Wiesbaden schossen nach vorn, während Bonn (Platz 48, 27 Plätze schlechter als im Vorjahr), Potsdam und Heidelberg stark abstürzten. Alle drei sind Beamten- und Hochschulstädte ohne viel Industrie. Aus NRW ist auch hier die Städteregion Aachen am besten platziert — auf Rang 24, allerdings sechs Plätze schlechter als im Vorjahr. Köln landet hier auf Rang 50 (minus zehn Plätze), Düsseldorf verbessert sich um fünf Plätze auf Rang 46.

Die Hauptstadt Berlin übrigens bewegt sich bei allen Betrachtungen übrigens im soliden Mittelfeld.

(hjd/dpa)