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Paris: Die französische Butterkrise

Paris : Die französische Butterkrise

Die Redewendung „Leben wie Gott in Frankreich“ könnte bald ausgedient haben. Die französische Seele ist verstört angesichts des Anblicks leerer Butterregale in Supermärkten. La crise du beurre, die Butterkrise, bestimmt die Gespräche unserer Nachbarn. Wie soll das bloß an Weihnachten werden, so ganz ohne Butter — vorzugsweise in der salzigen Variante? Wer kann, beginnt zu horten.

„Es ist eine Situation, die es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gegeben hat“, schreibt die Tageszeitung „Le Figaro“. Ja, der Franzose neigt zum Drama — vor allem, wenn es ums Essen geht. Und inzwischen bedroht der Mangel die Existenz der Bäckereien, weil Butter für Croissants fehlen. Ohnehin waren die Preise für die Croissants schon von vielen Bäckern um fünf bis zehn Cent angehoben worden. Denn es geht natürlich ums Geld.

Landwirtschaftsminister Stéphane Travert versprach in einem Radio-Interview, dass die „Knappheit nicht andauern wird“. Die Milchproduktion steige im Herbst. Doch der Mangel hat wenig mit der Milchproduktion zu tun.

Hintergrund für die Butterkrise ist vielmehr ein Streit zwischen Butterproduzenten, Molkereien, Milchindustrie und Händlern. Aufgrund einer weltweit steigenden Nachfrage ist Butter teurer geworden. Auch in Deutschland hatten sich die Preise an der Börse innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt.

Diese Preissteigerung wurde hierzulande an die Verbraucher weitergegeben. Nicht so in Frankreich. Auch dort waren die Preise für eine Tonne Butter laut „Figaro“ von 2500 Euro im April 2016 auf 8000 Euro im September zwar gestiegen. Dort weigerten sich laut Medienberichten die Supermärkte aber die einmal im Jahr vereinbarten Preise anzupassen. Die nächsten Verhandlungen stehen theoretisch erst im Februar 2018 an. Die Folge: Die Produzenten stellten die Lieferungen an die Handelsketten ein. Ein Streit um den Preis ist in vollem Gange, inklusive gegenseitiger Schuldzuweisungen. Ende offen, obwohl erste Zeitungen gestern über ein Entgegenkommen der Supermarktketten spekulierten. Bauernverbände glauben, dass die Krise noch bis Januar anhalten werde.

Aber Not macht erfinderisch. Zeitschriften geben inzwischen kulinarische Nachhilfe: Gänseschmalz oder Öl statt Butter zum Braten werden dort angepriesen. Und so greifen die Franzosen laut Medienberichten inzwischen tatsächlich zum Äußersten: zur bislang verachteten Margarine.