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Köln: Der Kopf des Energieriesen serviert seine Vorstellungen

Köln : Der Kopf des Energieriesen serviert seine Vorstellungen

In der Kölner RWE-Zentrale ist der Tisch gedeckt. Brötchen, Aufschnitt, Marmelade und Rührei. Ulrich Jobs hat zum Frühstücksgespräch geladen. Hundert Tage nach seiner Inthronisierung als neuer Vorstandsvorsitzender der RWE Power AG macht der studierte Bergbauingenieur einen entspannten Eindruck.

Sein Prinzip: Nicht übereinander, sondern miteinander reden. Also dann. Er legt sein Jackett ab, isst eine Banane und legt los. Drei Punkte wird er servieren:

Der Klimaschutz sei bei RWE eine ganz wesentliche Leitlinie des unternehmerischen Handels, sagt er. Ein Satz, der mehr sein soll, als bloße Absichtserklärung. „Wir reden nicht nur, wir handeln”, sagt Jobs. Forschung und Entwicklung seien auf den Weg gebracht. Das nahezu CO2-freie Kohlekraftwerk soll ab 2020 in industrieller Größe auf den Markt gebracht werden. Bis 2014 soll ein Kraftwerk für Demonstrationszwecke fertig sein.

„Was noch fehlt, sind die Rahmenbedingungen.” Der Gesetzgeber müsse bis spätestens 2009 klargestellt haben, dass man im Interesse der Öffentlichkeit Leitungen auf privatem Grund verlegen dürfe. Auch das Bergrecht müsse geändert werden. „Hier ist die Verbringung von CO2 noch nicht geregelt.”

Jobs plädiert bei der Klimadebatte für Ehrlichkeit. „Es darf nicht ausgeblendet werden, dass Klimaschutz seinen Preis hat”, sagt er. Auch deshalb spricht er sich noch einmal deutlich für die Kernkraft aus. 26 Prozent der Stromerzeugung basiere auf Kernenergie, und niemand habe erklärt, wie die überhaupt und dann noch klimafreundlich ersetzt werden soll. „Deutsche Kernkraftwerke sind sicher”, sagt Jobs.

Bei der Zuteilung der Emissionswerte für Braunkohle sieht Jobs die politischen Weichen falsch gestellt. „Die Braunkohle wird benachteiligt, obwohl sie unbestreitbare Vorteile hat: die Importunabhängigkeit oder dass die Wertschöpfung komplett in eigener Hand bleibt.” Vor diesem Hintergrund dürfe die Frage nicht „Kohle ja oder nein?” lauten.

Die Aufgabe von RWE sei, innerhalb der veränderten Vorgaben Kohle möglichst umweltverträglich zu Strom zu machen. Schon heute baue man die Kraftwerke mit dem weltweit höchsten Wirkungsgrad. Für die Zukunft gelte es, innovative Techniken weiter voranzubringen, um die Braunkohle zukunftsfest zu machen.

Jobs sieht sich in einer besonderen Verantwortung für das rheinische Revier. Allein 2006 habe RWE Aufträge in Höhe von mehr als 700 Millionen Euro an Unternehmen aus der Region vergeben. „Die Tendenz für 2007 ist stark steigend.” Zusätzlich will er das Bemühen um ein gutes partnerschaftliches Verhältnis zu den Bürgern weiter ausbauen. „Wir wollen mit den Menschen im Gespräch bleiben”, sagt Jobs.