Die Region Aachen steckt in einem Riesenwandel

Diskussionsabend : Vom Wandel in der Arbeitswelt

Was Transformation bedeutet, lässt sich im Tuchwerk in der Aachener Soers sehr anschaulich erleben. Dort zeigen die alten Maschinen, wie sich das Gesicht einer Branche immer wieder veränderte, wie Maschinen Berufsstände ersetzen, aber auch neue hervorbrachten. Wie sich Arbeit in den Betrieben verändern wird, was nach dem Strukturwandel aus der Region Aachen werden könnte, darum ging es beim Diskussionsabend „Digitale Arbeitswelt Region Aachen: Chancen und Herausforderungen“.

Die Textilindustrie, die vor 100 Jahren noch 10.000 Menschen Arbeit gab, ist mittlerweile weitgehend Geschichte, ebenso wie der Steinkohleabbau. Bald wird es auch die energieintensive Industrie rund um den Braunkohletagebau im Rheinischen Revier, zu der die Region Aachen gehört, sein.

Riesenwandel in der Region

„Die Region steckt in einem Riesenwandel“, fasst das Achim Schyns, erster Bevollmächtigter der IG Metall Aachen, zusammen. Und während es bei der Textilindustrie mehrere Jahrzehnte dauerte, bis diese Branche schließlich Mitte der 90er Jahre aus der Region weitgehend verschwand, würden Veränderungen zukünftig immer schneller passieren. Eine Triebfeder dabei: die zunehmende Digitalisierung  von Arbeitsabläufen.

Doch ist die Digitalisierung tatsächlich der Jobkiller? Peter Ittermann von der TU Dortmund hat besonders über die Auswirkungen der Digitalisierung auf die sogenannte Einfacharbeit geforscht. Sein Ergebnis: Es ist differenzierter, als es oft dargestellt wird. Im Bereich der Einfacharbeit, also der Tätigkeiten, die keine spezifische Qualifizierung erfordern, sind die Zahlen in den vergangenen Jahren stabil geblieben.

2017 waren rund 1,6 Millionen Menschen in diesem Bereich beschäftigt. Dem DGB-Index Gute Arbeit aus dem Jahr 2016 zufolge fühlen sich zwei Drittel der befragten Einfacharbeitenden in NWR bislang nicht oder nur gering betroffen. Entscheidend sei, resümierte Ittermann, ob und wie Betriebe für sich entscheiden, neue Technologien zu nutzen. Dann sei es wichtig, die Beschäftigten mitzunehmen.

Ganz ähnlich sah das Patrick Loos von der IG-Metall-Bezirksleitung NRW. Gleichzeitig wies er auf das Problem des „digital divide“ hin, der Einfacharbeit und hochqualifizierte Arbeit verstärken und langfristig zu einem Wegbrechen der Mitte führen könnte. Unternehmen bräuchten aber eine gut ausgebildete Mitte, um am Markt anpassungsfähig zu bleiben.

Vor einem Umbruch steht aktuell auch die Automobilindustrie. Dort vollzieht sich der Wandel zur Elektromobilität auch mit Folgen für die bisherigen Strukturen in der Zuliefererindustrie. Denn Elektromotoren benötigen weniger Komponenten als konventionelle Verbrennungsmotoren. Dort sei es wichtig, so Loos, jetzt in die Betriebe zu gehen und den Wandel zu begleiten.

Im Wandel ist auch das Rheinische Braunkohlerevier. Derzeit beschäftigt die energieintensive Industrie und der Braunkohleabbau zusammen 110.000 Menschen in der Region. 2038 soll mit dem Abbau in der Region Schluss ein. Ralph Sterck von der Zukunftsagentur Rheinisches Revier skizzierte, wie es danach mit der Region weitergehen kann. Eine Energieregion wolle man weiterhin bleiben, bestehende Projekte zu erneuerbaren Energien, wie in Jülich (Solarenergie)  und Alsdorf (Grubenwasser, Erdwärme), ausbauen.

Vor allem gehe es um die Schaffung neuer Arbeitsplätze durch Ansiedlung von neuen Unternehmen. Dafür stünden Fördermittel zur Verfügung, die Unternehmensgründer abrufen könnten. Der Abend war Teil der Themen-Reihe „Innovative Gedanken zur Mobilität“, die vom Projekt Elektromobilität der IG Metall Aachen, Düren und Stolberg initiiert worden ist.