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Aachen: Deutlich weniger Jugendliche ohne Ausbildungsplatz

Aachen : Deutlich weniger Jugendliche ohne Ausbildungsplatz

Dass es dafür bisher keinen anderen Begriff als „Altbewerber” gibt, bedauert Gabriele Hilger. Denn das Wort gefällt ihr nicht. „Damit sind Jugendliche gemeint, die nicht direkt im ersten Jahr nach ihrem Schulabschluss einen Ausbildungsplatz bekommen haben”, erklärt die Leiterin der Agentur für Arbeit Aachen.

„Altbewerber” klinge dafür schon sehr negativ. Dabei hatte Hilger Positives zu berichten, als sie am Montag zusammen mit den Vertretern von Industrie- und Handelskammer Aachen (IHK) und Handwerkskammer Aachen (HWK) Bilanz für den Ausbildungsstellenmarkt 2007/2008 zog.

„Die Situation am Ausbildungsmarkt ist stabil”, sagte Hilger. Zwar verzeichnet die Agentur bei den gemeldeten Ausbildungsstellen einen Rückgang von zehn Prozent.

In Zahlen heißt das: Vom 1. Oktober 2007 bis zum 30. September 2008, dem inoffiziellen Stichtag für den Beginn des neuen Ausbildungsjahres, wurden in Stadt und Kreis Aachen und in Heinsberg 4417 Stellen gemeldet - 490 weniger als im Vorjahreszeitraum. Aber das gute Niveau des vorletzten Jahres (2005/2006) konnte dennoch erreicht werden.

Auf der Nachfrageseite haben sich 4857 Jugendliche bei der Agentur für Arbeit ausbildungssuchend gemeldet. Das sind 657 Personen beziehungsweise 11,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Gründe für die sinkende Nachfrage sieht Hilger zum einen in den niedrigeren Schulentlasszahlen und weniger „Altbewerbern”. Zum anderen gingen die Jugendlichen bei der Suche anders vor. „Sie suchen aktiver selbst nach Ausbildungsstellen, zum Beispiel im Internet oder auf Online-Plattformen.”

Euphorischer ist man bei der IHK Aachen. Heinz Gehlen, Geschäftsführer der IHK-Abteilung Berufsbildung, spricht von der besten Bilanz seit der Wiedervereinigung. „In der Zeit vom 1. Januar bis zum 30. September, wurden im Kammerbezirk insgesamt 4493 neue Ausbildungsverhältnisse genehmigt.” Das bedeute eine Zuwachsrate von 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Dass wir die Rekordergebnisse der letzten Jahre mit teilweise zweistelligen Zuwachsraten nochmals toppen können, ist wirklich sensationell”, sagt Gehlen.

Nicht ganz so positiv fällt die Bilanz der Handwerkskammer Aachen aus. „Das liegt aber vor allem daran, dass es im Handwerk in den vergangenen Jahren nicht so große Schwankungen gegeben hat”, erklärt Geschäftsführer Arend Katterbach. Bis zum 30. September könne die Handwerkskammer 2599 aktive Lehrverträge verzeichnen. „Wir rechnen damit, dass es Ende dieses Jahres 3000 sein werden.”

Etwa hundert Stellen seien bislang unbesetzt. Unter anderem in den Berufen Dachdecker und Fleischer. Dass Stellen unbesetzt blieben, liege nicht selten daran, dass zwischen dem Schulniveau und dem in der Ausbildung gefragten, eine zu große Lücke klaffe.

Noch 112 unbesetzte Ausbildungsstellen verzeichnete die Agentur für Arbeit Aachen zum 30. September. 4450 waren es landesweit - ein Drittel weniger als im Vorjahr. Das meldet die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit in Düsseldorf. Damit sei die Zahl unversorgt gebliebener Bewerber auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der 1990er Jahre. Freie Lehrstellen gebe es landesweit 3410 - 430 mehr als im September 2007.

Vor allem im Nahrungsmittelhandwerk und in der Gastronomie würden noch junge Leute gesucht. Diese Berufe seien unter Jugendlichen weniger gefragt, weil es oft falsche Vorstellungen über die Arbeit in dieser Branche gebe. Weiterhin ganz oben auf der Wunschliste der Bewerber stünden dagegen die kaufmännischen Berufe.

Bundesweit hat die Agentur für Arbeit zum ersten Mal seit sieben Jahren mehr unbesetzte Ausbildungsplätze als unversorgte Bewerber registriert. Rund 14500 Jugendliche und damit 18200 weniger als im Vorjahr suchten Ende September eine Lehrstelle. Bundesweit seien noch 14500 Stellen frei. Wie die Bundesagentur mitteilte, gebe es in den ostdeutschen Bundesländern im Gegensatz zum Westen jedoch einen Bewerberüberhang von rund 1600 Jugendlichen.