Axino Solutions GmbH in Aachen: Der Mann für die Temperatur von Käse

Axino Solutions GmbH in Aachen : Der Mann für die Temperatur von Käse

„Das ist einzigartig auf der Welt“, sagt Michael E. Wallrath, und verweist auf ein unscheinbares, weißes Gerät, das es in sich hat: „Mithilfe unseres Sensors ist es möglich, die Kerntemperatur von Lebensmitteln permanent digital zu überwachen – und zwar auf ein Kelvin genau.“

Der Sensor wird im Kühlmobiliar eines Supermarkts befestigt und übermittelt – natürlich kabellos – die Lufttemperatur ans Backend. Ein Algorithmus errechnet dann die Kerntemperatur im Fleisch, im Käse oder Joghurt. Wird ein Schwellenwert überschritten, schlägt das System Alarm.

Angefangen hatte alles mit einer Anfrage der Migros-Genossenschaft, eins der größten Schweizer Handelsunternehmen: „Sie wollten wissen, ob wir uns vorstellen können, ein System zu entwickeln, das in der Lage ist, die manuellen, invasiven Messungen von Lebensmitteln im Kühlmobiliar weitestgehend digital zu ersetzen“, erzählt Wallrath, Geschäftsführer der Axino Solutions GmbH. Das Aachener Software- und Systemhaus startete daraufhin ein Forschungsprojekt mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Anderthalb Jahre lang wurden im Labor Messreihen durchgeführt: Verschiedenste Kühlgerätetypen wurden mit Testproduktgruppen von der Migros bestückt, Roboterarme simulierten die Betriebsarten eines Supermarkts – etwa viel Betrieb, wenig Betrieb, sprich: die Kunden öffnen die Türen der Kühlregale und -truhen häufig oder eben weniger häufig. „Unser Algorithmus ist sehr genau und lernt kontinuierlich dazu“, beschreibt Wallrath das Ergebnis. Beim Fisch liege die maximale Abweichung der errechneten Kerntemperatur bei +/- 0,5, beim Hackfleisch bei +/- 0,3.

Derzeit wird das digitale Temperaturmessverfahren in allen Filialen der Migros ausgerollt. In Deutschland zieht die Lösung „Axino.IoT.FoodSafety“ zunächst in drei Tegut-Märkte ein, mit Alnatura laufen konkrete Gespräche. „Das schlägt ein wie eine Bombe“, betont Wallrath. „Es gibt keinen anderen Hersteller, der auf diese Weise die Kerntemperatur in Lebensmitteln bestimmen kann.“ Die IPRs gehören der Axino Solutions, ein Patent ist bereits in Anmeldung.

Auszeichnung in Barcelona

„Eine echte Innovation also“, sagt Wallrath und zeigt stolz auf den „IoT Innovation World Cup“, mit dem die IoT-basierte Lösung auf dem diesjährigen „Mobile World Congress“ in Barcelona ausgezeichnet wurde. „Die Auszeichnung bestätigt, dass unsere Lösung zu den aktuellen Spitzeninnovationen im Bereich der IoT-Technologie zählt.“ Gegen mehr als 500 eingereichte Produkte aus aller Welt habe sich die Aachener Innovation in der Kategorie Lifestyle, Transport und Retail durchgesetzt: „Ein absolutes Highlight unserer Firmengeschichte.“

Dabei ist das IT-Unternehmen – historisch betrachtet – vor allem im Bereich Telekommunikation beheimatet. Seit 1988 – zunächst als Niederlassung des Schweizer Technologiekonzerns Ascom, seit 2016 dann als Axino Solutions mit Hauptsitz in Aachen – bietet das Unternehmen an der Charlottenburger Allee automatisierte Betriebs- und Netzwerkunterstützung sowie Carrierlösungen für Telekommunikationsbetreiber wie die Deutsche Telekom, die Telecom Italia oder die Telefónica in Spanien. Wallrath, der bereits 1992 zur Ascom stieß, nennt ein Beispiel: „Wenn ich eine Person in Australien anrufe, bestimmt unsere Lösung – in Abhängigkeit von kommerziellen und Qualitätsparametern – wie der Call geroutet wird.“ Auch die gesamte internationale Abrechnung des Sprach- und Datenverkehrs der Deutschen Telekom liege in den Händen von Axino Solutions.

Ein nicht minder komplexer, dritter Schwerpunkt ist der Bereich „Enterprise Asset Management“. Angefangen habe man mit der Aufgabe, die Antennenstandorte und die 900 Servicetechniker von T-Mobile deutschlandweit zu managen – heute zählen aber auch Volkswagen, E.ON, Siemens Mobility und die Uno zu den Kunden von Axino Solutions. „Wir wollten unsere Abhängigkeit vom Telekommunikationsmarkt reduzieren“, begründet Wallrath die Geschäftsausweitung. „Eine gewisse Vielfalt bedeutet eine gewisse Sicherheit. Es gibt immer mal ein Unternehmen, das hustet.“

Perspektive für Mitarbeiter

Wie denn das Tagesgeschäft mit rund 100 Mitarbeitern zu bewältigen sei? Wallrath schmunzelt: „Wir werden oft gefragt, ob wir nicht zu viel machen für die Mitarbeiterzahl, die wir haben. Aber ich würde es anders formulieren: Wir müssen die Geschäfte weiter ausbauen und weitere Mitarbeiter gewinnen, sodass diese Fragen nicht mehr kommen.“ Eine gute Geschäftsentwicklung ziehe in der Regel gute Leute an: „Es ist wichtig für Mitarbeiter, dass sie eine Perspektive sehen: neue Projekte, neue Themen, neue Technologien, neue Kunden in verschiedenen Branchen. Wenn wir einen Bewerber bei uns am Tisch sitzen haben, fängt er auch zu 80 Prozent bei uns an.“

Und wie kommt man auf neue Ideen? „Am Ende eines jeden Kundenmeetings frage ich: Was habt ihr sonst noch für Themen offen?“, erzählt Wallrath, der sich selbst als äußerst vertriebsfreudigen Menschen bezeichnet. Im neuesten Projekt gehe es etwa um Elektronische Preisschilder. Mehr verrate er aber noch nicht. Nur so viel: „Wir haben noch einige Innovationen auf Lager.“

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