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Aachen: Dem Staat kein Geld schenken: Aachener Verein hilft

Aachen : Dem Staat kein Geld schenken: Aachener Verein hilft

Alle Jahre wieder — das Rennen ist schon in der Schlussrunde: Nur noch bis 31. Mai hat der gemeine Steuerbürger Zeit, beim Finanzamt die Steuererklärung fürs letzte Jahr einzureichen — wenn er dazu verpflichtet ist.

Wer sich beim Marsch durch den Steuerdschungel professioneller Hilfe von Steuerberatern bedient, hat mindestens bis Jahresende Zeit, die notwendigen Papiere einreichen zu lassen. Wer nicht selbst Ordnung in sein Unterlagen bringen, aber die Honorare professioneller Berater sparen möchte, hat eine Alternative.

Steuerpflichtige Bürger können auch auf einschlägig engagierte Vereine zurückgreifen. Dafür steht etwa der im Oktober 2010 gegründete Aachener Lohn- und Einkommensteuerhilfe-Verein (ACLV) zur Verfügung.

Die Vorstandsvorsitzenden Michael Slomka, gelernter Bilanzbuchhalter, und Diplom-Kaufmann Daniel Krott wollen ein Netz über ganz Deutschland spannen. „Wir sind dabei, bereits unsere zehnte Beratungsstelle zu eröffnen“, sagt Slomka.

Dabei unterstreicht der 39-Jährige aus Aachen-Kornelimünster, dass er den Verein keinesfalls als Konkurrenz zu den Steuerberatern positionieren möchte: „Unsere Klientel sind die kleinen Steuerfälle.“ Denn der Gesetzgeber hat peinlich darauf geachtet, dass sich Institutionen wie der ACLV nicht anmaßen, das ganz große Beratungsgeschäft stemmen zu wollen.

„Solche Vereine gelten als Selbsthilfeeinrichtungen von Arbeitnehmern“, bestätigt Peter Schmeling, Sprecher der Oberfinanzdirektion (OFD) Rheinland in Köln, gegenüber unserer Zeitung. „Daher dürfen sie steuerliche Beratung nur in engen Grenzen leisten.“ Deswegen müsse die Beratung nur auf Personen beschränkt werden, „die neben ihrem Arbeitslohn allenfalls geringfügige andere Einkünfte beziehen“.

Vollkommen raushalten müssen sich Lohn- und Einkommenhilfevereine bei Steuerbürgern, die irgendwelche Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit erzielen — insbesondere aus einem Gewerbe oder einem freien Beruf. Diese „beschränkte Beratungsbefugnis“ gelte selbst dann, „wenn diese Einkünfte nur nebenbei erzielt werden und geringfügig sind“, sagt Schmeling.

Durch diese Regelung solle sichergestellt werden, „dass komplexere steuerliche Beratungen“ nur von Experten geleistet werden dürften, die ihre umfangreiche Kompetenz durch entsprechende Ausbildung und Prüfungen nachgewiesen hätten.

Nach Schmelings Kenntnis gibt es rund 110 Lohnsteuerhilfevereine im Zuständigkeitsbereich seiner Behörde, den Regierungsbezirken Düsseldorf und Köln. Sie bieten mehr als 700 Beratungsstellen an — mit steigender Tendenz. Doch auch hier achtet die Finanzaufsicht darauf, dass die Personen, die solche Stellen leiten, über eine ausreichende steuerliche Qualifikation verfügen.

Für Michael Slomka war diese Vorgabe kein Hindernis auf dem Weg zur ACLV-Gründung gewesen. Er hat seine Ausbildung im Steuerwesen schon vor knapp 20 Jahren absolviert und seitdem reichlich Erfahrungen gesammelt.

Und was bekommt der Ratsuchende für seinen Mitgliedsbeitrag (siehe Infobox)? Neben der fertigen Steuererklärung — samt Prüfung des Bescheids des Finanzamts und eventuellem Einspruch — auf Wunsch ebenfalls Hilfe bei Kindergeldfragen, dem Antrag auf Sparzulage oder der Besteuerung von Renten und anderen Themen. Gerade das Altersruhegeld sei ein zunehmend wichtiger werdender Faktor, sagt Slomka, zumal immer mehr Senioren in den Fokus der Fahnder der Finanzämter geraten.

Er appelliert bei den noch aktiven Berufsgruppen an Handwerker oder mobiles Pflegepersonal, überprüfen zu lassen, ob sie Geld verschenken, wenn sie keine Steuererklärung abgeben. Viele von ihnen könnten Kosten geltend machen, die sich im wahrsten Sinne bezahlt machen — sprich: Ihnen winken satte Erstattungen. „Insbesondere junge Leute verschenken unglaubliche Summen an das Finanzamt“, verweist Slomka auf das Bundesamt für Statistik: Demnach „erhalten über 88 Prozent der Arbeitnehmer eine Steuererstattung“ — natürlich nur, wenn sie einen Antrag stellen: im Durchschnitt knapp 830 Euro. Wer erst jetzt hellhörig geworden ist: Bis zu vier Jahre rückwirkend muss der Staat zu viel gezahlte Steuern wieder rausrücken.

Übrigens: Beraten werden die Klienten nicht nur in den Büros oder zu Hause. Slomka setzt ebenfalls auf moderne Technik — mit Skype per Laptop übers Internet.