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Stein/Hoensbroek: Der Binnenhafen Stein - ein Geheimtipp

Stein/Hoensbroek : Der Binnenhafen Stein - ein Geheimtipp

Nach dem nächsten Binnenhafen in der Region gefragt, tippt meistens auch auf Köln, wer als besonders ortskundig gilt. Dass dieser Hafen aber nur knapp hinter der niederländischen Grenze liegt, in der 26.000-Einwohner-Gemeinde Stein, weiß kaum jemand.

„Wir sind immer noch ein Geheimtipp, auch viele Niederländer aus der Umgebung kennen uns noch nicht”, sagt Betreiber Jean L’Ortye. Er lächelt. So geheim, dass ihn überhaupt niemand kennt, ist sein Hafen auch wieder nicht.

Seinen Besuch empfängt L’Ortye in der alten Hafenmeisterei, die als Bürogebäude dient. Ein kleines, weiß verputztes Haus, das im vergangenen Jahr renoviert wurde. Von dort geht es hinunter zum Kai, wo gerade das blau-weiße Frachtschiff „R’Veer” anlegt. Es hat mehrere Hundert Tonnen Kohle geladen. Sie werden später unter Bahngleisen ausgelegt. Der Hafen Stein ist Umschlagplatz für sogenannte Schüttgüter. Dazu gehören Sand, Kies, Kohle, Glas und Schrott, aber auch Getreide und Biomasse - beispielsweise Holzpaletts.

Vor allem deutsche Firmen

Für 2009 verbucht Stein einen Umschlag von 460.000 Tonnen. Wegen der Wirtschaftskrise sei das Ergebnis um etwa 40.000 Tonnen niedriger ausgefallen als in den Jahren zuvor, erklärt Jean L’Ortye. Für 2010 rechnet er mit 600.000 Tonnen. Zum Vergleich: Die vier Kölner Binnenhäfen, die zu den größten in Deutschland gehören, hatten im vergangenen Jahr einen Frachtumschlag von etwa zwölf Millionen Tonnen. Hinzu kommen allerdings noch Container, die bei L’Ortye nicht verladen werden.

Zwischen 30 und 40 Prozent der Kunden des südlimburgischen Binnenhafens sind deutsche Firmen. „Deutschland ist für uns ein wichtiger Markt, und wir bieten Vorteile für deutsche Unternehmen”, sagt Jean L’Ortye. Er meint nicht nur die Nähe zur Grenze und dass der Hafen leicht über die Autobahnen A2 und A76 zu erreichen ist. Pluspunkte sieht der 34-Jährige auch bei den Kosten. Die hängen nämlich vom Wasserstand ab. Sinkt dieser unter einen bestimmten Pegel, kann der Schiffer nicht die komplette Fracht an Bord nehmen und berechnet dafür einen Zuschlag.

Im Julianakanal, an dem Stein liegt, ist der Wasserstand immer gleich. Dafür sorgen drei regulierende Schleusen zwischen dem Kanal und der parallel verlaufenden Maas. „Diese Möglichkeit gibt es beim Rhein nicht.” Vom Kai ist es einen guten Fußmarsch weit bis zu den beiden Rampen, an denen Schiffe beladen werden. An der hinteren Rampe macht ein großer Lkw gerade genau das bei dem Frachter „St. Philipsland”. Er bringt Ton nach Antwerpen. Die vordere Rampe ist noch nicht im Einsatz, in zwei Wochen soll sie fertig sein. Ihre Vorgängerin sei zu klein gewesen, sagt Jean L’Ortye. Große Schiffe passten nicht unter sie. Seit Jean L’Ortye und seine Schwester Vivien die Geschäfte 2005 von ihrem Vater Jan übernommen haben, haben sie fast sechs Millionen investiert. Seit einigen Monaten gibt es auf dem 75.000 Quadratmeter großen Hafengelände überdachte Lagerräume, zusätzlich zu den Lagerboxen auf dem Außengelände, die nicht wetterfest sind. Auch einen neuen Hafenkran haben die Geschwister angeschafft.

Zu den Kunden aus dem Raum Aachen gehört Dalmond Feuerfest Siegburg mit Sitz in Mechernich. Das Unternehmen nutzt, was Jean L’Ortye als weiteren Vorteil in die Waagschale wirft. „Bei uns gibt es alles aus einer Hand.” Für die Mechernicher, die feuerfeste keramische Werkstoffe und Waren herstellen, wird das Mineral Magnesit gelöscht.

In Stein wird das Magnesit auf die Transporter von L’Ortye geladen und in die Eifel gebracht. Für die Rheinische Baustoffwerke GmbH, ein Tochterunternehmen von RWE Power, organisiert das niederländische Unternehmen Verladung und Abtransport. Dabei geht es um Kies, der in Inden abgebaut wird.

Viele Unternehmen, sagt Jean L’Ortye, setzten auf reinen Lkw-Transport. Sie glaubten, dies sei schneller und flexibler. „Der Verkehr auf Straßen und Autobahnen nimmt zu und in großen See- und Rheinhäfen gibt es teils enorme Wartezeiten. Dadurch ist die Binnenschifffahrt deutlich zuverlässiger und pünktlicher.” Auch preislich rechne es sich umzusatteln.

„Für die Aachener Region hat der Antwerpener Hafen die größte Bedeutung. Stein bietet dorthin durchgehende Verbindungen an”, sagt Monika Frohn, Verkehrsreferentin der IHK Aachen. Für die Verladende Wirtschaft, aber auch für Transportunternehmen könne es sich im konkreten Fall lohnen nachzurechnen, wie viel Zeit und Geld ein Transport mit dem Lkw nach Antwerpen kostet und welche Zeit- und Kostenvorteile sich ergeben könnten, wenn die Waren in Stein auf einen Frachter umgeladen und dann nach Antwerpen verschifft werden.