Konjunkturbericht der IHK: Die regionale Wirtschaft wächst

Konjunkturbericht der IHK: Die regionale Wirtschaft wächst

Drohende Strafzölle und der Brexit, Russland-Sanktionen und die Diesel-Krise – die Liste der derzeitigen wirtschaftspolitischen Unruhen ist lang, Unsicherheit macht sich breit. Trotzdem: Die Investitions- und Beschäftigungsbereitschaft der Unternehmen in der Region bleibt weiterhin hoch und erreicht laut der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen den dritthöchsten Wert der letzten zehn Jahre.

Etwa vier von zehn Betrieben möchten mehr investieren und jedes dritte Unternehmen erwartet einen Anstieg des Personalbedarfs. „Entgegen den Erwartungen einiger Wirtschaftsanalysten ist die Stimmung gut und die Auftragsbücher der Unternehmen sind weiterhin voll“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer am Donnerstag bei der Vorstellung der aktuellen Konjunkturumfrage.

Die IHK hat im Dezember 304 Unternehmen aus der Region Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg mit insgesamt rund 22.800 Beschäftigten befragt. 53 Prozent der Betriebe bewerten ihre derzeitige Geschäftslage als positiv – das sind noch mal drei Prozent mehr als im Herbst 2018. Nur acht Prozent der Befragten sind unzufrieden. Entsprechend verzeichnet auch die Ertragslage einen deutlichen Aufwind.

Die Branchen: Insbesondere beim Einzelhandel hat sich die Geschäftslage laut IHK-Umfrage spürbar verbessert. Hatten im Herbst noch vier von zehn Unternehmen gute Geschäfte gemeldet, bewerten jetzt 57 Prozent der Befragten die gegenwärtige Lage als „gut“. Nur jedes sechste Unternehmen ist unzufrieden. Im Großhandel hat sich die Situation seit der Herbst-Umfrage zwar rückläufig entwickelt, wird aber dennoch überwiegend positiv bewertet. Vier von zehn Unternehmen berichten von guten Geschäften, jeder neunte Betrieb ist unzufrieden.

Unübertroffen ist das Ergebnis im Baugewerbe: Zum achten Mal in Folge meldet kein einziges Unternehmen schlechte Geschäfte – 68 Prozent aller Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als positiv. „Die Hochphase im Baugewerbe hat sich auch in den zurückliegenden Monaten fortgesetzt“, sagte der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Auch die Situation der Industriebetriebe hat sich seit Herbst verbessert. Mehr als die Hälfte der Betriebe meldet gute Geschäfte, zwölf Prozent sind unzufrieden. Weiterhin zufrieden zeigen sich auch die Dienstleistungsunternehmen. Bei 55 Prozent der befragten Betriebe haben sich die Geschäfte gut entwickelt, nur zwei Prozent berichten von einer negativen Entwicklung. 

Die Aussichten: Insgesamt rechnen die Unternehmen 2019 mit weniger Wachstum. Die Aussichten haben sich damit zum dritten Mal in Folge leicht verschlechtert. Drei von zehn Befragten rechnen mit einer Verbesserung der Geschäfte in den kommenden Monaten, jedes sechste Unternehmen befürchtet hingegen einen Rückgang. „Dennoch liegt der Erwartungsindex immer noch über dem langjährigen Durchschnittswert“, erklärt Bayer.

Laut der IHK-Konjunkturumfrage ist die Wirtschaft in der Region weiterhin auf Wachstumskurs. Foto: zva

„Insofern ist in den Wintermonaten nur mit einer leichten Konjunkturabkühlung zu rechnen.“ Die Aussichten auf das Exportgeschäft bleiben sogar auf einem nahezu unverändert hohen Niveau. Drei von zehn Industriebetrieben prognostizieren eine positive Entwicklung des Auslandsgeschäfts, zwölf Prozent erwarten eine rückläufige Nachfrage. Hohe Erwartungen haben vor allem die Chemische Industrie, der Maschinenbau und die Elektrotechnik. 

Die Probleme: Der mit Abstand größte Risikofaktor für die wirtschaftliche Entwicklung bleibt der Fachkräftemangel. Fast zwei Drittel aller Betriebe haben Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. Besonders drastisch ist die Lage im Gastgewerbe: Hier benennen 94 Prozent der Befragten den Fachkräftemangel als das größte Konjunkturrisiko. Handelshemmnisse würden die Betriebe hingegen noch nicht „schockieren“, sagt Bayer: „Es mag zwar einzelne Unternehmen geben, die beispielsweise unter den Restriktionen im Russland-Geschäft leiden, aber wenn wir über die Gesamtheit der Betriebe reden, dann sieht das deutlich anders aus.“

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