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Düren: Den chinesischen Markt im Blick

Düren : Den chinesischen Markt im Blick

Was kümmert es uns, wenn in China ein Sack Reis umfällt? Normalerweise recht wenig. Doch in der Dürener Metallweberei GKD - Gebr. Kufferath AG sieht das anders aus.

China ist für das mittelständische Unternehmen der Markt der Zukunft und wird genau beobachtet. Das gilt vor allem seit vergangenem Monat, als der neue Hochgeschwindigkeitskurs von Schanghai mit einem Formel-1-Rennen seine Premiere hatte.

Auf dem „Shanghai International Circuit”, der vom Aachener Architektenbüro Hermann Tilke konzipiert wurde, sorgen die Dürener mit einem licht- und luftdurchlässigen Metallmaterial für die Verkleidung des Betons an den Haupt-Tribünen.

Nicht zuletzt mit Blick auf die anstehende Olympiade in Peking rechnet GKD-Vorstand Stephan Kufferath in der nächsten Zeit mit Folgeaufträgen für die Sportstätten in der chinesischen Hauptstadt.

Die Arbeiten für die Rennstrecke gingen hart an die Belastungsgrenzen des Mittelständlers aus Düren. Die Abwicklung und die Montage wurde über die in China bestehende Niederlassung erledigt. Ohne die ausgereiften Fertigungskapazitäten in Düren wäre man aber gescheitert.

Dreieinhalb Monate vergingen von der Auftragsvergabe bis zur Verschiffung der letzten Paneele. Dabei wurde eine Metallgewebefläche von 13,000 Quadratmetern, aufgeteilt in 147 Elemente mit einer Länge von 30 Meter und einer Breite von 7,70 Meter, rund um die Uhr produziert.

Für GKD fügt sich das Formel-1-Projekt in eine Reihe anderer Arbeiten wie Lieferungen für die Kamelrennbahn Nad-Al-Sheba in Dubai, das Wembley-Stadion in London oder das Stadion Santiago Bernabéu in Madrid. Immer waren die Architekten fasziniert von der Vielseitigkeit der textilen Struktur der Metallgewebe, die ihren Entwürfen einen typischen und unverwechselbaren Charakter verleihen.

Auf den Architektur- und Designbereich von GKD entfällt rund ein Drittel des Umsatzes von 50 Millionen Euro (2003). Traditionell ist GKD stark im Bereich der Sieb- und Filtertechnik und bei der Transport- und Prozessbandtechnologie. Motor für alle drei Bereiche ist, wie Technik-Vorstand Ingo Kufferath formuliert, der Anspruch der Technologieführerschaft verbunden mit Marktnähe und enger Kundenausrichtung.

Dabei wird nichts dem Zufall überlassen. Die riesigen Web-Elemente für China wurden zunächst in Düren auf dem speziellen „Schanghai-Tisch” ausgerollt, gespannt, getestet und konfektioniert. Qualitätskontrolle ist bei GKD die Voraussetzung fürs Geschäft. Bisher habe es deshalb bei den Architektur-Elementen noch keine Reklamationen gegeben, versichert Stephan Kufferath.

Der Begriff der Globalisierung ist bei GKD nicht mit Angst und Schrecken verbunden, sondern wird als Chance gesehen. In der weltweiten Aufstellung der Firma sehen die 380 Mitarbeiter in Düren - insgesamt sind es 500 - auch eine Job-Garantie. Produziert wird in sieben Werken, zwei in Deutschland - die übrigen in Großbritannien, Irland, Spanien, USA und Südafrika. Düren soll auch in Zukunft der Innovationsstandort der Gruppe bleiben, versichert Ingo Kufferath.

So werden 50 Prozent des Umsatzes mit Produkten erzielt, die jünger als vier Jahre sind. Neu wurde in diesem Jahr im Architekturbereich die Fertigung von Gittergeweben aufgenommen, die bei einer maximalen Breite von vier Metern keinen komplizierten Spannmechanismus benötigen. Wegen ihrer vielseitigen Verwendung kommen diese Gitter bei Architekten gut an, und die Produktion ist bereits auf Monate verkauft.

Im Grund wissen Ingo und Stephan Kufferath, dass Drahtgewebe vom Küchensieb bis zum Zaun recht anspruchslose Produkte sind. Ihnen ist es aber gelungen, mit den entsprechend aufgewerteten Geweben sich in die Wertschöpfung der Kunden einzuklinken und ihnen so einen interessanten Mehrwert zu bieten.