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Aachen: Die positiven Stimmen überwiegen noch

Aachen : Die positiven Stimmen überwiegen noch

Ob Zahnersatz aus Thailand oder orthopädische Schuhe aus China: In Asien Produziertes ist auch für das deutsche Gesundheitshandwerk längst ernstzunehmende Konkurrenz.

Und neben veränderten gesetzlichen Vorgaben durch die Gesundheitsreform einer der Gründe, weshalb immerhin 32 Prozent der Gesundheitshandwerker in der Region angeben, dass sie mit ihrer Geschäftslage nicht zufrieden sind.

Noch schlechter ist die Stimmung bei den Kfz-Handwerkern: Dort bewerten nur 59 Prozent der Betriebsinhaber ihre Lage als positiv. Denn viele Werkstätten spüren die Zurückhaltung der Verbraucher beim Kaufen, aber auch bei Aufträgen für Reparaturarbeiten.

Das sind Ergebnisse der Herbst-Konjunkturumfrage, mit der die Handwerkskammer (HWK) Aachen ein Stimmungsbarometer für die Unternehmen in der Region zeichnet. 562 Handwerksbetriebe haben sich diesen Herbst daran beteiligt.

Dabei sprechen Gesundheits- und Kfz-Handwerk aber nicht für alle: Immerhin beurteilen 80 Prozent der Inhaber regionaler Handwerksunternehmen ihre Geschäftslage im Vergleich zum Vorjahr mit gut oder befriedigend. Der Saldo zwischen denen, die eine gute Situation vorfinden, und denjenigen, die sie als schlecht und kritisch bewerten, zog auf plus fünf Prozent an. „Das heißt, aktuell überwiegen die positiven Stimmen”, sagt HWK-Hauptgeschäftsführer Ralf W. Barkey.

Das Handwerk im Raum Aachen habe seine wirtschaftliche Position im Sommerhalbjahr 2008 gefestigt. „Ein Drittel der Befragten rechnet allerdings mit Rückgängen im kommenden Winter.” Und auch darüber hinaus herrscht kein Optimismus: Mit einer guten oder zufriedenstellenden Geschäftslage rechnen für das Frühjahr 2009 nur 66 Prozent der Befragten.

Die Umfrage zeigt auch, dass große Unternehmen, das heißt, solche mit mehr als zehn Beschäftigten, mit den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für das Handwerk in den vergangenen sechs Monaten besser zurecht gekommen sind als kleine.

Von Förderprogrammen profitiert

Ganz oben auf dem Stimmungsbarometer stehen laut HWK die Handwerksunternehmen für den gewerblichen Bedarf, dazu gehören beispielsweise Metallbauer, Elektromaschinenbauer und Feinwerkmechaniker. „Diese Branche konnte im Sommer noch stattlich Gewinn aus dem Exportboom der deutschen Wirtschaft ziehen”, sagt Barkey. Allerdings zeichne sich bei ihnen ein Abflauen der Konjunktur ab. Gut sind die Geschäfte in den Ausbau- und Bauhandwerken gelaufen. „Sie haben vor allem von den Förderprogrammen zur energetischen Gebäudesanierung profitiert”, erklärt Nicole Thomys, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der HWK Aachen.

64 Prozent der Unternehmen, die sich an der Herbst-Umfrage beteiligt haben, verbuchten im Sommerhalbjahr 2008 mehr oder gleich viele Aufträge, die übrigen mussten Einbußen verkraften. Damit, sagt Barkey, blieb die tatsächliche Entwicklung hinter den Erwartungen der Inhaber zurück, die sie im Frühjahr noch geäußert hatten.

Stabil blieb die Beschäftigung: 85 Prozent der Unternehmen stellten zusätzliche Arbeitskräfte ein oder hielten ihre Belegschaft konstant. Der Bedarf an Fachkräften und Auszubildenden spielte schon in der Frühjahrsumfrage eine große Rolle. Sechs Monate später ist das nicht anders: Über die Fachkräftevermittlung der QualiTec, einer Tochtergesellschaft der HWK, suchen Betriebe derzeit 950 neue Mitarbeiter.

Unter Konkurrenz aus Asien leiden sie zwar nicht unmittelbar, aber am unteren Ende des Stimmungsbaromters finden sich auch die sogenannten personenbezogenen Dienstleister. Dazu gehören zum Beispiel Friseure, Kosmetiker und Textilreiniger. Wie die Kfz-Betriebe spüren sie die Zurückhaltung der Verbraucher.