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Eschweiler: Der Jobabbau bei RWE geht weiter

Eschweiler : Der Jobabbau bei RWE geht weiter

Nach einem kurzen Jubel bleiben die Aktionäre skeptisch. Die Aufspaltung des RWE-Konzerns in zwei große Gesellschaften löst noch nicht die Euphorie aus, die sich der RWE-Chef Peter Terium erwartet hat.

Am Freitag muss ohnehin noch der Aufsichtsrat zustimmen, ob die Sparte für erneuerbare Energieen, Stromnetze und -vertrieb unter dem Namen „Newco“ zu einer Aktiengesellschaft zusammengefasst werden. Im Rheinischen Revier wächst derweil die Unruhe in der RWE-Belegschaft. Vorab die wichtigsten Fragen und Antworten zur Umstrukturierung des Konzerns.

Was führt den RWE-Konzern zu dem Schritt, profitable Geschäftszweige in eine eigene Aktiengesellschaft zu stecken?

Der RWE-Konzern steckt in einem Dilemma: Zum einen drücken massive Schulden in Höhe von über 25 Milliarden Euro, zum anderen setzt sich der Verfall des Strompreises am Großhandelsmarkt auf unter 30 Euro pro Megawattstunde weiter fort. Dies macht den Konzern für Anleger und Investoren uninteressant. RWE-Chef Terium hofft, mit der Aufspaltung an frische Milliarden zu gelangen. Zehn Prozent der Aktien der neuen AG sollen im kommenden Jahr veräußert werden. Damit sollen die Investitionen in Anlagen für erneuerbare Energie auf jährlich eine Milliarde Euro angehoben werden.

Welche Konsequenzen hat die Aufspaltung für das Rheinische Revier und die Braunkohleverstromung?

Der für die Kraftwerkssparte zuständige RWE-Generation- und RWE-Power-Chef Matthias Hartung bewertet den Vorschlag als „positives Signal“ und spricht von „zwei starken Säulen“, die den Konzern in Zukunft tragen würden. Dennoch müssen die Kraftwerke und Tagebaue weitere Sparprogramme bewältigen.

Unmittelbare Folgen lassen sich nicht in Zahlen ausdrücken, allerdings weist die Aufteilung in den expandierenden und zukunftsträchtigen Sektor mit regenerativen Energieformen und in die Stromerzeugung mit Atom- und Braunkohlekraftwerken den Weg. Mitte dieses Jahrhunderts dürfte die Braunkohle-Verstromung der Vergangenheit angehören. Als Option bleibt noch die stoffliche Nutzung der Braunkohle für die chemische Industrie in NRW.

Ist damit zu rechnen, dass nun der Ausstieg aus der Braunkohle schneller gelingt?

Experten streiten darüber, wie lange noch der Braunkohlestrom benötigt wird. Aktuell wird etwa ein Viertel des gesamtdeutschen Stroms in Braunkohlekraftwerken produziert. Über 15 Prozent stammen aber auch aus den Kernkraftwerken, die spätestens im Jahr 2022 vom Netz gehen. Bei RWE setzt man darauf, dass anschließend der Braunkohlestrom wieder bedeutender werden kann, da er im Gegensatz zu den „Erneuerbaren“ ständig zur Verfügung stehe.

Im Zuge dessen könnte der Strompreis steigen. Hartung hofft, dass bis zum Atomausstieg auch der Kapazitätsmarkt wieder ein Thema werden könnte. „In anderen europäischen Ländern ist ein solches Regulativ bereits üblich“, sagt er. Zugleich warnt er vor einem vorzeitigen Ausstieg, der „unnötig“ sei und zu Strukturbrüchen im Rheinischen Revier führen würde. Nach dem aktuellen Stand der Dinge werden im Kraftwerk Weisweiler im Jahr 2030 die Kessel abgeschaltet. Der Tagebau Hambach soll vor 2050 ausgekohlt sein.

Wie wird der Personalabbau von RWE im Rheinischen Revier von den jüngsten Entwicklungen beeinflusst?

Der Energie-Konzern hat im Zuge der Sparprogramm schon viele Arbeitsplätze gestrichen. Alleine in der konventionellen Stromerzeugung sank der Personalstand von 17.800 im Jahr 2012 auf aktuell 14.500. Allerdings betrifft dies auch die Produktionsstätten in den Niederlanden und in Großbritannien. Im Rheinischen Revier unmittelbar sollen mit dem im Herbst beschlossenen Aus für fünf 300 Megwatt-Blöcke in Niederaußen, Frimmersdorf und Neurath bis zum Jahr 2023 insgesamt 800 bis 1000 Arbeitsplätze wegfallen. Nach wie vor sei dies sozialverträglich vorgesehen.

Was geschieht mit den Altlasten — bleibt die Haftung für die Rekultivierung und den Rückbau der Atommeiler bestehen?

„Wir stehlen uns nicht aus der Verantwortung“, sagt Matthias Hartung. Nach eigenem Bekunden umfassen die RWE-Rückstellungen alleine zehn Milliarden Euro für die Kernenergie. Doch dieses Geld liegt nicht auf Konten, sondern muss zum Teil noch erwirtschaftet werden. RWE selbst kann einer Stiftung für die Kernernergie einiges abgewinnen, diese Haltung bekräftigte RWE-Vize-Chef Rolf Martin Schmitz bei den Verhandlungen in der Atomkommission.

Allerdings gehen Experten davon aus, dass die Rückstellungen der Unternehmen für die Entsorgung der Atommeiler nicht ausreichen. Ähnlich verhält es sich mit Rückstellungen für die Rekultivierung der Tagebaue und den Rückbau der Kraftwerke. Vorgesehen sind Restseen, die in den Tagebauen Inden, Hambach und Garzweiler angelegt werden. Sie sollen letztlich vom Grundwasser gespeist werden, dessen Spiegel nach dem Ende der Tagebaue wieder ansteigen wird.

Was passiert, wenn die von der Bundesregierung ausgegebenen Klimaziele für 2020 nicht erreicht werden?

In der mit den Energie-Unternehmen ausgehandelten Vereinbarung zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes bleibt eine Lücke von etwa 1,5 Millionen Tonen CO2-Emmissionen. Im Jahr 2018 wollen sich Unternehmen und Regierung die Entwicklung anschauen. Hartung schließt derzeit aus, dass ein weiterer RWE-Block dann vom Netz geht. So soll die Leistung des Kraftwerksparks heruntergefahren werden, um den Ausstoß des Treibhausgases zu verringern. Zum Vergleich: Ein 300-Megawatt-Block in einem Braunkohlekraftwerk verursacht im Jahr etwa 2,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid.