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Alsdorf: Die „soziale Frage” noch lauter stellen

Alsdorf : Die „soziale Frage” noch lauter stellen

Klares Votum für Ralf Woelk. Bei der Delegiertenversammlung des Deutschen Gewerkschaftsbundes ist der 44-Jährige zum neuen Vorsitzenden der DGB-Region NRW Süd-West gewählt worden.

52 von 55 Delegierten stimmten in der Alsdorfer Stadthalle für den gebürtigen Düsseldorfer, der seit fünf Jahren in Aachen lebt. Eine Gegenstimme entfiel auf den Nachfolger des im September verstorbenen Heinz Kaulen.

Bei seiner Vorstellung hatte Woelk sich als „Gewerkschafter durch und durch” empfohlen. Seine Lehre als Gartenbauer hatte er abgebrochen, nachem er Auszubildendenvertreter kennengelernt hatte. „Da war mir klar: âDu willst auch Menschen für solches Engagement begeistern´.”

Nach einem Politik- und Sozialwissenschaftsstudium begann Woelk 1994 als Jugenbildungsreferent beim DGB in Köln. In Düsseldorf war er ab 2000 Landesjugendreferent, seit vier Jahren ist er Abteilungsleiter Öffentlicher Dienst im DGB Bezirk NRW.

Lauter als bislang will der neue DGB-Regionsvorsitzende die „soziale Frage” stellen. „Immer mehr Menschen können von ihrer Arbeit nicht mehr leben. Dieses Phänomen ist längst aus den USA nach Deutschland gekommen.”

345.000 sozialversichert Beschäftigten im Bereich der DGB-Region stünden heute 125.000 Minijobber gegenüber, 90.000 mehr als noch in 2003. „Dieser Trend ist längst keine Frage der sozialen Schicht und Ausbildung mehr, die soziale Frage ist auch in den Universitäten angekommen!”

Frauen für das gewerkschaftliche Engagement zu gewinnen, habe er sich auf die Fahne geschrieben. „Frauen sind unterdurchschnittlich stark organisisert - aber überdurchschnittlich stark von prekären Arbeitssituationen betroffen.” Vor Ort sollten sich Gewerkschafter zudem verstärkt in politische Prozesse einmischen.

„Immer mehr Kommunen sind pleite. Das bedeutet weniger öffentliche Investitionen, weniger Impulse für Beschäftigung in der Region. Wir müssen Sorge dafür tragen, dass die Kommunen finanziellen Handlungsspielraum erhalten.”

Eine Einschätzung der Finanzkrise gab Guntram Schneider, Vorsitzender des DGB-Bezirks NRW. „Das ist nicht die Schuld von ein paar tausend durchgeknallten Investmentbankern, das ist eine Schuld des Systems.”

Eines Systems, das zunehmend nicht mehr mit realen Werten operiere. „Das sorgt für die Krise vor allem bei den mittelständischen Unternehmen - bei denen, die immer ihre Hausaufgaben richtig gemacht haben.”

Die Stärkung der Kurzarbeit sei - ebenso wie die Abwrackprämie - ein richtiges Signal gewesen, um Zeit zu gewinnen. Gleichwohl fürchte er, „dass zu Beginn des kommenden Jahres massenhaft Kurzarbeitsplätze in betriebsbedingte Kündigungen umgemünzt werden”, sagte Schneider.