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Aachen: Devolo AG setzt auf die Innovationskraft ihrer Mitarbeiter

Aachen : Devolo AG setzt auf die Innovationskraft ihrer Mitarbeiter

Sie könnte ein Knüller im gerade angelaufenen Weihnachtsgeschäft werden: die „dLAN Live-Cam“ aus dem Hause Devolo. Und der Chef des Aachener Unternehmens, Heiko Harbers, erwies sich bei der 36. Auflage des Forums von Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen und der Aachener Zeitung (AZ) als glänzender Verkäufer in eigener Sache.

Harbers machte dem Publikum im bestens gefüllten großen Foyer der IHK richtig den Mund wässrig, so dass die Traditionsveranstaltung fast schon ein wenig zur Verkaufsmesse wurde. Denn rund um das neue Angebot der High-Tech-Perle entspann sich ein spannender Dialog zwischen Harbers, dem Moderator Bernd Büttgens, stellvertretender AZ-Chefredakteur, und dem überaus interessierten, fachkundigen Publikum.

Alles kommt aus der Steckdose: Heiko Harbers im Gespräch mit Bernd Büttgens, dem stellvertretenden Chefredakteur unserer Zeitung.
Alles kommt aus der Steckdose: Heiko Harbers im Gespräch mit Bernd Büttgens, dem stellvertretenden Chefredakteur unserer Zeitung.

Eine Kamera, die es in sich hat

Die Kamera hat es in sich: Einfach mit der nächsten Steckdose verbunden, kann sie zu Hause bequem alles in ihrem fest installierten Blickfeld ins Visier nehmen. Und der Knüller: Per Smartphone-App oder via Tablet-Computer lässt sich von überall auf der Welt beobachten, was sich da gerade vor der Linse tut. Voraussetzung dafür ist das technische Steckenpferd der Firma Devolo: die Datenübertragung per herkömmlichem Stromkabel („Powerline“) mit dem dazugehörigen Equipment für das lokale Netzwerk, das „im Handumdrehen“ eingerichtet sei, wie Harbers betont: Ohne dass erst aufwendig Leitungen in der Wand verlegt werden müssten.

Was kann man mit solch einer Kamera alles machen, ohne dass es Probleme mit Datenschützern gibt? Aus dem Forum heraus kam dazu schon der eine oder andere Hinweis: zum Beispiel kontrollieren, ob die lieben Kleinen daheim tatsächlich über den Hausaufgaben sitzen. Oder, wie es Anwendungsberichte der ersten Käufer ausweisen, aus der Ferne beobachten, wie sich die „neuesten Kreationen im Aquarium“ entwickeln. Oder das Auto im Carport im Blick halten und „abends im Wohnzimmer sitzen und sehen, was vor dem Haus passiert“: Das sei „toll“, schwärmt ein enthusiastischer Nutzer. Für „Sicherheits-Überwachung“ sei das System allerdings nicht geeignet, schränkte Harbers ein. Dennoch: „Ich glaube fest an den Erfolg.“

Der Konkurrenz ein Schnippchen schlagen, einen technologischen Vorsprung von mindestens einem Jahr vor eventuellen „Kopisten“ der eigenen Produkte gewinnen: Das ist das Ziel von Heiko Harbers und seinem 150-köpfigen Team in Aachen. Damit dies gelingt, arbeiten allein 70 Ingenieure in der Forschung und Entwicklung. „Wachstum durch kontinuierliche Innovationen“, lautet das Credo. Für die Fertigung der Produkte („Wir machen Kompliziertes einfach“) wich Devolo bislang ausschließlich nach China aus — was die Gefahr des Nachmachens durchaus erhöhe, wie der Geschäftsführer im Gespräch mit Bernd Büttgens einräumte: Die Asiaten seien da „sehr aggressiv“. Seit September geht das Unternehmen hier neue Wege. Ein Zulieferer in Leipzig wurde gefunden, der bereits 20 Prozent der Lieferungen übernommen hat. Diese Quote soll ausgebaut werden, kündigt Harbers an. „Allerdings muss der Preis stimmen.“

Devolo sorgt mit einem dichten Netzwerk von Zulieferern und Dienstleistern am Standort Aachen für weitere Arbeitsplätze. Allein beim Logistiker, der auf dem Nachbargrundstück auf der Hüls ansässigen Spedition Hammer, werden durch Devolo-Aufträge bis zu 40 Arbeitsplätze ausgelastet. In ähnlicher Größenordnung bewegt sich das Team eines externen Callcenters, das für die Kundenanfragen und Service zuständig ist.

Vor zehn Jahren gegründet

Übrigens: Auch Fernseh-Satellitenempfang ist mit der Devolo-Technik in jedem Raum des Hauses möglich — neuerdings auch auf tragbare Internetgeräte. Für die Zukunft hat das Unternehmen noch einige Pfeile im Köcher, etwa fürs „intelligente Stromnetz“ oder für das Laden der Batterien von Elektroautos zu preiswerten, nachfragearmen Zeiten. Trotzdem räumte Harbers — der Devolo vor zehn Jahren gegründet und 2011 zu einem Umsatz von 122 Millionen Euro geführt hat — ein, dass das bislang gewohnte Wachstum wohl ein wenig gedämpft werde, wie erste Zahlen für 2012 erkennen ließen. Die Finanzkrise fordert ihren Tribut auf dem europäischen Markt, dem wichtigsten neben Deutschland, wo Devolo allein 70 Prozent der Geschäfte abwickelt.